Tschetschenien:Putins Republik, Kadyrows Kommando

Ramzan Kadyrov

Nicht zum ersten Mal hat er sich über das russische Gesetz gestellt: Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow.

(Foto: Musa Sadulayev/AP)
  • Ramsan Kadyrow, Oberhaupt der Republik Tschetschenien, stellt sich nach einer Schießerei zwischen Einsatzkräften unterschiedlicher Einheiten über das russische Gesetz.
  • Seinen Leuten gibt er die Anweisung zu schießen, sobald fremde Sicherheitskräfte ohne vorherige Unterrichtung in Tschetschenien auftauchten.
  • Die Aussage hat eine neue Qualität, weil sie sich direkt gegen die Staatsgewalt wendet.
  • Nun stellt sich die Frage, wer in Tschetschenien letztlich das Sagen hat. Russlands Präsident Putin hält sich bedeckt.

Von Julian Hans, Moskau

Die Szenen, die sich am Sonntag vor einer Woche in Grosny abspielten, erinnerten an Schreckensszenarien russischer Sicherheitsexperten: In der Hauptstadt der Republik Tschetschenien schossen Einsatzkräfte unterschiedlicher Einheiten aufeinander. Erst eine dritte Einheit aus Spezialkräften des Geheimdienstes FSB konnte die Gegner trennen, so berichten es russische Zeitungen. Was war passiert?

Die Vorgeschichte spielt im September vergangenen Jahres im 500 Kilometer entfernten Stawropol. Im Streit über gemeinsame Geschäfte gibt der Tschetschene Dschambulat Dadajew zwei Schüsse auf eine örtliche Unterweltgröße ab. Der Getroffene überlebt. Am 19. April versuchen Sicherheitskräfte aus Stawropol, den Schützen in Grosny festzunehmen. Als dieser sich wehrt, springt ihm eine Einheit der Sonderpolizei Omon zur Seite, die dem tschetschenischen Innenministerium unterstellt ist, und das Gefecht beginnt.

"Sie sollen mit uns rechnen", droht Kadyrow

Am nächsten Tag gibt Ramsan Kadyrow, Oberhaupt der Republik Tschetschenien, vor Angehörigen seiner Sicherheitsbehörden eine Erklärung ab: Sollten ohne vorherige Unterrichtung auf dem Gebiet der Republik Sicherheitskräfte aus anderen Regionen auftauchen - "egal ob Moskauer oder Leute aus Stawropol -, eröffnen Sie das Feuer. Sie sollen mit uns rechnen." Den Polizisten aus Stawropol wirft er vor, sie seien von dem verletzten Unterweltboss geschickt worden, um Rache zu nehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Kadyrow über das russische Gesetz stellt. Im Dezember vergangenen Jahres hatte er angeordnet, Häuser von Terrorverdächtigen dem Erdboden gleichzumachen. Als Putin von Journalisten darauf angesprochen wurde, dass Sippenhaft auch in Russland nicht zulässig ist, sagte er nur lapidar, alle hätten sich an die Gesetze zu halten.

Doch die jüngste Aussage Kadyrows hat eine neue Qualität; sie richtet sich direkt gegen die Staatsgewalt. Damit stellt sich die Frage, wer in Tschetschenien letztlich das Sagen hat. Kadyrow stützt seine Herrschaft in der in zwei blutigen Kriegen umkämpften Republik auf ein Heer mehrerer Tausend schwer bewaffneter Kämpfer. Diese sind zwar formal dem Innenministerium unterstellt, hören aber auf Kadyrows Kommando.

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