Sondierungsgespräche im Saarland SPD-Chef Heiko Maas geht auf Nummer sicher

Willigt die SPD in eine große Koalition ein? Oder gibt es Neuwahlen? Was im Saarland passiert, liegt in der Hand des SPD-Chefs Heiko Maas. Umfragen sehen seine Partei vorne, aber er misstraut ihnen. Maas ist betont vorsichtig . Er will an die Macht - und seine Chance nicht vermasseln.

Von Detlef Esslinger

Seit mehr als zwölf Jahren ist die SPD im Saarland in der Opposition. Zweimal war ihr Landesvorsitzender Heiko Maas, 45, als Spitzenkandidat angetreten, zweimal verfehlte er den Sieg. Und jetzt gibt es plötzlich die Chance, doch noch an die Regierung zu kommen, mitten in der Legislaturperiode. So plötzlich, dass Maas erst mal langsam macht.

Zweimal Spitzenkandidat, zweimal Sieg verfehlt: doch nun könnte der SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas doch noch an die Regierung im Saarland kommen.

(Foto: dapd)

Es sind ausdrücklich keine Koalitionsgespräche, die er nun der CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zugesagt hat. Lediglich zu Sondierungen, ob anschließend Koalitionsgespräche sinnvoll sind, ist die SPD bereit; das hat der Landesvorstand am Samstag bei einer Gegenstimme beschlossen.

Ein erstes Treffen mit der CDU wird es im Lauf dieser Woche geben. Zudem wird Maas die Vorstände aller sieben SPD-Kreisverbände besuchen. Danach wird entschieden, ob tatsächlich über eine Koalition verhandelt wird, die dann freilich bereits im Laufe dieses Monats gebildet würde. Falls nicht, wird es Neuwahlen geben. Es ist der seltene Fall, dass ein Oppositionsführer entscheidet, wie es in einem Bundesland weitergeht.

Maas glaubt, gute Gründe für sein vorsichtiges Vorgehen zu haben. Vor allem an der SPD-Basis denken viele, er hätte gleich Neuwahlen anstreben sollen; zumal die SPD in Umfragen zuletzt vor der CDU lag. Quasi in all derer Namen spricht die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, die sagt: "Wir haben Rückenwind und einen guten Kandidaten. Damit würden wir an der Spitze stehen."

Aber Maas war noch nie einer, der sich von einem Moment überwältigen ließ. Natürlich will er über kurz oder lang in die Staatskanzlei. Er war Staatssekretär im Umweltministerium, als das Saarland noch von einem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten namens Lafontaine regiert wurde, er war bis zum Regierungswechsel 1999 sogar ein Jahr lang Umweltminister, seit dem Jahr 2000 führt er den SPD-Landesverband.

Nur eine Spitze gegen die Gescheiterten

Natürlich weiß er, dass die nächste Wahl sein persönliches Endspiel sein wird: dann oder nie. Und gerade deswegen darf er die Chance, die sich ihm nun plötzlich bietet, unter keinen Umständen vermasseln. Deshalb gibt er zu erkennen, dass er den Umfrage-Ergebnissen misstraut und lieber auf Nummer sicher geht - mit der Methode, sich zunächst als Politiker zu inszenieren, dem es nicht auf den schnellen Effekt ankommt, sondern seine Bereitschaft zu Gesprächen als "parlamentarische Selbstverständlichkeit" beschreibt.

Heiko Maas sagt: "Die SPD stiehlt sich nicht aus der Verantwortung, nur weil andere den Schlamassel angerichtet haben." Das ist aber auch schon die einzige Spitze, die er sich am Samstag gegen CDU, FDP und Grüne, die gescheiterten Koalitionäre, erlaubt.