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Nordkorea:Pjöngjang will Kommunikation zu Südkorea kappen

Dazu gehöre auch eine Direktverbindung zwischen Kim Jong-un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In.

Nordkorea will alle Kommunikationskanäle zu Südkorea kappen. Die Regierung in Seoul habe Aktivisten nicht daran gehindert, mithilfe von Ballonen Flugblätter mit Kritik an Machthaber Kim Jong-un Richtung Norden zu schicken, gab die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag bekannt. Daher würden ab dem Mittag sämtliche grenzübergreifenden Kommunikationsverbindungen abgeschnitten. Dies sei "der erste Schritt der Entschlossenheit, jeden Kontakt mit Südkorea komplett herunterzufahren und sich von unnötigen Dingen zu trennen."

Ballone mit Flugblättern über die Grenze zu schicken ist seit Jahren gängige Praxis. Die kommunistische Führung in Pjöngjang zeigte sich darüber in den vergangenen Tagen zunehmend verärgert. So drohte Nordkorea mit der dauerhaften Schließung eines Verbindungsbüros und eines gemeinsam mit Südkorea betriebenen Unternehmensparks, die beide als wichtige Symbole der innerkoreanischen Versöhnung gelten. Zudem warnte Pjöngjang, ein Militärabkommen zur Reduzierung der Spannungen von 2018 werde für null und nichtig erklärt, sollte Seoul das Vorgehen der Aktivisten nicht unterbinden.

Nord- und Südkorea haben mehrere grenzübergreifende Telefon- und Fax-ähnliche Verbindungswege. Den Bürgern werden der Austausch von Briefen und E-Mails sowie grenzübergreifende Telefonate untersagt. Zwischen Kim und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In besteht ebenfalls eine Telefonverbindung, die nach dem Gipfel 2018 eingerichtet wurde. Über eine tatsächliche Nutzung dieser wurde bisher nichts öffentlich.

Nicht die erste Drohung dieser Art

Die Entscheidung zum Abbruch der Kommunikationskanäle sollen die Schwester von Machthaber Kim, Kim Yo-jong, und der frühere Militärgeheimdienstchef Kim Yong-chol getroffen haben. Seoul glaubt, dass dieser hinter zwei Angriffen im Jahr 2010 steckte, bei denen 50 Südkoreaner getötet wurden. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Nordkorea diese Drohung ausspricht. Nordkorea hat in der Vergangenheit Anrufe und Faxnachrichten über längere Zeit unbeantwortet gelassen.

Südkorea wiederholte, man werde daran arbeiten, den Frieden auf der koreanischen Halbinsel wiederherzustellen. Die Regierung in Seoul hatte zuletzt versucht, die ins Stocken geratene diplomatische Wiederannäherung beider Staaten mit der Zusage einer neuen Gesetzesinitiative gegen die Ballonkampagne der Aktivisten wiederzubeleben. Doch hat der Norden Südkorea vorgehalten, es mit der Reaktion nicht ernst genug zu meinen.

Südkorea hatte in besonders heiklen Zeiten mitunter Polizisten entsandt, um die Ballonkampagnen zu unterbinden. Forderungen des Nordens nach einem vollständigen Verbot hatte Seoul aber mit Verweis auf freie Meinungsäußerung nicht nachgegeben. Für die Ballonaktionen sind in der Regel nordkoreanische Überläufer und konservative Aktivisten verantwortlich. In den Flugblättern wird vor allem die Atom- und Menschenrechtspolitik von Machthaber Kim angeprangert. Die jüngste Eskalation kommt zu einer Zeit, in der die Nukleardiplomatie mit den USA in der Sackgasse steckt. Einige Experten gehen davon aus, dass die neue Provokation die Spannungen absichtlich erhöhen soll.

Die Kanäle waren größtenteils 2018 eingerichtet worden. In dem Jahr waren Kim und Moon zu mehreren Gipfeltreffen zusammengekommen.

© SZ.de/ap/kler/mkoh
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