Oskar Lafontaine

Im September 2011 zitierte der Spiegel aus einem Brief Helmut Schmidts an Oskar Lafontaine: Der Altkanzler hatte darin geschrieben, es sei "unmöglich", die "von Dir angedeutete Entschuldigung zu akzeptieren". Was war passiert, dass sich Schmidt derart unversöhnlich gegenüber Lafontaine zeigte?

Es hatte nichts damit zu tun, dass Lafontaine kurz nach dem rot-grünen Wahlsieg 1998 von seinem Ämtern als Finanzminister und SPD-Vorsitzender zurückgetreten war - viele in der Partei haben dem Saarländer das nie verziehen.

Es ging tatsächlich um eine Aussage Lafontaines aus dem Jahr 1982, also aus einer Zeit, da Schmidt noch Kanzler war und in seiner eigenen Partei für die Unterstützung des Nato-Doppelbschlusses kämpfte. In diesem Zusammenhang hatte Lafontaine dem Stern gesagt, mit den von Schmidt gelobten Sekundärtugenden Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit und Standhaftigkeit könne man "auch ein KZ betreiben".

Schmidt war tief getroffen, so eine schlimme Beleidigung habe er "weder innerhalb der Partei noch von einem politischen Gegner erlebt" schrieb er in dem Brief.

1990 rächte sich Schmidt: In einem Interview sagte er, Lafontaine werde die Wahl gegen Helmut Kohl "zu Recht" nicht gewinnen. 18 Jahre später erneuerte er diese Kritik in seinen persönlichen Erinnerungen und legte sogar noch einmal nach. In der Bild-Zeitung stellte Schmidt das populistische Potenzial des jüngeren Politikers mit dem des französischen Rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen auf eine Stufe, wobei er diesen Vergleich mit dem Hinweis, Lafontaine sei "links", immerhin relativierte. Und er wies darauf hin, dass "Charisma für sich genommen noch keinen guten Politiker" ausmache, ein guter Redner sei schließlich auch Hitler gewesen - ein Seitenhieb auf das rhetorische Talent seines Kontrahenten. Zu dem Zeitpunkt war Lafontaine längst aus der SPD ausgetreten und Mitglied der Partei Die Linke.

Bild: dpa/dpaweb 10. November 2015, 16:502015-11-10 16:50:06 © Süddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/ghe