Von "Marder" bis "Leopard":Panzerkunde

Von "Marder" bis "Leopard": Der informierte Museumsbesucher weiß: Das ist ein Schützenpanzer vom Typ "Marder".

Der informierte Museumsbesucher weiß: Das ist ein Schützenpanzer vom Typ "Marder".

(Foto: Philipp Schulze/dpa)

Warum ein Museum derzeit auf besonders viel Interesse stößt.

Von Peter Burghardt, Hamburg

Wer auf der A 7 die Lüneburger Heide durchquert, dem fällt an der Autobahn möglicherweise dieses Schild auf. "Deutsches Panzermuseum Munster" steht darauf. Nun gibt es in Deutschland glücklicherweise Museen jeder Art, einige von Weltrang. Nicht jeder kommt auf die Idee, in Niedersachsen Panzer zu besichtigen. Obwohl dies ein militärisch bedeutender Landstrich ist, mit Truppenübungsplätzen und Rüstungsbetrieb. Aber von dieser Ausstellung wird derzeit enormer Zulauf gemeldet, auch virtuell.

Kürzlich bekam das Deutsche Panzermuseum, getragen von der Stadt Munster und der Bundeswehr, den Silver Creator Award von Youtube, als erstes deutsches Museum. Diese silberne Trophäe erhält, wessen Kanal mindestens 100 000 Abonnenten hat, inzwischen sind es 102 000. Zum Vergleich: Für das Deutsche Museum in München werden bei dem Videoportal 25 000 Abos gezählt, bei den Staatlichen Berliner Museen gut 7000. Das Panzermuseum belegt laut seiner Statistik auch international einen Spitzenplatz, und zwar Rang 18 bei den Museumskanälen auf Youtube weltweit.

Mehr als 20 Millionen Mal seien die mehr als 200 Videos seit 2012 aufgerufen worden. Von April 2020 bis Mai 2022 hat sich die Zahl der Abonnenten demnach verdoppelt, seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine nahm das Interesse offensichtlich weiter zu. Auch in Zeitungen und Fernsehen taucht das Panzermuseum seither häufig auf. Bewaffnete Kettenfahrzeuge sind wieder Teil von "Tagesschau" und Talkshows, manche Tiernamen haben plötzlich einen stählernen Klang.

Da wird über Marder diskutiert, über Gepard, Panther und Leopard. Etliche Panzermodelle stehen in fünf Hallen auf 10 000 Quadratmetern im Panzermuseum, darunter Kampfpanzer, Schützenpanzer, Flakpanzer im Besitz der Bundeswehr, dazu Tausende kleinerer Exponate wie Splitterschutzmasken oder Uniformen. Zu sehen sind auch ein T-72 sowjetischer Art aus Beständen der NVA und ein Nachbau des deutschen Modells A7V, entwickelt für den Ersten Weltkrieg. Ein Wallfahrtsort für Waffenfreaks soll diese Sammlung nicht sein. "Wer aber den Frieden will", steht auf der Fassade, "der rede vom Krieg." Ein Zitat von Walter Benjamin, gerade sehr aktuell.

Das Deutsche Panzermuseum sei "keine Ruhmeshalle und kein Traditionsort", heißt es in den Leitlinien. "Glorifizierung militärischer Werte und Praktiken finden ebenso wenig Platz wie die Verharmlosung von Krieg, Leid, Gewalt und Tod." Ein Antikriegsmuseum sei es auch nicht. "Herabwürdigung militärischer Werte und Praktiken haben ebenso wenig Platz wie die Propagierung von Pazifismus." Es geht um eiserne Geschichte.

Der Museumsdirektor und Historiker Ralf Raths ist derzeit ein gefragter Erklärer, und im Netz erläutert er sehr eindringlich Antriebe, militärische Strategien oder T-Panzer und Doktrin. "Krieg ist ein Teil des politischen Bestecks", sagt Raths in der Folge "Ukraine Special 5". "Er sollte es nicht sein. Wir können froh sein, dass er es lange nicht war. Aber davon auszugehen, dass es nie wieder passiert, war einfach realitätsfern." Es sei "verblüffend, wie hilflos die Welt auf etwas reagiert, das sie kennen müsste". Mehr als 250 000 Klicks.

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