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Russland:Nawalny in Moskau festgenommen

Alexej Nawalny ist nach seiner Rückkehr aus Deutschland am Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden. Zuvor war sein Flugzeug umgeleitet worden.

Von Silke Bigalke, Moskau

Alexej Nawalny ist am Sonntagabend am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden. Der russische Oppositionelle war wie angekündigt aus Deutschland zurückkehrt, wo er sich seit August von einem Giftanschlag erholte. In Moskau führten ihn mehrere Polizisten an der Passkontrolle ab. Seine Festnahme war keine Überraschung, die russische Strafvollzugsbehörde hatte sie bereits vor Tagen angedroht.

Auch deswegen saßen zahlreiche Journalisten im selben Billigflieger wie Nawalny, der eigentlich an einem anderen Flughafen im Süden Moskaus landen sollte. Dort warteten Hunderte Unterstützer Nawalnys und viele Pressevertreter vergeblich auf dessen Ankunft, nachdem das Flugzeug überraschend umgeleitet worden war. Bis zuletzt sei kaum zu glauben gewesen, dass die Behörden "solche Angst haben", schrieb Nawalnys Sprecherin Kira Jarmusch auf Twitter. "Aber das ist die Bestätigung."

Er sei glücklich, dass er nach Moskau gekommen sei, sagte Nawalny nach der Landung. Vor den Handykameras seiner Mitreisenden hielt er eine kurze Ansprache, nachdem er am Terminal aus dem Flugzeugbus gestiegen war. "Ich habe keine Angst. Ich gehe mit absolut normalem Gefühl zur Passkontrolle, komme raus und fahre nach Hause", so der Oppositionelle. Kurz darauf filmten seine Begleiter, wie er mit den Polizisten diskutierte, die seiner mitgereisten Anwältin nicht erlauben, ihn zu begleiten. Nawalny verabschiedete sich noch von seiner Frau Julia und folgte den Beamten allein.

Am Flughafen Wnukowo, wo der Oppositionelle planmäßig landen sollte, nahmen Einsatzkräfte derweil mehrere Unterstützer Nawalnys fest. Die Polizei hatte sich dort mit einem Großaufgebot auf die Ankunft des Kremlkritikers vorbereitet, die Nawalny am Mittwoch recht kurzfristig in einem Video angekündigt hatte. Die Flughafenverwaltung verbot Journalisten, vom Gelände aus zu berichten. Sie warnte zudem vor einer "ungenehmigten Massenveranstaltung".

Dennoch folgten viele Anhänger Nawalnys Aufruf, ihn nach der Landung am Flughafen zu treffen. Dort wurden einige enge Mitarbeiter Nawalnys festgenommen, darunter die prominente Oppositionelle Ljubow Sobol. Andere Unterstützer wurden bereits auf dem Weg nach Moskau aufgehalten. Kurz vor der geplanten Landung räumten Sondereinsatzkräfte mit Hunden Teile des Flughafens Wnukowo. Viele Menschen warteten daraufhin vor dem Gebäude bei minus 20 Grad auf Nawalnys Ankunft, riefen "Russland wird frei sein". Nawalny bekamen sie nicht zu sehen.

Wie es für den Oppositionspolitiker nun weitergeht, blieb am Sonntagabend offen. Er soll gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben, weil er sich während seiner Zeit in Deutschland nicht persönlich bei den russischen Behörden meldete. Nawalny war 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft wegen angeblichen Betrugs verurteilt worden. Die Strafe war damals zur Bewährung ausgesetzt worden und könnte nun in Gefängnis umgewandelt werden. Zudem ermitteln die Behörden in einem neuen Fall gegen ihn, dabei soll er Spendengelder in Millionenhöhe unterschlagen haben. Er weist das zurück.

Nawalny verabschiedete sich am Samstag auf Instagram mit einem "Danke Freunde!" bei den Deutschen. Die seien "wirklich liebe Leute" mit Sinn für Humor, schrieb er. Der Kremlkritiker bedankte sich bei allen, die ihm geholfen haben, bei Ärzten und Physiotherapeuten, bei Polizisten und sogar bei den deutschen Staatsanwälten, die ihn auf russisches Ersuchen hin befragt hatten.

© SZ/woja
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