Österreich:Die Comeback-Spiele des Sebastian Kurz

Lesezeit: 2 min

Österreich: Sebastian Kurz, Ex-Kanzler von Österreich.

Sebastian Kurz, Ex-Kanzler von Österreich.

(Foto: Thomas Kronsteiner/Getty Images)

Baby-Foto, Boulevard-Berichte und ein Auftritt am ÖVP-Parteitag: Der österreichische Ex-Kanzler sucht wieder vermehrt die Öffentlichkeit. Kann das noch ein Zufall sein?

Kolumne von Leila Al-Serori, Wien

Es war eine subtile, aber doch in Summe bemerkenswerte Abfolge von Hinweisen, die in den vergangenen Wochen gestreut wurden, um ein mögliches Comeback von Sebastian Kurz zu testen. Gut, es kann sich bei all den Ereignissen natürlich um reinen Zufall handeln. Aber wir erinnern uns: Schon der Aufstieg des sogenannten Wunderwuzzis war alles andere als Zufall, sondern minutiös geplant und exekutiert. Es würde also doch sehr verwundern, wenn all die Botschaften, all die kleinen Aktionen nicht einem speziellen Ziel dienten.

Denn das Timing könnte besser nicht sein: Bundeskanzler Karl Nehammer, der Kurz nach dessen Rücktritt wegen Korruptionsvorwürfen im Dezember als ÖVP-Chef folgte, hat mit schlechten Umfragewerten, Skandälchen und der wenig schmeichelhaften Presse nach seiner fragwürdigen Reise zu Wladimir Putin zu kämpfen. Ebenso strauchelnd: die ÖVP in Vorarlberg und deren Chef Markus Wallner, der noch im Herbst als wichtige Stimme in der Partei für einen Rücktritt von Kurz plädiert hatte. Nun hat er selbst eine Korruptionsaffäre und Rücktrittsaufforderungen am Hals. Der Nachfolger steht unter Druck, eine mögliche parteiinterne Gegenstimme für das Comeback ist mit sich selbst beschäftigt: Der Zeitpunkt scheint also gut zu sein. Was uns zu den Indizien bringt.

Es gibt vier spannende Indizien

Indiz Nr. 1: das Babyfoto. Sebastian Kurz ist mitten in den Wirren um Ermittlungen und Rücktritt Vater geworden, danach war erst mal Funkstille. Zu Ostern postete er nun ein Foto seines Sohnes auf Instagram, was zu Jubel in den Zeitungen führte. Ohne den Boulevard kann man nicht regieren, alte österreichische Weisheit.

Indiz Nr. 2: das Jahrbuch. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka schreibt in einer wichtigen ÖVP-Publikation, dass er weiter vom politischen Stil Kurz' überzeugt sei. Dazu wurde ein längeres Interview mit Kurz abgedruckt. Sobotka gilt als loyaler Parteifreund, der den Ex-Kanzler schon bei dessen Aufstieg tatkräftig unterstützt hat.

Indiz Nr. 3: die Gerüchte. Diese Woche wurde es richtig plakativ: Boulevardmedien berichten, dass eine Umwälzung in der ÖVP bevorsteht. Sie beziehen sich auf Quellen in der Partei. Der Ex-Kanzler dementiert eine Rückkehr, Twitter ist trotzdem in heller Aufregung, auch die großen Tageszeitungen greifen die Geschichte auf.

Indiz Nr. 4: der Parteitag. Die ÖVP trifft sich Mitte Mai, um Karl Nehammer offiziell zum Chef zu küren. Wer "stört" die Krönungsmesse? Richtig, Sebastian Kurz, der nun als Stargast die Vorberichterstattung dominiert. In der Presse berichten Insider bereits über den Inhalt seiner Rede.

Wer sich jetzt an eine österreichische Variante von "House of Cards" erinnert, der ist nicht alleine. Wie es sich für "Häusl of Cards" gehört, hat Kurz selbst alle Comeback-Pläne als Gerüchte abgetan. Er habe nicht vor, die Privatwirtschaft zu verlassen. Das mag nur konsequent sein, denn es gibt weiter einen großen Unsicherheitsfaktor: die Ermittlungen gegen ihn wegen gefälschter Meinungsumfragen und möglicher Inseratenkorruption. Solange diese nicht geklärt sind, werden die Comeback-Spiele wohl wirklich nur eine Spielerei bleiben.

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