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Fall Nawalny:Russland verhängt Sanktionen gegen Deutschland

Kremlgegner Alexej Nawalny

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny im Februar.

(Foto: Pavel Golovkin/dpa)

Moskau reagiert auf die Sanktionen, die die EU wegen der Vergiftung des russischen Oppositionellen einführte. Nun soll es Einreisesperren gegen Vertreter des deutschen Regierungsapparats geben.

Russland hat Einreisesperren gegen Vertreter des deutschen Regierungsapparats verhängt. Moskau reagiert damit auf Sanktionen, die die EU zuvor wegen der Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny gegen Russland verhängt hatte. Das wurde am Dienstag der Geschäftsträgerin der deutschen Botschaft in Moskau, Beate Grzeski, bei einem Gespräch im russischen Außenministerium mitgeteilt. Zuerst hatte die Deutsche Presse-Agentur darüber berichtet.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte die Strafmaßnahmen bereits im November angekündigt. Die Namen der betroffenen Personen wurden nicht mitgeteilt. Sie erfahren von der Sanktion erst bei Einreise nach Russland.

Nawalny war im August auf einem Inlandsflug zusammengebrochen. Der Pilot hatte damals eine Notlandung in der sibirischen Stadt Omsk unternommen. Nawalny wurde zunächst dort in ein Krankenhaus gebracht und später in die Berliner Charité geflogen.

Der russische Oppositionspolitiker soll mit einem in der Sowjetunion entwickelten chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sein. Russland hatte wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, dass es nicht zur Aufklärung des Falls beitrage, und seinerseits das Vorlegen von Beweisen gefordert.

Am Montag hatte Nawalny ein Video veröffentlicht, demzufolge ein Agent des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB den Anschlag zugegeben haben soll. Nawalny erklärte, er habe sich in einem Telefonat mit dem Mann als Assistent des Chefs des russischen Sicherheitsrats ausgegeben. Der Inkognito-Anruf hängt mit einer Recherche mehrerer Medien zusammen, zu denen das Nachrichtenmagazin Spiegel zählt. Die Journalisten hatten in der vergangenen Woche Rechercheergebnisse veröffentlicht, denen zufolge mindestens acht russische Geheimdienstagenten den Anschlag auf Nawalny verübt haben sollen.

© SZ/dpa/jsa/gal
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