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Schweiz:Lockerung in diffuser Lage

Coronavirus disease (COVID-19) outbreak in Lausanne

Fast schon Frühlingsstimmung: Spaziergänger und Radfahrer in Lausanne.

(Foto: Denis Balibouse/REUTERS)

Geschäfte und Museen dürfen bald wieder aufmachen, obwohl es Anzeichen für eine dritte Welle gibt.

Von Thomas Kirchner, München

Trotz einer unklaren epidemiologischen Lage hat sich die Schweizer Regierung zu beträchtlichen Lockerungen entschlossen. Wie der Bundesrat am Mittwoch mitteilte, dürfen am 1. März alle Geschäfte sowie Museen und Zoos wieder aufmachen. Tennis- und Fußballplätze dürfen wieder bespielt werden, Kinder und junge Erwachsene bis 20 Jahren dürfen Sport treiben. Ihnen sind auch Wettkämpfe und Konzerte ohne Publikum erlaubt. Im Freien können sich bis zu 15 Menschen versammeln, im Inneren weiterhin nur fünf.

Die Restaurants bleiben vorerst zu. Allerdings bewegt sich der Bundesrat auf klagende Verbandsvertreter und protestierende Kantone zu und zieht nun in Betracht, schon nach drei Wochen auch den Innenraum von Restaurants zu öffnen. Allerdings nur, wenn sich die Lage "positiv entwickelt". Unter anderem soll die zurzeit knapp unter eins liegende Reproduktionszahl R nicht über diesen Wert steigen.

Tatsächlich entwickelt sich die Lage derzeit allenfalls seitwärts. Zwar waren die Infektionszahlen wochenlang gesunken. In den vergangenen Tagen stiegen sie jedoch wieder leicht. Experten deuten dies als Zeichen, dass extrem ansteckende Virus-Varianten, die sich in der Schweiz relativ früh stark verbreiteten, das Geschehen nun dominieren - und das Land vor einer dritten Welle stehen könnte.

"Schon beeindruckend"

Genaueres werde man in zwei Wochen wissen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset. Es sei "schon beeindruckend", dass offenbar genau das Szenario eintrete, das Wissenschaftler schon im Dezember vorhergesagt hätten. Er bleibe aber optimistisch. Im August 2020 hatte sich der Bundesrat verschätzt, als er trotz wieder steigender Zahlen beschloss, wieder Großveranstaltungen zuzulassen.

Wirtschaftsvertreter, viele Kantonsregierungen und alle bürgerlichen Parteien kritisierten die Ankündigungen zum Teil scharf. Allen voran die rechtskonservative SVP fordert Öffnungen in großem Stil. Besonders ablehnend hatte sich zuletzt ihre einflussreiche Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher geäußert, Tochter des Partei-Altstars Christoph Blocher. Den Corona-Kurs der Regierung, in der zwei SVP-Minister sitzen, verglich sie mit einer "Diktatur", die Demokratie sei ausgeschaltet worden. Sozialdemokraten und Grüne begrüßten den Plan des Bundesrats.

© SZ/toz
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