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Österreich:Hitlergruß beim Wahlkampf der FPÖ

Wahlkampf in Österreich: Den rechten Arm gereckt beim Auftritt des FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache in Graz. Auf anderen Aufnahmen sind weitere "Grüßer" zu sehen.

(Foto: Sebastian Pay)

Kurz vor der Parlamentswahl in Österreich recken Männer bei einem Wahlkampfauftritt des rechtspopulistischen FPÖ-Chefs Strache den rechten Arm - und werden fotografiert.

Von Oliver Das Gupta

Wenige Tage vor der österreichischen Nationalratswahl sorgen Fotos von einer Veranstaltung der rechtspopulistischen FPÖ für Aufregung. Darauf zu sehen sind junge Männer, die ihre rechten Arme recken - zum Hitlergruß, der als "Deutscher Gruß" zur typischen Symbolik der Nazi-Diktatur zählte.

Zugetragen hat sich die Szene am Montag in Graz, der Hauptstadt der Steiermark, wo FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auftrat. Die Causa ist auf mehreren Bildern dokumentiert, die Süddeutsche.de vorliegen. Den Gruß zeigen verschiedene jüngere Männer. Daneben stehen ältere, teilweise glatzköpfige Zuhörer, die sich ruhig verhalten.

Sebastian Pay hat die Fotos gemacht. Er engagiert sich in der Grazer Sozialistischen Jugend (SJ), dem Nachwuchs der sozialdemokratischen Regierungspartei SPÖ. Der Student war mit anderen Gegendemonstranten zur Veranstaltung gekommen. Pay beobachtete die jungen Leute, die das nervöse Zucken im rechten Arm bekamen. Diese "Fans" hätten wiederholt den Arm in "eindeutiger Pose" gehoben, schon als Strache angekündigt worden sei, sagte Pay dem Standard. Da habe er die Aufnahmen gemacht.

Für die FPÖ ist das ziemlich unangenehm, für den politischen Gegner eine Steilvorlage. Die jungen Sozialdemokraten versuchen herauszufinden, um wen es sich bei den Arm-Reckern gehandelt hat. Denn möglicherweise gibt es Verbindungen zum Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ), der Nachwuchsorganisation der FPÖ. "Es gibt den dringenden Verdacht, dass die Herrschaften etwas mit dem RFJ zu tun haben", sagt Simon Guggi vom SPÖ-Nachwuchs zu SZ.de. Neben den jungen Männern hätten weibliche RFJ-Mitglieder gestanden und sich mit ihnen unterhalten. Sicherheitsbeamte seien auch anwesend gewesen, seien aber nicht eingeschritten, sagt Guggi.

Behörden stellten in ähnlichem Fall Ermittlungen ein

Fotograf Pay erwägt, Anzeige zu erstatten; der Hitlergruß ist auch in Österreich strafbar. Die Erfolgsaussichten einer solchen Anzeige dürften allerdings mau sein: Bereits 2009 hatten sich bei einem Strache-Auftritt in Graz ähnliche Szenen abgespielt, zwei junge Männer sollen eindeutig die Arme gereckt haben. Damals stellten die Behörden das Verfahren ein, da "kein strafbares Verhalten festgestellt" werden konnte.

Momentan buhlt Strache um Stimmen mit seiner Wahlkampftour, die im Zeichen der "Nächstenliebe" steht. Für den Rechten beschränkt sich das Soziale offenbar auf das Nationale: "Liebe deinen Nächsten - Für mich sind das unsere Österreicher", lässt Strache plakatieren - die Kirche schäumt.

Österreich wählt am 29. September sein neues Bundesparlament, den Nationalrat. Die so genannten Freiheitlichen von Strache stehen in Umfragen bei etwa 20 Prozent. Sie haben kaum Chancen auf eine Regierungsbeteiligung.

© Süddeutsche.de/mane
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