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Regierung - Hannover:Weil zum Holocaust-Gedenken: Müssen uns Hass entgegenstellen

Bremen
Der niedeersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Foto: Patrik Stollarz/dpa (Foto: dpa)

Hannover (dpa/lni) - Niedersachsen gedenkt der Opfer der Nazi-Diktatur: Mit Konzerten und zahlreichen anderen Veranstaltungen wird heute an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz erinnert. Ministerpräsident Stephan Weil sagte zum 75. Jahrestag der Befreiung, das Gedenken sei auch heute noch notwendig, das sei man den Opfern schuldig. "Das Gedenken ist allerdings auch für uns selbst wichtig", sagte der SPD-Politiker. "Wir sind verpflichtet, alles in unseren Kräften Stehende dafür zu tun, dass sich so etwas nicht wiederholen kann."

Weil forderte zudem Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit von Staat und Gesellschaft. "Wir müssen entschlossen widersprechen, wenn Rechtspopulisten einen Schlussstrich ziehen und die deutschen Verbrechen relativieren wollen", sagte er. "Einem immer größeren Resonanzboden für Antisemitismus, Intoleranz und Hass müssen wir uns alle entgegenstellen. Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffe müssen konsequent angezeigt und geahndet werden."

Im vergangenen Jahr war die Zahl der judenfeindlichen Straftaten in Niedersachsen deutlich gestiegen. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden 137 entsprechende Verfahren gezählt - im gesamten Jahr 2018 waren es 63 gewesen, im Jahr 2017 insgesamt 76.

In Auschwitz brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um. Insgesamt kostete der Holocaust rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden von den Deutschen erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

Der stellvertretende Ministerpräsident und CDU-Landeschef Bernd Althusmann sagte, der 27. Januar sei "ein Tag der Ermahnung und Erinnerung sowie nie endender Verantwortung". Der Staat müsse jeden, "der auf Grund seines Glaubens, seiner sexuellen Identität oder seiner Herkunft diskriminiert, angegriffen oder bedroht wird", schützen. Das gelte gerade auch im Internet.

In Hannover erlebt das "The Night Holocaust Concert" am Montag seine Deutschlandpremiere. Das Konzert soll für Zusammenhalt, Erinnerung und Toleranz stehen und verbindet die liturgische Musik von Leib Glantz (1898-1964) mit Textpassagen aus dem Buch "Die Nacht" des Auschwitz-Überlebenden Elie Wiesel (1928-2016).

Im Landtag wird am Mittwoch zu Beginn der Plenarsitzung Zeitzeuge Shaul Ladany (83) reden. Er überlebte das KZ Bergen-Belsen und wurde später ein bekannter Wissenschaftler und Sportler. 1972 nahm er an den Olympischen Spielen in München teil und überlebte dort den palästinensischen Anschlag auf die israelische Mannschaft.

Auch in Göttingen, Buchholz in der Nordheide und Bremen sind Gedenkveranstaltungen geplant. Allein die Landeszentrale für politische Bildung Bremen organisiert mit mehreren Partnern seit Anfang Januar und noch bis zum 25. März rund 50 Veranstaltungen.

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