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Schifffahrt:Europa und Asien müssen Handelsschiffe besser schützen

Zwischenfall im Golf von Oman

Der brennende Öltanker Front Altair im Juni 2019 im Golf von Oman.

(Foto: ISNA/AP/dpa)

Die Freiheit der Schifffahrt ist ein hohes Gut, welches auch in Krisenregionen wie dem Persischen Golf verteidigt werden muss. Staaten wie Deutschland sollten sich mehr engagieren - selbst wenn sie US-Präsident Trump damit in die Karten spielen.

Die Freiheit der Schifffahrt ist ein hohes Gut, gerade für eine derart vom Export abhängige Nation wie Deutschland. Die Warenströme der globalisierten Wirtschaft und mithin der Wohlstand in den Industrieländern wären ohne die Containerriesen und Öltanker nicht möglich. 90 Prozent des Welthandels werden mit Frachtschiffen aller Art abgewickelt. Es war also folgerichtig, dass die Bundesregierung sich an der EU-Operation "Atalanta" beteiligt, die mit Schiffen und Patrouillenflugzeugen die Seewege am Horn von Afrika vor somalischen Piraten schützt - die Haupthandelsroute zwischen Europa, der Arabischen Halbinsel und Asien.

Die Straße von Hormus, also das Nadelöhr vom Golf von Oman zum Persischen Golf, und die Meerenge Bab el-Mandab, der Eingang vom Golf von Aden zum Roten Meer, sind nicht weniger wichtige Schifffahrtsrouten. Durch die erste gehen 40 Prozent des weltweit verschifften Erdöls, die zweite liegt auf der Route, die durch die Operation "Atalanta" geschützt wird, also der Verbindung durch den Suezkanal, der Schiffen auf dem Weg von Asien nach Europa die Umrundung Afrikas erspart.

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Zwischenfall am Persischen Golf

Iran soll versucht haben, britischen Tanker zu stoppen

Die britische und die US-Regierung erklären, ein Kriegsschiff der britischen Marine habe sich zwischen dem Tanker und drei Angreifern positioniert. Die iranischen Revolutionsgarden streiten den Vorfall ab.

Beide Seegebiete sind Ziel von Attacken. Im Golf von Oman wurden in den vergangenen Wochen sechs Tanker von Sprengsätzen beschädigt - die USA und weitere Staaten machen Iran dafür verantwortlich. Und die von Teheran unterstützten Huthi-Milizen in Jemen haben wiederholt Raketen auf Schiffe in der Meerenge Bab el-Mandab gefeuert. Iran hat gedroht, ein britisches Schiff aufzubringen, nachdem die Behörden in Gibraltar einen von Iran genutzten Supertanker angehalten hatten. Er soll Öl geladen haben, das offenbar für ein mit EU-Sanktionen belegtes Unternehmen in Syrien bestimmt war.

Versicherungsprämien für Schiffe im Persischen Golf sind bereits gestiegen. Am Dienstag wurde nach den iranischen Drohungen ein britischer Tanker aus dem Golf eskortiert - ohne Zwischenfälle. Am Donnerstag zeigte sich, dass die Sorgen nicht aus der Luft gegriffen sind. Drei Boote der iranischen Revolutionsgarden belästigten einen weiteren britischen Tanker, versuchten laut dem Verteidigungsministerium in London, das Schiff abzufangen. Eine britische Fregatte eilte dem Schiff zur Hilfe und brachte es letztlich sicher durch die Straße von Hormus.

Kriegsschiffe aus Europa wären für Iran weniger provokativ als amerikanische

Schon vor diesem Zwischenfall wollte US-Präsident Donald Trump Patrouillen und militärischen Geleitschutz für Schiffe in den beiden Gebieten organisieren - im Zuge einer internationalen Koalition. Trump ist nicht plötzlich zum Multilateralisten geworden - sondern er fordert wieder ein stärkeres Engagement anderer Staaten ein, möglichst jener, deren Schiffe in dem Seegebiet unterwegs sind. Die Amerikaner wollen das Rückgrat und die Kommandostruktur stellen, die Patrouillenboote sollen auch aus Europa kommen.

Die Anfrage stellt Trump auch vor dem Hintergrund der Spannungen in der Golfregion durch den Konflikt der USA und ihrer arabischen Verbündeten mit Iran und durch den Streit um den Erhalt des Atomabkommens. Eine internationale Flottille wäre auch eine Internationalisierung des Konfliktes, das dürfte ein Ziel des amerikanischen Ansinnens sein.

Das allein aber sollte noch kein Ausschlusskriterium sein. Kriegsschiffe aus Europa oder aus Asien wären für Iran weniger provokativ als amerikanische oder saudische Patrouillenboote. Zugleich wären sie ein weiteres Signal an Teheran, dass Europa zwar das Atomabkommen aufrechterhalten will, nicht aber die aggressive Regionalpolitik der Islamischen Republik widerspruchslos hinnimmt. Gesichert sein müssten aber eine gemeinsame Befehlsstruktur und einheitliche Regeln, wie auf Zwischenfälle reagiert wird. Denn Ziel einer solchen Mission muss es sein, die Spannungen am Golf zu verringern, die Situation zu stabilisieren. Sie wäre ein Beitrag zur Krisenprävention.

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