Schulen und Corona:Immer mehr Lehrkräfte sind dauerhaft krank

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Schulen und Corona: Auch die an vielen Schulen sehr aufwendige Elternarbeit zählt zu den Belastungsfaktoren für Lehrerinnen und Lehrer.

Auch die an vielen Schulen sehr aufwendige Elternarbeit zählt zu den Belastungsfaktoren für Lehrerinnen und Lehrer.

(Foto: Felix Kästle/DPA)

Schulleiter berichten in einer Umfrage von immer mehr Lehrerinnen und Lehrern, die langfristig wegen Krankheiten ausfallen. Und das liegt nicht nur an Corona.

Von Paul Munzinger

Schulleitungen in Deutschland beobachten immer mehr Fälle von dauerhaft erkrankten Lehrern in ihren Kollegien. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa gaben jeweils die Hälfte der befragten Schulleiter und Schulleiterinnen an, dass die Zahl langfristiger Ausfälle infolge psychischer und physischer Erkrankungen zugenommen habe. Zwei Jahre zuvor waren es noch 36 beziehungsweise 37 Prozent. Für die Umfrage wurden im September und Oktober 2021 insgesamt 1300 Schulleitungen befragt.

Beauftragt hatte die Untersuchung der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der sich wie andere Lehrerorganisationen aufgrund seiner kritischen Haltung zum Präsenzunterricht in der Pandemie zuletzt selbst viel Kritik anhören musste. Die Umfrage bietet dem Verband nun die Gelegenheit, den Blick auf die pandemiebedingte Mehrbelastung an den Schulen zu lenken, die vorhandene Probleme wie insbesondere den Lehrermangel verschärfe.

"Das Kartenhaus, das wir deutsches Schulsystem nennen, beginnt zusammenzubrechen", sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann bei der Vorstellung der Umfrage. Die Beobachtungen der Schulleitungen würden sich bald auch statistisch niederschlagen, etwa in der Zahl der Lehrkräfte, die vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Die Pandemie hat die Anforderungen an die Kollegien deutlich erhöht, da sind sich die Schulleitungen einig. 97 Prozent beantworten die entsprechende Frage mit Ja. Doch die Arbeitsbelastung steigt der Umfrage zufolge nicht allein durch Corona. Auch die Zahl der Schulleitungen, die den Schulalltag durch neuere Anforderungen wie Inklusion oder Integration erschwert sieht, ist zwischen 2019 und 2021 gestiegen, von 56 auf 63 Prozent.

Die Grundschulen sind besonders belastet

Als besonders belastend wird die Situation an Grundschulen empfunden, dort lag der entsprechende Wert bei 70 Prozent. "Die anhaltende Überlastung bereits vor Corona und der enorme Mehraufwand in der Pandemie machen die Lehrkräfte zunehmend krank", sagte Beckmann.

Knapp ein Drittel der Schulleitungen wünscht sich der Umfrage zufolge eine geringere Stundenzahl für Lehrkräfte. Das ist deutlich mehr als 2019, als es 19 Prozent waren. Knapp ein Viertel hätte gerne mehr Lehrkräfte zur Verfügung, auch hier gibt es einen deutlichen Zuwachs. An Geld fehlt es dagegen eher nicht, mehr finanzielle Ressourcen wünschen sich - genau wie zwei Jahre zuvor - nur fünf Prozent.

Bemerkenswert: Bei einem erheblichen Teil der befragten Schulleiterinnen und Schulleiter hat sich offenbar eine gewisse Ratlosigkeit ausgebreitet. Auf die Frage, was sie sich wünschen würden, um zur Gesundheit des Kollegiums beizutragen, antwortete ein Viertel: "weiß nicht" - mehr als doppelt so viele wie 2019. An Haupt-, Real- und Gesamtschulen waren es sogar 30 Prozent. Aus Sicht von Udo Beckmann könne das nur eines bedeuten: Die betreffenden Schulleitungen "haben mit der Hoffnung, dass sich etwas verändern könnte, abgeschlossen. Sie resignieren. Sie haben das Gefühl, die Politik lässt sie mit ihren Sorgen und Nöten allein."

Im Herbst 2021, nach eineinhalb Jahren Pandemie, ist aber durchaus auch eine andere Deutung denkbar: dass Corona bei den Schulleitungen ein Gefühl von Unsicherheit erzeugt hat, das sich auch durch alle denkbaren Sicherheitsvorkehrungen - Masken, Tests, Luftfilter - nicht vollständig vertreiben lässt.

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