Tschetschenen-Anführer Kadyrow:Putins Statthalter begehrt auf

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Russia's President Putin meets with Chechnya's leader Kadyrov at the Kremlin in Moscow

Die Loyalität Kadyrows gilt allein Putin persönlich. (hier Kadyrow bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten im Kreml im Dezember vergangenen Jahres)

(Foto: REUTERS)

Im Machtkampf zwischen den Moskauer Sicherheitsdiensten und dem Tschetschenen-Herrscher Kadyrow hat es schon mehrere Tote gegeben. Der Konflikt könnte zum Risiko für Präsident Putin werden.

Kommentar von Julian Hans, Moskau

Der Konflikt, der zwischen zwei Lagern in Wladimir Putins Machtgefüge ausgebrochen ist, zeigt eine Schwachstelle autoritärer Regime: Früher oder später gelangen sie an den Punkt, an dem sie für sich selbst gefährlicher sind als das Volk, gegen das sie sich wappnen.

Mit der Anweisung an seine Truppen, auf Polizisten aus anderen Regionen zu schießen, sollten diese ohne seine Genehmigung in Tschetschenien aktiv werden, unterstreicht der dortige Herrscher Ramsan Kadyrow aufs Neue seinen Anspruch, sich der Zentralgewalt nicht unterwerfen zu müssen. Dass er zur gleichen Zeit in schneller Folge Huldigungen und Ergebenheitsadressen an Wladimir Putin veröffentlicht, ist kein Widerspruch.

Putins Antworten waren bislang immer dieselben

Die Loyalität Kadyrows gilt allein Putin persönlich. Von niemand anderem lässt sich das Oberhaupt der Tschetschenen etwas sagen. So abstrakte Dinge wie Gesetz und Verfassung sind für ihn ohnehin nicht bindend. Damit ist er nur ein extremes Beispiel, welches das Herrschaftsprinzip in Putins Russland wie unter dem Vergrößerungsglas zeigt.

In den 15 Jahren, die Putin nun in wechselnden Rollen an der Macht ist, hat er auf Herausforderungen stets dieselbe Antwort gegeben: mehr Kontrolle, mehr Zentralisierung, mehr Geheimdienst und mehr Gewalt.

Während seiner ersten Amtszeit als Präsident hat er im Tschetschenien-Krieg den meistversprechenden Warlord - Kadyrows Vater - auf seine Seite gezogen und sich mit Geld und weitreichender Autonomie für Tschetschenien dessen Treue erkauft. Dass er als Garant dafür, dass Tschetschenien zumindest formell Teil der Russischen Föderation bleibt, nahezu unantastbar ist, nutzt Kadyrow weidlich aus. Die Republik ist ein Rückzugsort geworden für kriminelle Banden, die in Russland und über dessen Grenzen hinaus aktiv sind.

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