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Präsidentschaftswahl 2016:Eine Attacke gegen Obama startet Carsons Polit-Karriere

Zum Liebling des konservativen Amerikas wurde Carson 2013 durch eine 27 Minuten lange Rede. Beim "National Prayer Breakfast" beklagte er nicht nur die hohe Staatsverschuldung, sondern auch das teure US-Gesundheitssystem - und stand dabei wenige Meter entfernt von US-Präsident Obama. Anstelle von Obamacare wünscht sich Carson ein System, wonach jeder Bürger jährlich eine bestimmte Summe auf sein Gesundheitskonto bekommt - und die Regierung sich raushält.

Während manche beklagten, dass Carson bei dieser parteiübergreifenden Veranstaltung viel zu sehr politisiert habe, überschrieb das Wall Street Journal einen Leitartikel mit "Ben Carson for President". Er erhielt einen lukrativen Vertrag bei Fox News und im ganzen Land sammelten Freiwillige Unterschriften für Carsons Kandidatur. Dass ausgerechnet ein Afroamerikaner den ersten schwarzen US-Präsidenten attackierte, begeisterte Zehntausende.

Die Zahl seiner Anhänger wuchs noch mehr, als er im Herbst 2013 sagte: "Ich glaube, dass Obamacare das Schlimmste ist, was diesem Land seit der Sklaverei passiert ist. (...) Es ging nie um Gesundheitsversorgung. Es ging um Kontrolle."

Fehlende Details und abstruse Vergleiche

In den TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten weigert sich Carson, allzu genau über seine Pläne zu sprechen. Inspiriert von der Bibel plädiert er für eine Einheitssteuer - doch er verrät nicht, ob der entsprechende Satz bei zehn oder 15 Prozent liegen soll. Und als Carson für seinen Vorschlag, das Medicaid-Gesundheitsprogramm für Kinder, Arme und ältere Amerikaner abzuschaffen, scharf kritisiert wurde, ruderte er sofort zurück und verbreitet nun Allgemeinplätze.

Carson rühmt sich damit, dass er sich der "Political Correctness"-Polizei entgegenstelle, welche die Medien und die Gesellschaft kontrolliere. Doch die Bilder und Vergleiche des 64-Jährigen sind oft abstrus: Er verteidigt das Recht der Amerikaner auf Waffenbesitz damit, dass die strengen Waffengesetze der NS-Zeit es Hitler erleichtert hätten, Juden zu deportieren und millionenfach zu töten. Und im Buch "A more perfect Union" vergleicht er die Nationalsozialisten mit der IS-Terrormiliz und fordert daher mehr Geld für das US-Militär.

Ende Oktober verglich Carson das Recht auf Abtreibung der Frauen mit der Allmacht, die Sklavenhalter über Sklaven gehabt hätten. Zuvor hatte Carson erklärt, Homosexualität sei von Schwulen und Lesben "selbst gewählt" und Muslime seien "nicht qualifiziert genug", um US-Präsident zu werden.

Seit 1998 wiederholt Carson zudem die Überzeugung, dass die Pyramiden in Ägypten nicht als Grabstätten für die Könige geplant worden seien - der biblische Joseph habe sie als riesige Getreidespeicher errichtet. In den sozialen Medien macht seither der Hashtag #bencarsonwikipedia die Runde, in dem andere historisch unhaltbare Vergleiche gezogen werden.

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