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Fleischindustrie:Schlachthöfe entwickeln sich zu Corona-Brennpunkten

Schlachtbetrieb

Angesichts von Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen und Mitarbeiter-Unterkünften werden Forderungen nach schärferen Kontrollen und grundlegend besseren Arbeitsbedingungen laut. (Archivbild)

(Foto: dpa)

Die Branche steht wegen schlechter Arbeits- und Unterkunftsbedingungen seit vielen Jahren in der Kritik. Die prekären Verhältnisse sind ideal zur weiteren Verbreitung der Pandemie.

Nach zahlreichen Corona-Fällen in Schlachthöfen wächst die Sorge vor weiteren Infektionen. Die Branche steht seit Jahren in der Kritik - auch wegen der Bedingungen, unter denen dort gearbeitet wird, sowie der Unterbringung der Beschäftigten. In der Pandemie zeigt sich, dass diese Bedingungen die Ausbreitung des Coronavirus verstärken.

Nordrhein-Westfalen will bis zu 20 000 Beschäftigte in den Betrieben auf das Virus testen lassen. Der Schlachtbetrieb von Westfleisch in Coesfeld wurde vorerst geschlossen. Auch bei einer Schlachterei in Oer-Erkenschwick soll es dem WDR zufolge Dutzende Infizierte geben. Am Samstag schwärmten mehrere Teams des Kreisgesundheitsamtes in Coesfeld aus, um Beschäftigte in Unterkünften zu testen. Die Zahl der positiven Tests stieg auf mehr als 180, wie ein Kreissprecher mitteilte. Zunächst wurden bei mehr als 900 der 1200 Beschäftigten, von denen viele aus Osteuropa kommen, Abstriche gemacht.

Ähnliches ist auch in Schleswig-Holstein geplant. Dort sind eine Schlachterei in Bad Bramstedt und eine Sammelunterkunft für deren Mitarbeiter in Kellinghusen betroffen. Der Schlachthof hat seine Produktion eingestellt, die Unterkunft steht unter Quarantäne.

Angesichts der Corona-Ausbrüche werden Forderungen nach schärferen Kontrollen und grundlegend besseren Arbeitsbedingungen laut. Die Gewerkschaften, SPD und Grüne kritisierten langjährige Missstände und verlangten ein Ende des hohen Preisdrucks in der Fleischproduktion. Der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Freddy Adjan, sagte: "Diese Krise macht deutlich, wie überfällig es ist, auf Stopp zu drücken und den ruinösen Preiskampf beim Fleisch zu beenden." Über Werkverträge mit oft dubiosen Subunternehmen beschäftigte Mitarbeiter würden seit Jahren rücksichtslos ausgenutzt. Schlachthofbetreiber sollten das Schlachten aber nicht an billige Fremdfirmen auslagern dürfen.

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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte die Länder schon Ende April aufgefordert, den Arbeitsschutz streng zu kontrollieren. In einem Schreiben an die Arbeitsminister der Länder verwies er auf zunehmende Berichte über "unhaltbare Zustände beim betrieblichen Infektionsschutz" besonders bei Saisonkräften in der Landwirtschaft, aber etwa auch in der fleischverarbeitenden Industrie. Demnach haben sich schon Herkunftsländer von Beschäftigten bei der Bundesregierung gemeldet. Sie behielten sich auch Maßnahmen wie Ausreisestopps vor. Er bitte die Bundesländer daher eindringlich, den Arbeitsschutz streng zu kontrollieren, mahnte Heil.

© SZ.de/dpa/aner/ghe
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