Republikaner vs. Hillary Clinton Die Rechte kämpft um ihr Lieblingsthema

Profilierung bei der Basis: Dass die US-Gesellschaft in politischen Fragen extrem polarisiert ist und sich beide politischen Lager misstrauisch gegenüber stehen, ist oft beschrieben worden. Der Abgeordnete muss die eigene Klientel bei Laune halten und Härte beweisen, denn Gefahr in Sachen Wiederwahl droht schließlich vor allem von einem noch radikaleren Herausforderer aus den Reihen und nicht vom politischen Gegner.

Eine kleine amerikanischen Fahne liegt am Tag nach dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi auf der Straße

(Foto: dpa)

An der Verachtung vieler Republikaner für Obama hat sich nichts geändert: Viele trauen dem Demokraten jede Schandtat zu, weshalb Sprüche wie "Gegen Bengasi ist Watergate Kinderkram" gut ankommen. In den letzten Tagen vor der Wahl 2012 brachten viele Romney-Fans Schilder zu Veranstaltungen mit, die den Tod der vier Amerikaner in Libyen thematisierten. Bei der Schlusskundgebung mit Mitt Romney und Paul Ryan in Ohio riefen Dutzende Besucher "Macht endlich eure Arbeit und schreibt über Bengasi" in Richtung des Pressezelts.

Misstrauen gegenüber Mainstream-Medien: Im rechten Amerika ist die Überzeugung weit verbreitet, dass die landesweiten TV-Sender sowie die wichtigsten Zeitungen es allesamt als Auftrag ansehen, die liberale Agenda im Allgemeinen und Barack Obama im Besonderen zu unterstützen. Schilder und Aufkleber mit "Don't believe the liberal media" sind äußerst populär.

Diese Verschwörungstheorien werden vor allem rund um Bengasi laufend geäußert. So hat die Fox-News-Ikone Bill O'Reilly nachrechnen lassen, wie lang die diversen Sender über die Hicks-Anhörung berichteten: Sein Sender widmete dem Thema fast zwei Stunden, während das liberale MSNBC gar nicht berichtete. Auch beim Frühstücksfernsehen ließ O'Reilly auf die Sekunde genau nachzählen, um seine These zu beweisen (Video hier).

Dem setzte TV-Satiriker Jon Stewart in seiner "Daily Show" einen Zusammenschnitt aus Fox-News-Sendungen entgegen, der erahnen lässt, wo die Voreingenommenheit am stärksten ist.

Eine Prognose sei gewagt: Das Thema Bengasi wird die US-Politik in den nächsten Monaten weiter beschäftigen - und die Argumente ständig wiederholt werden. Die Liberalen beklagen die Verbissenheit der Republikaner und werfen ihnen vor, im Repräsentantenhaus eine bessere Ausstattung der diplomatischen Vertretungen verhindert zu haben.

Die Konservativen werden "Aufklärungsarbeit" leisten, während sich die meisten Beobachter ihr Urteil gebildet haben: Weder das Weiße Haus noch das Außenministerium hätten optimal reagiert und Transparenz zum obersten Ziel ernannt. Dass Obamas Berater die Brisanz eines weiteren Terroranschlags sahen und die Regierung mauerte, bezweifeln wenige in Washington. ABC News schildert detailliert, wie die offizielle Sprachregelung ein Dutzend Mal verändert wurde. Das National Journal überschreibt seine kundige Analyse treffend: "Inkompetenz, aber keine Verschleierung".

Bisher ist Obamas Ankündigung, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, noch unerfüllt: Vergangene Woche hat das FBI Fotos von drei Libyern veröffentlicht, die in diesem Kontext vernommen werden sollen. Sollte es hier Festnahmen oder gar einen Prozess geben, würde das Interesse noch weiter wachsen.

Und was bedeutet Bengasi für Hillary Clinton? Sollte sich die frühere First Lady zu einer Kandidatur 2016 entscheiden, dann wird das Thema weiter köcheln. Aber es ist zu vermuten, dass sich der Polit-Profi bis dahin gute Argumente und Satz-Bausteine überlegt haben wird, um das damalige Handeln zu erklären.

"Es ist doch absurd, zu denken, dass der Hass auf Hillary verschwunden ist. Er war nur etwas eingeschlafen", meint James Carville, ein früherer Berater von Ehemann Bill und verweist darauf, dass sogar die Konservativen eine amtierende Außenministerin respektvoll behandeln. Das klingt plausibel: An ihrem öffentlichen Image werden die Ereignisse am 11. September 2012 wenig ändern. Viele Konservativen sehen in ihr eine feministische Aktivistin und lehnen sie mit Inbrunst ab, während sie für progressive Amerikaner und vor allem für Frauen Idol und Hoffnungsträgerin bleibt.

Ein besseres Mittel der Republikaner gegen die Kandidatin Hillary Clinton wären eine modernere und zugleich gemäßigtere Politik sowie ein guter Kandidat. Dagegen wirkt der ständige Hinweis auf Bengasi wie das verzweifelte Greifen nach dem letzten Strohhalm.