Verstorbener Putin-Gegner:Russische Behörden halten Nawalnys Mutter hin

Verstorbener Putin-Gegner: Ljudmila Nawalnaja, die Mutter des verstorbenen russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, und sein Anwalt Alexei Zwetkow.

Ljudmila Nawalnaja, die Mutter des verstorbenen russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, und sein Anwalt Alexei Zwetkow.

(Foto: MAXIM SHEMETOV/REUTERS)

Erst in eineinhalb Wochen will sich das zuständige Gericht in Sibirien mit der Herausgabe des Leichnams von Alexej Nawalny befassen. Die Behörden verweisen auf angebliche Untersuchungen.

Mit einer Klage will die Mutter des in Haft gestorbenen russischen Kremlkritikers Alexej Nawalny die Herausgabe des Leichnams erreichen - doch das zuständige Gericht in der westsibirischen Stadt Salechard will sich damit erst in eineinhalb Wochen beschäftigen.

Die Verhandlung zu dem Antrag von Ljudmila Nawalnaja sei für den 4. März angesetzt worden und solle hinter verschlossenen Türen stattfinden, meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch. Die Behörden hatten den Angehörigen Nawalnys seinem Team zufolge zuvor erklärt, die Leiche werde wegen "chemischer Untersuchungen" noch zwei Wochen unter Verschluss bleiben.

Nawalny war nach Behördenangaben am vergangenen Freitag bei einem Hofgang im Straflager nördlich des Polarkreises zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche der Strafvollzugsbeamten seien vergebens gewesen, heißt es. Nawalny war zum Zeitpunkt des Todes erst 47 Jahre alt, aber durch einen Giftanschlag im Jahr 2020 und wiederholter Einzelhaft im Lager geschwächt.

Die Behörden verweigern den Angehörigen trotz internationaler Proteste den Zugang zu Nawalnys Leichnam. Sein Team, das dem russischen Machtapparat Mord vorwirft, sieht darin einen Vertuschungsversuch. In Russland haben bereits mehr als 70 000 Menschen einen Aufruf zur Herausgabe des Leichnams an die Angehörigen unterzeichnet.

Nawalnys Mutter Ljudmila hatte am Dienstag in einem Video Russlands Präsidenten Wladimir Putin persönlich darum gebeten, ihren Sohn schnellstmöglich zu sehen und beerdigen zu können. Bislang gab es darauf noch keine Reaktion aus dem Kreml.

Die Witwe Nawalnys, Julia Nawalnaja, wird in der kommenden Woche im Europäischen Parlament erwartet. Die 47-Jährige werde bei einer Plenarsitzung in Straßburg "zur Welt sprechen", teilte die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola mit. Nach Parlamentsangaben soll sie am kommenden Mittwoch voraussichtlich gegen 11.30 Uhr sprechen.

USA kündigen neue Sanktionen an - Bundestag befasst sich mit Nawalny

Die USA wollen in Kürze ein umfangreiches Sanktionspaket gegen Russland wegen des Todes von Nawalny und des zweijährigen Ukraine-Krieges auf den Weg bringen. Die Ankündigung der Strafmaßnahmen sei für Freitag geplant, sagte der Sprecher für nationale Sicherheit im Weißen Haus, John Kirby. Das Paket solle Russland für den Tod Nawalnys und für Moskaus Handlungen während des Krieges in der Ukraine zur Rechenschaft ziehen.

Auch Großbritannien verhängt neue Sanktionen, und zwar gegen, Wadim Kalinin, den Leiter des Straflagers, in dem Nawalny saß, und fünf weitere Offiziere. Sie dürfen nicht mehr ins Vereinigte Königreich einreisen. Etwaiger Besitz in Großbritannien wird eingefroren, wie das Außenministerium in London mitteilte.

Die Europäische Union hat unterdessen den russischen Vertreter bei der EU vorgeladen und eine unabhängige internationale Untersuchung von Nawalnys Tod gefordert. Sein Leichnam solle zudem unverzüglich seiner Familie übergeben werden. "Die EU-Seite übermittelte die Empörung der EU über den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, für den letztlich Präsident (Wladimir) Putin und die russischen Behörden die Verantwortung tragen", heißt es. Der Kreml bestreitet eine Verwicklung in den Tod Nawalnys.

Die Abgeordneten des Bundestags machten in einer Aktuellen Stunde an diesem Mittwoch ebenfalls Putin fraktionsübergreifend für den Tod des Kreml-Kritikers verantwortlich. Der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour betonte, Putin trage "mindestens politisch" die Verantwortung für die Ermordung Nawalnys. Noch deutlicher äußerte sich der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen: "Diese Ermordung war selbstverständlich Chefsache. Putin ist der Täter."

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