NSU-Prozess:Die entscheidende Frage: Was wusste Wohlleben?

Das Waffendelikt sei verjährt, die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung auch, fasst Oberstaatsanwalt Weingarten zusammen. Bleibt die Beihilfe zum Mord an neun Menschen. Die entscheidende Frage lautet: Wusste Wohlleben, was Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt mit der Ceska wollten? Erkannte er das Risiko? Hat er die Ermordung von Menschen in Kauf genommen? Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft lautet die Antwort auf alle drei Fragen: Ja.

"Es war der Angeklagte Wohlleben, der auch bei der Mordhilfe die Fäden in der Hand hielt, andere skrupellos ausnutzte und einsetzte", sagt Weingarten. Es sei Wohllebens Entscheidung gewesen, den "brandgefährlichen drei Untergetauchten" die Ceska zu liefern - "über deren Absichten niemand mehr wusste als er". Weingarten ist davon überzeugt: Wohlleben wusste um die rassistische und antisemitische Einstellung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt. Er wusste von dem Sprengstoff in ihrer Garage. Er wusste, dass sie sich für den bewaffneten Kampf ausgesprochen hatten. Und er hat es mindestens für möglich gehalten, dass die mutmaßlichen NSU-Terroristen mit der Ceska Menschen töten werden.

Wohllebens Frau sitzt als Beistand auf der Anklagebank

Wohlleben habe den Untergetauchten mutmaßlich noch zwei weitere Waffen über Mittelsmänner zukommen lassen. 2001 hat Holger G. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt eine Waffe nach Zwickau gebracht. Holger G. hat die Waffenlieferung gestanden. Die Bundesanwaltschaft hält seine Angaben für glaubhaft. Eine mögliche weitere Waffenlieferung über eine bislang unbekannte Person konnte nicht aufgeklärt werden.

Oberstaatsanwalt Weingarten formuliert es so: "Der Angeklagte Wohlleben ist der Strippenzieher, der seine Helfershelfer nach einem Drehbuch auf die Bühne schickt, das neben Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nur er selber kennt."

Seiner Frau, die an diesem Tag als Beistand neben Wohlleben auf der Anklagebank sitzt, schenkt er immer weniger Aufmerksamkeit. Wohlleben scheint sich mit jedem Wort Weingartens bewusster zu werden, dass zu seinen fünf Jahren und acht Monaten in der Untersuchungshaft wohl noch eine ganze Menge Jahre hinter Gittern hinzukommen werden.

Der NSU-Prozess wird nach einer Sommerpause am 31. August mit dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft fortgesetzt.

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