Österreich Die Ministerin, ihr Bräutigam und ein seltsamer Gratulant aus Moskau

"Es ist nicht so, dass ich mir jeden Satz dreimal überlege, bevor ich ihn ausspreche": Österreichs Außenministerin Karin Kneissl.

(Foto: dpa)
  • Österreichs Außenministerin Karin Kneissl heiratet an diesem Samstag.
  • Sie hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Hochzeit eingeladen.
  • Die parteilose, aber von der Moskau-treuen FPÖ nominierte Ministerin steht deshalb heftig in der Kritik, aus der Opposition kommen Rücktrittsforderungen.
Von Peter Münch, Wien

Über die Weinberge der Südsteiermark wird sich ein tiefblauer Himmel spannen - das ist der Kitsch, den man zur Kutschfahrt braucht. Auch beim Festessen dürfte nichts schiefgehen, es liegt im Gasthaus Tscheppe in bewährten Händen. Der Boulevard fiebert dieser Hochzeit schon seit Längerem entgegen, und an diesem Samstag nun wird Österreichs Außenministerin Karin Kneissl, 53, dem 55-jährigen Unternehmer Wolfgang Meilinger das Jawort geben. Wenn zwei sich trauen, zählt eigentlich nur eins: Es muss Liebe sein. Doch in diesem Fall tritt plötzlich ein Dritter in den festlichen Reigen: Es ist Russlands Präsident Wladimir Putin, der als Gast geladen ist bei der österreichischen Hochzeit des Jahres.

Mit diesem Gratulanten, der auf dem Fest noch auf Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache treffen wird, macht die Ministerin ausgerechnet an ihrem sehr privaten Freudentag politische Schlagzeilen. Schließlich geht es hier nicht um persönliche Nähe, die wirklich niemand Kneissl und Putin nachsagen könnte. Es geht um ein politisches Zeichen.

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Kneissl hatte Putin bereits bei dessen Wienbesuch im Juni zu ihrer Hochzeit eingeladen, doch erst in dieser Woche ließ der Kreml wissen, der Präsident habe "mit Freude angenommen". Viel Zeit wird er nicht haben, denn schon am Samstagabend steht ein Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in vergleichsweise sachlichem Rahmen auf Schloss Meseberg auf seinem Programm.

Doch egal was Putin sonst noch mitbringt zum Hochzeitsfest, sein Hauptgeschenk dürfte aus dem Fundus der Danaer stammen. Denn seit seiner Zusage wird nicht mehr über Kneissls Liebesglück, sondern allein über die Implikationen dieser Einladung gesprochen, und die werden ziemlich durchgängig als "Flurschaden" bewertet. Die parteilose, aber von der moskautreuen FPÖ nominierte Außenministerin schüre das Misstrauen, dass Österreich zum trojanischen Pferd Russlands in der EU werden könnte, heißt es da. Selbst in der ÖVP rümpft man die Nase, und von den Grünen kommen Rücktrittsforderungen.

Während Putins Kalkül aufgeht, muss sich Kneissl unter dem Geläut der Hochzeitsglocken fragen lassen, ob sie aus Geltungssucht oder politischer Naivität gehandelt hat. Vielleicht gilt für diese Einladung auch einfach nur das, was sie kurz nach ihrer Amtsübernahme im vorigen Dezember bekannte: "Es ist nicht so, dass ich mir jeden Satz dreimal überlege, bevor ich ihn ausspreche. Damit würde ich nicht weit kommen."

Die gern gepflegte Unkonventionalität, gepaart mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein, zählt zum Markenkern der Ministerin, die von ihrem politischen Entdecker Strache schon zum "weiblichen Kreisky" erklärt wurde. Der FPÖ-Chef hatte Kneissl 2016 bereits ins Rennen ums Präsidentenamt schicken wollen, nachdem sie sich in den Zeiten des Flüchtlingsansturms mit Warnungen vor "testosterongesteuerten" jungen Männern aus Nahost empfohlen hatte. Damals hatte Kneissl, die sich selbst als "konservativen Freigeist" bezeichnet, noch abgelehnt.

Den Posten im Außenamt aber musste sie als auf den Leib geschneidert empfinden. Schließlich kann sie dort ihre geballte internationale Erfahrung einbringen - als promovierte Juristin und Arabistin, als gelernte Diplomatin und weit gereiste, vielsprachige Expertin für Nahost- und Energiefragen.

Ihre politische Erfahrung allerdings beschränkte sich bis dato auf einige Jahre als Gemeinderätin in ihrer niederösterreichischen Heimat Seibersdorf. Dort lebt sie auch heute noch auf einem alten Gehöft umringt von Tieren. Zu Karin Kneissls kleiner Farm gehören Pferde und Ponys, Schildkröten und Hühner, Katzen und Hunde. Von letzteren, so hat sie einmal bekundet, habe sie auch eine fürs politische Leben taugliche Haltung übernommen: "kleine Kläffer einfach zu ignorieren".

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