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Flug PS752:Irans Präsident entschuldigt sich für Abschuss

Raketenangriffe auf Stützpunkte im Irak - Hassan Ruhani

Hat die Ukraine um Entschuldigung gebeten: Irans Präsident Hassan Ruhani.

(Foto: Ebrahim Noroozi/dpa)
  • Iran hat die Verantwortung für den Absturz des ukrainischen Fluges mit der Nummer PS752 übernommen.
  • Offiziellen Angaben nach hielten Soldaten den Flieger für ein feindliches Geschoss.
  • Ein kaputtes Kommunikationssystem soll eine Rücksprache mit der Zentrale verhindert haben.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat sich in einem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskij offiziell bei der Ukraine für den versehentlichen Abschuss eines Passagierflugzeugs entschuldigt, bei dem am Mittwoch alle 176 Insassen zu Tode kamen. Ruhani versicherte, dass alle Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen würden und mit juristischen Konsequenzen rechnen müssten.

Sowohl das iranische als auch das ukrainische Präsidialamt veröffentlichten am Samstagabend Erklärungen, die den Inhalt des Gesprächs zusammenfassen. Das Telefonat sei von iranischer Seite initiiert worden, so das ukrainische Präsidialamt. Ruhani habe dem ukrainischen Volk und den Angehörigen der Todesopfer sein Beileid bekundet. Außerdem räumt Ruhani ein, dass der Absturz allein auf einen Fehler seines Militärs zurückzuführen sei. Zuvor hatten iranische Stellen behauptet, ein Triebwerksproblem sei die Ursache für den Absturz gewesen.

US-Medienberichte

USA scheiterten offenbar mit Angriff auf weiteren iranischen Kommandeur

Die Attacke fand US-Medien zufolge in derselben Nacht statt wie der Schlag gegen General Soleimani. Die Operation schlug demnach fehl. Das Pentagon wollte sich nicht zu den Berichten äußern.

Selenskij ließ bekanntgeben, das Eingeständnis der "Raketenversion" habe den Weg geöffnet, dass die Ermittlungen zur Unglücksursache nun ohne Verzögerungen und Behinderungen weitergeführt werden könnten. Die Regierung in Kiew werde nun Kompensationsforderungen an Iran stellen. Selenskij zufolge sollen die Toten bereits in der kommenden Woche in die Ukraine zurückgeführt werden. Teheran habe zugesichert, dies zu ermöglichen.

Schon zuvor hatte am Samstag Amir Ali Hadschisadeh, ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, den "unverzeihlichen und durch nichts zu rechtfertigenden" Fehler eingestanden. Ein Defekt im Kommunikationssystem habe zum Abschuss geführt.

Hadschisadeh berichtete, am Tag des Unglücks seien alle Streitkräfte wegen der Drohungen der USA, 52 Ziele in Iran anzugreifen, in höchster Alarmbereitschaft gewesen, darunter die Militärbasen in Teheran. Die ukrainische Maschine wurde nach seinen Worten als potenzielle Gefahr eingestuft, man habe sie fälschlicherweise für einen Marschflugkörper im Anflug auf eine strategisch wichtige Militärbasis in Teheran gehalten. Der zuständige Offizier wollte demnach der Zentrale die Gefahr melden, aber genau zu dem Zeitpunkt habe es einen Defekt im Kommunikationssystem gegeben.

Der Offizier hatte Hadschisadeh zufolge dann nur wenige Sekunden zu entscheiden, ob er eine Luftabwehrrakete abfeuert oder nicht. "Und leider tat er es, was dann zu dem Unglück führte", sagte der Kommandeur. "Als ich davon erfahren habe, wünschte ich mir, lieber selbst tot zu sein, statt Zeuge dieses Unglücks", sagte Hadschisadeh. Als Chef der Luft- und Weltraumabteilung trage er die volle Verantwortung und sei bereit, alle Konsequenzen zu tragen.

Der Kommandeur verteidigte die zivile Luftfahrtbehörde, die tagelang den Abschuss geleugnet hatte. "Sie trifft keine Schuld, weil sie das Ganze aus technischer Sicht gesehen haben und nichts über den Ablauf wussten." Seiner Einschätzung nach hätte es aber an dem Tag landesweit ein Flugverbot geben sollen, weil sich das Land in einer Art Kriegssituation befunden habe. Vor dem Absturz der Boeing 737-800 am Mittwoch hatte Iran zwei von US-Soldaten genutzte Stützpunkte im Irak angegriffen. Kurze Zeit später war die ukrainische Maschine abgestürzt.

Krise ist Thema bei Treffen und Merkel und Putin

Bereits am Freitag hatten sich mehrere EU-Staaten sowie die USA und Kanada davon überzeugt gezeigt, dass es sich um einen wohl versehentlichen Abschuss durch das Land handeln müsse. Unter den Absturzopfern waren unter anderem 57 Kanadier.

Die Lage am Persischen Golf war eskaliert, nachdem die USA den iranischen Top-General Qassim Soleimani Ende vergangener Woche in Bagdad gezielt getötet hatten. Der iranische Außenminister Mohammad Dschawad Sarif gab den USA eine Teilschuld für den Abschuss der Maschine. Sie seien für die aufgeheizte Atmosphäre verantwortlich, die zu dem menschlichen Fehler geführt habe, twitterte er und nahm damit Bezug auf die Tötung Soleimanis.

Um den Iran-Konflikt ging es auch beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin am Samstag in Moskau. Merkel begrüßte das Eingeständnis Irans, für den Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs mit 176 Todesopfern verantwortlich zu sein. Es sei gut, dass die Verantwortlichen damit bekannt seien, sagte die CDU-Politikerin bei der anschließenden gemeinsamen Pressekonferenz. "Es bleibt aber ein dramatisches Ereignis." Es seien unschuldige Menschen gestorben. Der Iran müsse nun schonungslos aufklären, forderte Merkel. Teheran müsse gemeinsam mit den Nationen, die Todesopfer zu beklagen hätten, Lösungen finden. Merkel und Putin sprachen sich gemeinsam dafür aus, das Atomabkommen mit Iran aufrechterhalten zu wollen.

© SZ.de/Reuters/jobr/dpa/AP/jael/ihe/mkoh
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