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Social Media gegen Joseph Kony:Arroganter Ansatz

Plakativ: Nachdem 60 Millionen Menschen schon das Video "Kony 2012" der Organisation Invisible Children geklickt haben, soll die Aktion gegen Massenmörder Jospeh Kony nun auch über Plakate bekanntgemacht werden.

(Foto: AP)

Das Foto sei eine jugendliche und dumme Idee gewesen, schreibt IC dazu. Es sei ironisch gemeint: Die sudanesische Armee habe sie zu ihrem Schutz bei Friedensgesprächen mit Kony begleitet. Dann hätte es sich angeboten, Freunden und Familien ein "joke photo" zu senden. Das Ironische daran sei, dass sie Waffen hassen. Und sie stellen klar: Kony muss lebend gefunden und gerichtet werden.

[] Amerikaner und hilflose Opfer: ein arroganter Ansatz

Kony 2012 reduziert die Menschen im Konflikt in zwei Kategorien: Den Übeltäter Kony und die hilflosen Opfer. Die, so spottet The Atlantic, "darauf warten müssen, bis ein Haufen amerikanischer Collegestudenten mit Plakaten ihnen hilft". Tatsächlich sprechen im Film nicht die Bürger vor Ort, die sich für eine Änderung der Lage einsetzen, sondern Jason Russell, der Macher und hippe Vater aus den USA. Er verspricht den betroffen Kindern Hilfe. Damit verkenne die Organisation auch die jahrelange Arbeit ortsansässiger Hilfsaktionen, so die Kritiker. IC dagegen betont, die Erfahrung anderer Organisationen zu respektieren, habe aber festgestellt, dass deren hierarchischer Ansatz in der aktuellen Lage nicht weiterhelfe. Daher seien 95 Prozent der Mitarbeiter vor Ort Ugander. Allerdings betont der Film tatsächlich die amerikanische Öffentlichkeit als ausschlaggebendes Kriterium für eine Kehrtwende im Fall Kony.

[] Spenden für Filmproduktion und Action Kits: Das Ziel ist doch die Verhaftung Konys

Nur ein Drittel der mehr als acht Millionen US-Dollar fließen in Programme, die betroffene Bevölkerungsgruppen unterstützten. Der Rest des Geldes wird für Filmproduktion, Poster und Mitarbeiter ausgegeben. Zu viel, sagen die Kritiker, schließlich helfe es nicht, dass die ganze Welt Kony kenne - und ihn keiner fasse.

Tatsächlich versucht IC Transparenz zu schaffen und listet seine Ausgaben detailliert auf. Sie fließen demnach in drei Projekte: die mediale Verbreitung der Botschaft, den Aufbau von Kampagnen und die Unterstützung vor Ort. Während andere Organisationen sich oft nur auf einen der Aspekte konzentrierten, decke IC alles ab. Zwischen der medialen Verbreitung und dem Aufbau von Kampagnen ist thematisch allerdings kein Unterschied zu erkennen.

Fest steht: IC hat mit dem Video eine ungeheure Energie freigesetzt. Der kurze Film hat mehr Aufmerksamkeit für die Verbrechen Konys erzeugt, als alle Jahresprotokolle der anderen Hilfsorganisationen zusammen.

Fest steht auch: Kony muss gestoppt werden. Aber Masse ist immer auch gefährlich. Sie verleitet dazu, sich von Bildern und sozialem Zusammenhalt verführen zu lassen. Reicht ein Umschlag mit Poster und Armband, um einen Massenmörder zur Strecke zu bringen? IC könnte jetzt die entstandene Energie und Aufmerksamkeit nutzen, um damit nachhaltige Aktionen zu initiieren. Die Kritik könnten dabei auch helfen: Das Internet ermöglicht nicht nur, Zustimmung zu erhalten, sondern auch, flexibel auf Ablehnung zu reagieren und transparent zu bleiben.

© süddeutsche.de/sana/beitz/holz
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