Serbien: Goran Hadzic verhaftet Die Kriegsverbrecher aus der Krajina

Zehntausende Zivilisten wurden Anfang der neunziger Jahre von serbischen Nationalisten aus ihrer kroatischen Heimat vertrieben, Hunderte wurden misshandelt, gefoltert, massakriert. Goran Hadzic soll für diese Taten mitverantwortlich sein. Mit ihm wurde der letzte Angeklagte des UN-Tribunals in Den Haag endlich gefasst.

Von Markus C. Schulte von Drach

Er war der letzte noch flüchtige der insgesamt 138 Angeklagten des UN-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien: Nun wird sich auch Goran Hadzic, der frühere Präsident der selbsternannten "Republik Serbische Krajina" in Den Haag für "Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen" verantworten müssen.

Drei der wichtigsten mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher 1993: Radovan Karadzic (links) war Präsident der selbsternannten Republika Srpska in Bosnien-Herzegowina.  Er wurde 2008 gefasst. Er gilt unter anderem als verantwortlich für das Massaker von Srebrenica 1995. Ratko Mladic (Mitte) war General der bosnisch-serbischen Armee. Er wurde 2011 gefasst. Das UN-Tribunal wirft ihm ebenso wie Mladic Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor. Goran Hadzic (rechts) ist 1993 Präsident der Republik Serbische Krajina. Auf dem Gebiet dieses selbsternannten Staates haben die Serben zu dieser Zeit Tausende Kroaten und andere Nichtserben deportiert oder ermordet.

(Foto: AP)

"Goran Hadzic ist heute morgen in der Region Fruška Gora verhaftet worden", verkündete Staatspräsident Boris Tadic in Belgrad. In dem kleinen Gebirge südlich von Hadzics ehemaligem Wohnort Novi Sad gibt es zahlreiche serbisch-orthodoxe Klöster. Und es gab Gerüchte, dass der Flüchtige ausgerechnet dort Zuflucht gefunden hätte.

Dem aber widerspricht Tadic deutlich. Hadzic sei weder in einem Kloster noch in einer Militärkaserne festgenommen worden. Der Präsident versucht so den immer wieder geäußerten Verdacht auszuräumen, mutmaßliche Kriegsverbrecher hätten sich mit Hilfe der serbischen Behörden oder Sicherheitskräfte versteckt.

Nun habe Serbien seine internationale Verpflichtung erfüllt, erklärt Tadic. "Damit beendet Serbien eines der schwierigsten Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal."

Offen ist allerdings die Frage, wieso es so lange gedauert hat, bis der Gesuchte endlich festgenommen wurde. Schließlich hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass sich Hadzic ausgerechnet in der Fruška Gora in einem der dortigen Klöster der serbisch-orthodoxen Kirche aufhalten würde. Seit 2004 sucht das UN-Tribunal nach dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Doch der Helfershelfer des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic war seit der Veröffentlichung der Anklage spurlos verschwunden.

Immerhin kommt der Erfolg der Fahnder überraschend schnell nach der Festnahme des früheren bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic im Mai. Die Umstände sind dabei durchaus kurios, denn offenbar hat ein Gemälde des italienischen Expressionisten Amedeo Modigliani die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Kriegsverbrechers gebracht. Hadzic sei das Geld ausgegangen, deshalb habe er versucht, das Bild zu verkaufen, das während des Kroatienkrieges Anfang der 90er-Jahre in seinen Besitz gelangt war. Das teilte der serbische Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, nach der Festnahme Hadzics am Mittwoch mit.

Präsident der selbsternannten Serbischen Republik Krajina

Hadzic, der 1958 im ostslawonischen Vinkovci geboren wurde, war vor dem Bürgerkrieg im zerfallenden Jugoslawien lediglich ein Lagerarbeiter und Lokalpolitiker gewesen. Bis Juni 1991 führte er den Serbischen Nationalrat der Serben in der Region Ostslawonien, Baranja und Westliches Syrmien im Osten Kroatiens an der Grenze zu Serbien. Danach erklärte sich der Rat zur Regierung des entsprechenden "Autonomen Serbischen Distrikts", an deren Spitze Hadzic stand.

1992 schloss sich der Distrikt der 1991 ausgerufenen, international aber nicht anerkannten Serbischen Republik Krajina an, einem Teil Kroatiens, der sich hufeisenförmig um den Westen Bosnien-Herzegowinas legt. Im Februar 1992 wählte die Mehrheit der lokalen serbischen Bevölkerung Hadzic zum Präsidenten dieser Republik, ein Amt, das er bis Dezember 1993 innehatte. Etwa ein Drittel Kroatiens nahmen die Serben für diese international nicht anerkannte Republik in Anspruch - und um diesen durchzusetzen, wurden Zehntausende Kroaten und andere nichtserbische Bewohner aus der Region deportiert, Hunderte wurden ermordet.

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