Occupy-Protestwelle weltweit London: Polizei riegelt den Platz vor der Börse ab

In London versammelten sich Tausende Kritiker der Finanzmärkte an der Saint Paul's-Kathedrale und der Börse. Die Demonstranten skandierten "Die Straßen gehören uns!" und "Wir sind die 99 Prozent". Mit dem Slogan wollen sie ihre Ansicht ausdrücken, dass ein Prozent der Bevölkerung auf dem Rücken der anderen 99 Prozent reich geworden sei.

Aktivisten wollten später von der Kathedrale in Richtung Börse ziehen. "Warum zahlen wir für eine Krise, die die Banken verursacht haben? Banker fahren weiterhin Milliardengewinne ein und genehmigen sich enorme Boni, nachdem wir sie mit 850 Milliarden Pfund gerettet haben", sagte eine Demonstrantin. Die Polizei riegelte den Platz vor der Börse vorerst ab. Es kam zu Rangeleien mit den Polizeikräften, als einige der etwa 800 Demonstranten sich in Richtung der abgesperrten Börse bewegten.

Auch Wikileaks-Gründer Julian Assange nahm an den Protesten in London teil. Am Samstag verließ er den Landsitz seines Freundes Vaughan Smith, fuhr nach London und hielt eine Rede auf den Stufen der Saint Paul's Kathedrale. Assange sagte, das Londoner Bankensystem sei "Empfänger von korruptem Geld". Weil in Schweden gegen ihn wegen angeblicher sexeller Vergehen ermittelt wird, steht Assange derzeit in England unter Hausarrest.

New York: Festnahmen am Times Square

Am Geburtsort der Massenproteste wurden am Samstag mehr als 70 Menschen festgenommen. Die meisten Festnahmen gab es in der Nähe des Times Square, weil sich eine Gruppe von Demonstranten dern Aufforderungen der Polizei widersetzte, eine Nebenstraße freizumachen. Die Beamten führten 42 Leute in Handschellen ab. Bereits zuvor hatte es am Times Square vereinzelte Festnahmen gegeben, als Demonstranten die von der Polizei aufgestellten Absperrungen beiseite stießen. Beamte mit Helmen und Schlagstöcken und Polizisten zu Pferd drängten die Menschen zurück. Dabei hat es nach Angaben von Augenzeugen auch Verletzte gegeben.

Bis auf wenige Ausnahmen verlief die Demonstration auf New Yorks berühmter Vergnügungsmeile friedlich, Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer auf bis zu 50.000. 24 Wall-Street-Protestler wurden festgenommen nachdem diese in eine Filiale der Citibank geströmt waren, um ihre Konten in einer gemeinsamen Aktion aufzulösen. Der Filialleiter forderte die Gruppe nach Angaben von US-Medien auf, die Bank zu verlassen. Die Demonstranten weigerten sich allerdings und wurden in der Geschäftsstelle festgesetzt.

In Schwedens Hauptstadt Stockholm beteiligten sich etwa tausend Demonstranten an den Protestaktionen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen erwarteten die Veranstalter einigen hundert Teilnehmer. Auch im philippinischen Manila, in Tokio, Hongkong und vielen anderen Orten wurde demonstriert.