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Pakistan und Afghanistan:Bundeswehrwaffen auf dem Schwarzmarkt

In Pakistan und Afghanistan sollen Hunderte Pistolen aus Bundeswehrbeständen illegal gehandelt werden - auch in Nordafghanistan, wo die deutschen Truppen stationiert sind.

Deutsche Pistolen aus Bundeswehrbeständen werden nach Informationen von NDR Info auf dem Schwarzmarkt in Afghanistan und Pakistan gehandelt. Schwarzmarkthändlern zufolge sollen demnach Hunderte deutscher Pistolen im Angebot sein - und zwar nicht nur in Kabul, sondern auch in Nord-Afghanistan, wo die Bundeswehr stationiert ist, sowie in Pakistan.

Die Waffen werden nach den Recherchen des Radiosenders von aktiven oder ehemaligen afghanischen Polizisten und Soldaten verkauft. Nach UN-Angaben verließen bis zu 25 Prozent der afghanischen Polizisten jährlich den Dienst. Viele nähmen ihre Waffen einfach mit.

Unter den angebotenen Waffen sollen auch Pistolen sein, die das Bundesverteidigungsministerium vor knapp vier Jahren geliefert hat. Damals schenkte Deutschland der Armee und Polizei in Afghanistan 10.000 bei der Bundeswehr ausgemusterte Walther-P1.

Über den weiteren Verbleib wisse man nichts, erklärte das Bundesverteidigungsministerium dem Radiosender. Eine für die Kontrolle der Waffen zuständige US-Einheit habe eingeräumt, nicht einmal für die Hälfte der Pistolen detaillierte Aufzeichnungen zu haben.

"Risiko für deutsche Soldaten"

Die Truppe wird seit Jahren vom US-Rechnungshof für ihren nachlässigen Umgang mit Waffen kritisiert. Diese Mängel waren in Deutschland ebenso bekannt wie das hohe Maß an Korruption und Fluktuation bei den afghanischen Sicherheitskräften.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach dem Bericht zufolge von einem "Risiko für die eingesetzten Deutschen" in Afghanistan. Winfried Nachtwei, verteidigungspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, bezeichnete die Vorgehensweise der Bundesregierung als "grob fahrlässig". GdP und Grüne fordern von der Bundesregierung eine Untersuchung des Vorganges.

Laut NDR Info hatte der Bundessicherheitsrat 2005 den bislang einzigen deutschen Waffen-Export nach Afghanistan seit dem Sturz des Talibanregimes genehmigt. Die Berliner Regierung sei damit von ihrem Grundsatz abgewichen, wonach Waffen von der Ausstattungshilfe außerhalb der Nato ausgeschlossen sind. Der Bundestag erfuhr von der Lieferung erst nach der Übergabe. Von möglichen Risiken soll dabei nicht die Rede gewesen sein.

© sueddeutsche.de/gal/bavo

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