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Polizeigewalt:Esken: Auch in Deutschland latenter Rassismus von Polizisten

SPD-Chefin Esken

Saskia Esken, Bundesvorsitzende der SPD, im Februar in Berlin.

(Foto: Gregor Fischer/dpa)

Die SPD-Chefin warnt vor einem Vertrauensverlust und fordert in einem Interview eine "unabhängige Stelle" gegen Rassismus bei der Polizei.

SPD-Chefin Saskia Esken kritisiert einen latenten Rassismus deutscher Polizisten. "Zigtausende Demonstranten in aller Welt stehen auf, weil der gewaltsame Tod von George Floyd durch einen Polizeieinsatz in den USA kein Einzelfall ist", sagte Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe zufolge. "Deutsche Demonstranten schauen aber auch auf die Verhältnisse vor der eigenen Haustür." Auch in Deutschland gebe es latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte, der "durch Maßnahmen der Inneren Führung erkannt und bekämpft werden" müsse.

Dabei stehe die große Mehrheit der Polizeibediensteten solchen Tendenzen sehr kritisch gegenüber und leide unter dem potenziellen Vertrauensverlust, der sich daraus ergebe. Bei der Aufarbeitung von Fällen ungerechtfertigter Polizeigewalt dürfe nicht der Eindruck entstehen, der polizeiliche Korpsgeist spiele eine größere Rolle als die Rechte der Bürger. "Deshalb muss eine unabhängige Stelle mit der Bearbeitung solcher Beschwerden betraut werden." Für Rassisten und Rechtsextremisten in Uniform dürfe es keinen Platz geben.

Die weltweiten Proteste gegen rassistische Polizeigewalt hatten sich an der Tötung des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis am 25. Mai entzündet. Er starb, nachdem ein weißer Polizist ihn fast neun Minuten mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt hatte und auch dann nicht von ihm abließ, als Floyd mehrfach flehte, er bekomme keine Luft, und schließlich das Bewusstsein verlor.

© SZ.de/dpa/jsa/mane
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