bedeckt München
vgwortpixel

Pegida, Islam und Gesellschaft:Es stehen sich zwei Zivilgesellschaften gegenüber

In Europa steht das Miteinander, in Deutschland die dritte deutsche Einheit auf dem Spiel. Der jahrzehntelange Streit darum, ob Deutschland Einwanderungsland ist, flammt in neuer Form wieder auf. Diesmal tobt der Streit nicht, wie einst, zwischen den politischen Parteien, - zwei völlig verschiedene Zivilgesellschaften stehen sich gegenüber, eine zivile und eine unzivile.

Die Straße galt lange als Raum des aufgeklärten, linksliberalen Protests: gegen Krieg, gegen Nachrüstung, für Naturschutz und Atomausstieg. Dort sammelt sich nun auch, nicht nur in Dresden, die Reaktion - und verlangt, wie das die bisherigen Demonstranten auch tun, mehr direkte Demokratie. Die deutsche Gesellschaft steht an einem Scheideweg.

Es gibt Anzeichen, dass die dritte Einheit gut gelingen könnte

Die dritte deutsche Einheit begann spät, vierzig Jahre nach dem Beginn der Einwanderung. Sie begann zaghaft vor zehn Jahren, als ein "Zuwanderungsgesetz" in Kraft trat; sie begann handfest vor fünf Jahren, als zum ersten Mal eine türkischstämmige Frau Ministerin in Deutschland wurde.

Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Einheit gut gelingen könnte: Es gibt immer mehr Politiker, Wissenschaftler, Manager, Künstler, Lehrer, Redakteure und Geschäftsleute mit migrantischen Namen in Deutschland; die Migranten-Generation kehrt ein in die bürgerliche Gesellschaft; die Jahre der Gastarbeiterei versinken im Imperfekt. Eine bunte, aufgeklärte, weltoffene deutsche Zivilgesellschaft ist entstanden.

Es gibt aber auch die Gegen-Zivilgesellschaft. Ein völkischer Geist ist dort aus der Flasche gelassen, der NSU-Schock abgeklungen. Man hat es den Muslimen dort übel genommen, dass man sich bei ihnen der NSU wegen entschuldigen musste. Die Pariser Attentate haben diese Rollenverteilung wieder umgedreht.

Pegida Im Faschingskostüm gegen Islamhasser
Anti-Pegida-Demo in München

Im Faschingskostüm gegen Islamhasser

Die Pegida-Bewegung will auch am nächsten Montag wieder Tausende Menschen in München auf die Straße bringen: Um gegen die Islamhasser zu protestieren, ruft ein Bündnis zu einem farbenfrohen "Arbeiterfasching" auf.   Von Andreas Glas

Der alte neue Geist agitiert so, als habe es die vergangenen dreißig Jahre nicht gegeben; als habe die Bundesrepublik nicht bitter gelernt in Rostock, Mölln und Solingen, als Wohnhäuser brannten und als Ausländer, wie in Hoyerswerda 1991, unter dem Gejohle der feixenden Menge aus der Stadt geführt wurden.