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Razzia:Anwalt der rechten Szene in Haft

Prozess um Neonazi-Überfall auf Linken-Camp

Der Verteidiger Dirk Waldschmidt bei der Verhandlung um einen Überfall auf ein Linken-Camp.

(Foto: Frank May/dpa)

Der Jurist Dirk Waldschmidt soll Drogengeld gewaschen haben - auch durch Geldzuwendungen an den früheren NPD-Kader Ralf Wohlleben.

Von Annette Ramelsberger

Dirk Waldschmidt ist einer der bekanntesten rechten Szene-Anwälte Deutschlands. Er trat im Lübcke-Mordprozess in Frankfurt auf, er verteidigt immer wieder Neonazis. Der Jurist, der früher stellvertretender Vorsitzender der NPD in Hessen war, sitzt nun selbst in Haft. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wurde gegen ihn bereits am 26. Februar ein Haftbefehl erlassen - in erster Linie wegen des Verdachts auf Geldwäsche.

Waldschmidt soll Geld aus den Aktivitäten der Thüringer Rechtsradikalengruppierung "Turonen" zugeflossen sein, die in dem Bundesland einen regelrechten Drogenring aufgezogen haben soll. Die Turonen sind auch im Rotlichtmilieu Thüringens aktiv und betreiben ein Bordell. Waldschmidt soll mit dem Geld aus diesen Quellen unter anderem den früheren NPD-Kader Ralf Wohlleben unterstützt haben, der im NSU-Prozess wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden ist.

Wohlleben ist auf freiem Fuß. Wie die SZ erfuhr, wurde auch seine Wohnung durchsucht, er gilt jedoch nicht als Beschuldigter. Ganz offensichtlich haben die Ermittler dort Belege für die Begünstigungen durch Anwalt Waldschmidt gesucht. Insgesamt geht es bei diesen Ermittlungen um 40 Fälle von Geldwäsche und 53 Fälle von Rauschgifthandel.

Die für organisierte Kriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Gera bestätigte am Donnerstag lediglich, dass nach einer Razzia am 26. Februar acht Haftbefehle vollstreckt wurden, wegen bandenmäßigen Rauschgifthandels und Geldwäsche. Zu Personalien der Beschuldigten wollte sie nichts sagen. Bei der Razzia waren ein Kilo Heroin und Crystal Meth sowie zahlreiche Waffen und rund 120 000 Euro gefunden worden. Die Auswertung der Fundstücke sei noch im Gange, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Riebel.

Waldschmidt vertrat auch kurzzeitig den Mörder Lübckes

Der Anwalt Dirk Waldschmidt hat seine Kanzlei im hessischen Örtchen Schöffengrund. Auch sie wurde bei der Razzia durchsucht. Waldschmidt gilt in der rechten Szene als Anlaufpunkt, wenn braune Kameraden rechtliche oder finanzielle Probleme haben oder beides zusammenkommt. Er hatte kurzzeitig auch den Neonazi Stephan Ernst vertreten, der wegen Mordes an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Januar zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist.

Ernst hatte vor Gericht erklärt, sein Anwalt Waldschmidt habe ihm geraten, nichts über etwaige Mittäter zu sagen. Dafür, so Ernst, habe er ihm finanzielle Hilfe für seine Familie in Aussicht gestellt. Ernst erklärte, deswegen habe er in der ersten Vernehmung die Schuld allein auf sich genommen und nichts davon gesagt, dass er von seinem Kumpel Markus H., ebenfalls ein Neonazi, zum Haus der Lübckes begleitet wurde. H. war später freigesprochen worden.

Waldschmidt wurde zu den Vorwürfen von Ernst dann als Zeuge vor Gericht befragt; er erklärte, sie träfen nicht zu. Dennoch wird immer wieder von einem Hilfsfonds für rechte Straftäter berichtet, wenn sie sich zu Solidarität mit der Szene verpflichten.

Die "Turonen" organisieren sich wie eine Rockergruppe, mit Kutten und Hierarchie. Sie sind seit Jahren im Geschäft mit Rechtsrock aktiv, betreiben Szene-Labels und veranstalten Konzerte.

© SZ/nien
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