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Piratenchef Schlömer:"Die besten Ideen sollen entscheiden"

Falls die Piraten in den Bundestag kommen sollten, müssten Sie sich womöglich dann doch für eine Konstellation entscheiden.

Ich finde nicht, dass wir sofort Koalitionsbündnisse eingehen müssen. Die Piraten sollten versuchen, themenorientiert zu arbeiten. Die besten Ideen sollen entscheiden, nicht der Parteiproporz.

Das heißt, sie verzichten auf einen Politikwechsel?

Wenn Sie Politikwechsel verbinden mit dem Eingehen von Koalitionen, dann ja.

Für den Bundesvorstand der Piraten, also auch für sich, haben Sie kürzlich deutlich einen politischen Führungsanspruch reklamiert. Gilt das noch?

Ja, klar. Ich möchte, dass wir im spätestens im April ein Team präsentieren mit Frauen, Männern, neuen Talenten und Herausforderern. Diese Kandidaten für den Bundestag sollen die Möglichkeit haben, auch eigenverantwortlich Position beziehen zu können. Ohne die notwendige Rückkoppelung mit den Mitgliedern zu vergessen.

Das ist ein Bruch mit einem Grundprinzip der Piraten: Die Basis entscheidet alles!

Das ist wahr. Aber als Vorsitzender muss ich die Weiterentwicklung der Partei anregen. Die Diskussion tut der Partei gut.

Glauben Sie tatsächlich, dass Sie damit durchkommen?

Es gibt Gruppen in der Partei, die Kritik äußern, aber ich weiß die Mehrheit der Mitglieder hinter mir. Ich bekomme mehrheitlich stilles Lob.

Was ist eigentlich, wenn Sie die Bundestagswahl verlieren?

Dann machen wir natürlich weiter. Mich ärgert manchmal, dass manche Piraten die Sache sehr verbissen sehen. Uns soll Politik Spaß machen, auch wenn wir mal verlieren. Das sollte man nach außen zeigen. Ich glaube, damit gewinnt man Sympathie.

Sie sagten einmal, Sie seien kein Politiker. Was sind Sie denn dann?

Anders als die Vollerwerbspolitiker in den Konkurrenzparteien verdiene ich kein Geld mit der Politik. Aber ich kann mittlerweile selbstbewusst genug sagen: Ja, ich bin auch ein Politiker. Ich kann damit umgehen. Es bringt mich nicht um.