Papst in Myanmar Franziskus in einem fremden Land

Papst Franziskus bei seiner Ankunft am Flughafen von Yangon (Rangun).

(Foto: AFP)

Der Papst besucht Myanmar und dürfte dort vor allem mit Skepsis empfangen werden. Weil er die geschundenen Rohingya ausdrücklich in sein Gebet eingeschlossen hat.

Kommentar von Arne Perras, Singapur

Immerhin, sie reden. Myanmar und Bangladesch verhandeln über die Rückführung Hunderttausender Rohingya. Sie haben nun sogar Unterschriften unter einen Pakt gesetzt, der den Weg zur Lösung der Flüchtlingskrise ebnen soll. Das ist ein Anfang - und viel besser als Funkstille. Das Ziel, die Flüchtlinge zurück in ihre Heimat zu bringen, ist richtig und verdient die Unterstützung der Weltgemeinschaft. Aber dafür ist es notwendig, dass die geschundenen Menschen Schutz vor Gewalt finden. Und sie müssen Hoffnung schöpfen können auf ein Leben in Würde. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, bleibt das unterzeichnete Papier eben nur Papier.

Manche mutmaßen, dass Myanmar auf eine schnelle Einigung gedrängt hat, um sich zu wappnen für die Ankunft des Papstes diesen Montag. Franziskus ist am Sonntagabend zu einer Asien-Reise aufgebrochen, er wird für Frieden und Versöhnung beten, zuerst in Myanmar, dann in Bangladesch. Christen bilden in beiden Staaten eine kleine Minderheit.

Sie werden zu den Messen strömen, aber die Botschaft des Heiligen Vaters strahlt über religiöse Grenzen hinaus. Weil der Papst die Rohingya bereits ausdrücklich in sein Gebet eingeschlossen hat, ist er zu einem der stärksten Anwälte der muslimischen Minderheit avanciert. Und so wirkt seine Reise wie ein Scheinwerfer. Sie erinnert die Welt an Gewalt, Not und Unrecht, unter denen die Vertriebenen leiden.

Wer garantiert den Rohingya Sicherheit in Myanmar?

Aus europäischer Sicht ist das moralische Gewicht des Papstes eine bedeutsame Größe. In Asien ist die Gemengelage komplizierter. Myanmar ist überwiegend buddhistisch, Bangladesch muslimisch. Der Papst ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Region eine Randfigur. Wenn er dort moralische Autorität ausstrahlt, dann wirkt sie stärker nach außen als nach innen. Das erzeugt eine Dynamik, vor der sich Myanmar fürchtet. Das Land ist bereits mit breiter Kritik von außen konfrontiert. Und es will vermeiden, dass sich der Druck noch erhöht. Insofern braucht Myanmar das Abkommen. Denn damit kann die Regierung signalisieren: Seht her, wir sind entschlossen, den Rohingya zu helfen.

Das aber passt nicht zur Analyse des Konflikts. Viel spricht dafür, dass das Militär die Minderheit systematisch vertrieben hat. Was das Flüchtlingspapier also wert ist, wird sich erst weisen, wenn Klarheit über folgende Fragen herrscht: Wer garantiert die Sicherheit der Rohingya, sobald sie zurückkehren? Welche Perspektive gibt der Staat seiner muslimischen Minderheit, damit sie nicht auf ewig diskriminiert bleibt? Myanmar müsste das glaubhafte Signal aussenden, dass die Flüchtlinge eine Zukunft im Land haben. Wenn der Staat will, kann er viel dafür tun: Apartheid-ähnliche Verhältnisse auflösen, internationale Helfer zulassen, das Staatsbürgerrecht reformieren und in einen Entwicklungsplan investieren, der Buddhisten wie Muslimen einen Weg aus der Armut zeigt.

Die Stimmung der Mehrheit in Myanmar ist allerdings anders. Die wenigsten wollen, dass die Rohingya als Staatsbürger anerkannt werden. Und der Armee kommt diese Gefühlslage recht. Sie macht sich jetzt beliebt, indem sie den Wächter der Nation gibt. Die Generäle schmieden an einer Allianz mit der Mehrheit ihres Volkes, sie nähren Vorurteile gegen die muslimische Minderheit, wie sie es schon früher zu ihrem eigenen Nutzen getan haben.

Das Militär fühlt sich stark. Es darf auf einen mächtigen Verbündeten zählen. Peking hält im UN-Sicherheitsrat seine Hand über Myanmar und weist dem Westen die Rolle eines Störers zu. Der Papst muss also aufpassen, dass er nicht in den Strudel geopolitischer Rivalitäten gerät. Die Mehrheit der Menschen in Myanmar wird ihn mit einiger Skepsis begleiten. Anwälte der Rohingya sind den meisten suspekt.

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