Diplomatie Sie ist die erste Botschafterin Saudi-Arabiens in den USA

Amerika hat Reema bint Bandar al-Saud in den 20 Jahren kennengelernt, die sie dort gelebt hat.

(Foto: AFP)

Prinzessin Reema bint Bandar kämpft für Frauenrechte und will das beschädigte Ansehen ihres Landes bessern. Gelingt ihr das, könnte sie sogar noch höher aufsteigen.

Von Paul-Anton Krüger

Der Posten des Botschafters Saudi-Arabiens in Washington ist für das Königreich wohl wichtiger als mancher Minister in Riad. Es hat deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht Symbolwirkung, dass König Salman ihn jetzt mit Prinzessin Reema bint Bandar al-Saud besetzt. Sie ist die erste Frau, die eine diplomatische Mission des Landes leiten wird. Zugleich löst sie Prinz Khalid bin Salman ab, Königssohn und jüngerer Bruder des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi trotz seines Rangs in der Familienhierarchie in Washington seine Glaubwürdigkeit verspielt hat und vor einiger Zeit nach Riad zurückbeordert worden ist.

Prinzessin Reema, geboren 1975, verkörpert eine neue Ära in den Beziehungen Saudi-Arabiens zu Amerika und zugleich die positiven Effekte der Reformen, die der Kronprinz dem Land verordnet hat. Größere gesellschaftliche Teilhabe von Frauen vor allem im Berufsleben zählt zu den erklärten Zielen des Thronfolgers. Es ist ein Thema, über das die Prinzessin oft gesprochen hat - über Herausforderungen und die sozialen Barrieren, die sie als Frau in ihrer Karriere überwinden musste. Zu den Fällen von inhaftierten Frauenrechtlerinnen in ihrem Land sagte sie nur, dass es sich um "Fragen der nationalen Sicherheit" handele. Weiter ging sie darauf nicht ein, obwohl sie nach eigenen Worten die Familien der Betroffenen kennt.

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Die geschiedene Mutter zweier Kinder weiß um ihre privilegierte Position; in einem Interview mit CNN sagte sie: "Ich habe tatsächlich eine Familie, die mir erlaubt mobil und dynamisch zu sein, aber das ist nicht die Realität vieler Frauen. Und bis es die Realität für viele Frauen ist, müssen wir weiter voranschreiten, denke ich." Als Teil dieses Voranschreitens betrachtet sie nach ihrem Bekunden die Vision 2030 des Kronprinzen, die mit viel Marketing-Sprech garnierte Reformagenda, die einen radikalen Umbau der immer noch am Öl hängenden Wirtschaft und eine gesellschaftliche Öffnung vorsieht, jedoch nicht mehr politische Beteiligung.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte sie, die Welt verlange Veränderungen von Saudi-Arabien, aber "wenn wir unsere Veränderungen zeigen, ist die Reaktion Zynismus". Sie klagte darüber, wie destruktiv und demotivierend es sei, wenn man jeden Tag ins Büro gehe, um Menschen zu motivieren, die Gesellschaft zu verändern, um dann immer nur zu hören zu bekommen, dass das zwar fabelhaft sei, aber ... "Warum immer aber? Sagen Sie das zu irgendjemand anders?", rief die Prinzessin, die als Beraterin des Kronprinzen am Hof arbeitete.

Ihre Karriere begann sie nach einem Studium in den USA in der Privatwirtschaft, unter anderem war sie Vorstandsvorsitzende von Alfa International, einem Unternehmen, das Luxusmarken vertreibt. Nach ihrer Rückkehr nach Saudi-Arabien im Jahr 2005 betätigte sie sich philanthropisch, gründete etwa ein Unternehmen, das die Ausbildung von Frauen fördert, oder engagierte sich im Kampf gegen Brustkrebs. Seit 2016 war sie zudem Vizepräsidentin der Sportbehörde und setzte sich in dieser Funktion dafür ein, dass Mädchen Sportunterricht bekommen und saudische Frauen Leistungssport betreiben und an internationalen Wettkämpfen teilnehmen können.

Amerika hat sie in den 20 Jahren kennengelernt, die sie dort gelebt hat. Ihr Vater, Prinz Bandar bin Sultan, bekleidete von 1983 bis 2005 das Amt, das sie nun übernehmen wird, später diente er seinem Land als Geheimdienstchef. Er war eng mit dem politischen Establishment in Washington verbunden, besonders mit der Familie Bush - zeitweise war sein Spitzname Bandar Bush. Die Netzwerke der Familie wird die Prinzessin zu nutzen wissen, um das schwer beschädigte Ansehen ihres Landes wieder zu bessern. Gelingt ihr das, würde sie sich für noch höhere Ämter empfehlen: Die Botschaft in den USA gilt als Sprungbrett für das Außenministerium.

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