bedeckt München 15°
vgwortpixel

Ölfelder in Saudi-Arabien:Weltgrößte Ölproduktion nach Drohnenangriffen eingebrochen

Fires burn in the distance after a drone strike by Yemen's Iran-aligned Houthi group on Saudi company Aramco's oil processing facilities in Buqayq

Brennende Raffinerie-Komplexe: Die gewaltigen Flammen verursachten dichte Rauchschwaden, die sich bis zu 150 Kilometer über Saudi-Arabien ausbreiteten.

(Foto: Social Media/Reuters)
  • Zehn Drohnenangriffe haben am Samstag die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien getroffen und Brände ausgelöst.
  • Offiziellen Angaben aus Riad zufolge ist die Ölproduktion infolgedessen um die Hälfte eingebrochen.
  • Die Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannten sich zu den Anschlägen, US-Außenminister Pompeo macht aber direkt Iran verantwortlich.
  • Die weltweiten Öl-Märkte seien derzeit gut versorgt, es gebe ausreichend Lagerbestände, teilte die Internationale Energieagentur mit.

Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben nach offiziellen Angaben aus Riad zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge geführt. Die Ölproduktion sei infolge der "terroristischen Attacken" um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens zurückgegangen, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA in der Nacht zum Sonntag unter Berufung auf Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman.

Dabei handele es sich aber nur um einen vorübergehenden Effekt, der zudem durch die Einspeisung vorhandener Ölreserven in den Markt teilweise kompensiert werde. Die Drohnenangriffe hatten am frühen Samstagmorgen Brände in zwei Raffinerie-Komplexen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Bakiak und Churais ausgelöst. Die gewaltigen Flammen stiegen weithin sichtbar in den hell erleuchteten Nachthimmel und verursachten dichte Rauchschwaden, die sich bis zu 150 Kilometer über Saudi-Arabien ausbreiteten. Inzwischen seien die Brände aber unter Kontrolle, hieß es in dem Bericht.

Politik Iran "Wir wollen keinen Krieg ...
Irans Außenminister Sarif im Interview

"Wir wollen keinen Krieg ...

... aber wir werden uns verteidigen", sagt Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif. Er setzt die Europäer im Atomstreit unter Druck - und hält die Tür für Kontakte mit den Amerikanern ganz weit offen.   Interview von Paul-Anton Krüger

Verletzte unter den Arbeitern der Raffinerie habe es nach bisherigen Erkenntnissen des Energieministers nicht gegeben. Zu den Drohnenangriffen hatten sich die Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Jemen bekannt. Ein Militärsprecher der Huthis sagte, der Angriff mit zehn Drohnen sei der bislang größte in Saudi-Arabien und eine "legitime Antwort" auf die anhaltende Militärkampagne der saudischen Streitkräfte im Jemen. US-Außenminister Mike Pompeo machte hingegen Iran direkt für die Attacken verantwortlich und schrieb am Samstag auf Twitter: "Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen." Iran wies die Verantwortung für die Angriffe laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP zurück.

Pompeo forderte alle Nationen auf, die iranischen Angriffe "öffentlich und eindeutig" zu verurteilen. Die USA würden sicherstellen, dass Iran für seine Aggression zur Rechenschaft gezogen werde. Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump habe dem saudischen Kronprinzen Mohammad Bin Salman in einem Telefonat "seine Unterstützung für Saudi-Arabiens Selbstverteidigung" angeboten.

Saudi-Arabien führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Huthis kämpft. Diese werden wiederum von Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle. In den vergangenen Monaten hatten die Huthis bereits mehrere Angriffe mit Drohnen auf Ölpipelines und Flughäfen in Saudi-Arabien ausgeführt.

Die USA sind zu Freigabe von Ölreserven bereit, sollte es nach den Drohnenangriffen zu Engpässen kommen. Energieminister Rick Perry habe zudem Führungskräfte seines Ministeriums angewiesen, zusammen mit der in Paris ansässigen Internationalen Energieagentur IEA mögliche gemeinsame weltweite Maßnahmen auszuloten, sagte eine Ministeriumssprecherin. Die IEA hatte zuvor erklärte, mit Saudi-Arabien in Kontakt zu stehen. Die weltweiten Öl-Märkte seien derzeit gut versorgt, es gebe ausreichend Lagerbestände.

Podcast Iran-Konflikt: Eskalation mit Ankündigung

SZ-Podcast "Das Thema"

Iran-Konflikt: Eskalation mit Ankündigung

Abgeschossene Drohnen und festgesetzte Tanker: Seit die USA aus dem Atomabkommen ausgestiegen sind, steuern Iran und USA wie in Slow-Motion auf die nächste Krise zu. Warum eskaliert der Konflikt gerade jetzt?   Laura Terberl, Paul-Anton Krüger