Nordkorea Moon Jae-in, der Vermittler aus Seoul

Sucht den Kontakt mit dem nordkoreanischen Machthaber: Südkoreas Präsident Moon Jae-in (r.).

(Foto: AFP)
  • Am Samstagnachmittag haben sich der südkoreanische Präsident und Nordkoreas Machthaber getroffen, um doch noch Chancen für ein Treffen mit Donald Trump auszuloten.
  • Moon Jae-in sagte, es sei wichtig, dass sich die Staatschefs der beiden Koreas "kurzfristig und ohne viel Protokoll jederzeit treffen können wie Freunde".
  • Die Gespräche fallen in eine Zeit, in der alle Parteien - sowohl die koreanischen Länder als auch die USA - Verhandlungserfolge brauchen.
Von Christoph Neidhart, Tokio

Dreimal umarmte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in bei ihrem zweiten, überraschenden innerkoreanischen Gipfel binnen eines Monats. Sein Lachen wirkte gelöst - fast schien es, als sähe er im gut 30 Jahre älteren Moon einen väterlichen Freund.

Moon hat diesen zweiten Gipfel nach Donald Trumps Flip-Flop um sein für den 12. Juni in Singapur geplantes Treffen mit Kim also offenbar geschickt genutzt, um seine Position als Vermittler abzusichern. Der 65-Jährige war von Anfang in die Rolle des Regisseurs geschlüpft, der den Friedensprozesses aus dem Hintergrund leitet. Kim Jong-un stützt sich offenbar auf den Südkoreaner - wie die Körpersprache am Samstag erneut zeigte.

Das könnte eine gute Nachricht für die Welt sein. Es braucht schließlich einen Regisseur für diesen so verworrenen Konflikt: Am Donnerstag hatte der US-Präsident den Gipfel mit Kim abgesagt, ohne sich zuvor mit seinen Verbündeten zu besprechen oder Südkorea auch nur zu informieren. Anderthalb Tage später twitterte er dann, der Gipfel finde womöglich doch wie geplant statt. Vielleicht dauere er sogar länger als den ursprünglich geplanten einzelnen Tag. Vor diesem Hintergrund trafen sich Moon und Kim am Samstagnachmittag überraschend wieder im Waffenstillstandsdorf Panmunjom, diesmal ganz ohne Pomp. Dabei sprachen sie auch darüber, wie der Trump-Kim-Gipfel doch noch gesichert werden könnte.

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Nordkorea will das Treffen mit Trump, Kim habe Moon erneut versichert, es sei zur "kompletten Denuklearisierung" bereit. Allerdings stellt sich Nordkorea die Nuklearabrüstung als einen schrittweisen Prozess vor, dagegen zielt das Weiße Haus auf eine sofortige Abrüstung, die technisch schwierig werden könnte. Die Denuklearisierung der Ukraine und Kasachstans dauerte zehn Jahre.

Offenbar haben beide Seiten erst kürzlich begonnen, konkret über diese wichtigen Fragen zu verhandeln. US-Außenminister Mike Pompeo äußerte ein gewisses Verständnis für Nordkoreas Position. Moon sagte am Sonntag vor der Presse, es sei nun wichtig, dass die beiden Seiten für Singapur auf Arbeitsebene einen klaren Plan zur Nuklearabrüstung ausarbeiteten und dass es dabei nicht zu Missverständnissen komme. Südkorea könne zu den Atomfragen wenig beitragen.

Die Kommunikation zwischen den USA und Nordkorea ist schon aus technischen Gründen schwierig, es gibt nicht einmal Telefonverbindungen. Gewiß wäre es nötig, eine Hotline zwischen Pjöngjang und Washington einzurichten, so Moon. Aber dazu fehle die Infrastruktur. Außerdem lasse sich eine Hotline erst dann effektiv nutzen, wenn sich die beiden Staatschefs zuvor persönlich gesehen hätten.

Moon berichtete am Sonntag, Kim habe ihn vor zwei Tagen um das Treffen gebeten. Er habe sofort eingewilligt. So wichtig wie die Inhalte sei es, dass sich die Staatschefs der beiden Koreas "kurzfristig und ohne viel Protokoll jederzeit treffen können wie Freunde". Das sei so bedeutsam wie der historische Gipfel von Panmunjom im April. "Wir haben uns geeinigt, uns immer dann zu treffen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht."

Charaktere wie Trump und Kim Jong-Un brauchen einen Vermittler: Moon Jae-in

Die vom Norden aus Protest gegen die Luftwaffenmanöver Südkoreas mit den USA verschobenen Gespräche hochrangiger Delegationen sind neu auf den 1. Juni angesetzt. Auch die Verhandlungen zu Familientreffen und der Dialog der Militärs werden wieder aufgenommen.

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Die Angelegenheit entwickle sich "sehr gut", sagte der US-Präsident am Samstag in Washington. Eine amerikanische Delegation befände sich bereits zur Vorbereitung in Nordkorea.

Am Samstagabend gab sich Moons Sprecher zugeknüpft, er bestätigte nur den Rahmen des Gipfels, dazu wurden Videobilder veröffentlicht, auf denen Kims Schwester Yo-jong Moon empfing. Dann umarmten sich Moon und Kim dreimal herzlich. Nordkorea habe den Süden gebeten, die Presse erst am Sonntag detailliert zu informieren, erklärte Moon, damit die langsameren Medien in Pjöngjang die Nachricht gleichzeitig verbreiten konnten. Dem habe das Blaue Haus in Seoul stattgegeben, der Amtssitz Moons. Die Staatsmedien des Nordens priesen Moon am Sonntag für seine Hilfe. Pjöngjang hoffe, der Gipfel mit Trump komme wie geplant zustande.

Moon ist überzeugt, dass Kim es mit der Atomabrüstung ernst meint und den Friedensprozess will. Die Vergangenheit, als Nordkorea sich verhandlungswillig zeigte und dafür honoriert wurde, dann aber einen Rückzieher machte, werde sich nicht wiederholen, so der südkoreanische Präsident.

Moon weiß, wovon er spricht. Vor elf Jahren hatte er geholfen, den Gipfel zwischen dem damaligen Präsidenten Roh Moo-hyun und Kims Vater zu organisieren. Nach zwei konservativen Präsidenten, die kein Interesse an einem Ausgleich mit Nordkorea hatten, war er mit dem erklärten Ziel angetreten, sich für einen stabilen Frieden auf der koreanischen Halbinsel einzusetzen. Seine konservativen Kritiker hatten vorausgesagt, Moon werde naiv in Nordkoreas Fallen tapsen. Aber Moon hat - seit er Kims Schwester Yo-jong und den 90-jährigen Kim Yong-nam, das nominelle Staatsoberhaupt Nordkoreas, zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang empfing - offenbar Fortschritte bei Nordkoreas Führung gemacht.

Wohl auch, weil Nordkorea vor allem aus wirtschaftlichen Gründen den Dialog sucht. Andrei Lankov von der Kookmin-Universität in Seoul glaubt, Nordkorea brauche eine Kurskorrektur. Zwar habe er kürzlich in Nordkorea selbst auf dem Land keine Wirkungen der internationalen Sanktionen erkennen können, die Wirtschaft wachse. Aber das Regime fürchte, auf die Dauer könnten die Sanktionen greifen. Vor allem, wenn China sie wie zuletzt strikt umsetze.

Auch auf amerikanischer Seite erkennen Experten einen Bedarf an Verhandlungserfolgen: Nicht nur Kim brauche den Gipfel, auch Trump, sagte Song Se-ryun von der Kyung-hee Universität im südkoreanischen Fernsehen. Einerseits ließen ihn die "Gesänge von einem Friedensnobelpreis" nicht mehr los. Andrerseits stehe er wegen der angeblichen Unterstützung seiner Wahl durch Russland und den vielen Korruptionsverwürfen so sehr unter Druck, dass höchstens ein Durchbruch mit Nordkorea davon ablenken könnte. Und wenn man die Charaktere von Trump und Kim berücksichtige, dann sei es klar, dass sie einen Vermittler brauchen: Moon Jae-in.

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