Nordkorea Kim droht Trump mit Gipfel-Absage

  • Nach Wochen der entspannten Annäherung sagt Nordkorea geplante Gespräche mit hochrangigen Vertretern Südkoreas ab.
  • Das nordkoreanische Regime droht außerdem mit der Absage des Treffens zwischen Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump.
  • Grund dafür ist die Forderung der USA nach einer Aufgabe des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals.

Nordkorea hat mit der Absage des geplanten Gipfeltreffens von Machthaber Kim Jong-un mit US-Präsident Donald Trump gedroht. Pjöngjang habe kein Interesse an dem Treffen, falls es auf "einseitigen" US-Forderungen nach einer nordkoreanischen Abkehr von Atomwaffen beruhe, teilte Vize-Außenminister Kim Kye-gwan der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge mit.

Zudem kritisierte er die jüngsten Aussagen von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton, dem zufolge Nordkorea bei der Abrüstung dem "libyschen Modell" von vor etwa 15 Jahren folgen soll. Libyen hatte sein ohnehin unvollständiges Nuklearprogramm aufgegeben, um im Gegenzug Erleichterung von Sanktionen zu erhalten. Bolton hatte nun von Nordkorea eine "vollständige, nachweisbare und unumkehrbare" Demontage des Atomwaffenprogramms verlangt.

Kim will keine Verhandlung, "bei der es nur darum geht, uns in eine Ecke zu drängen"

Kim erklärte dazu, wenn die Trump-Regierung den geplanten Gipfel mit der ehrlichen Absicht antrete, die Beziehungen zu verbessern, wolle sein Land angemessen reagieren. "Aber wir sind nicht länger an einer Verhandlung interessiert, bei der es nur darum geht, uns in eine Ecke zu drängen."

Zudem sagte Pjöngjang für Mittwoch geplante hochrangige Gespräche mit Südkorea ab. Grund dafür ist ein Militärmanöver Südkoreas mit den USA, das bis zum 25. Mai andauern soll. So simulierten die südkoreanische und die US-Luftwaffe mit den sogenannten Max-Thunder-Übungen einen Einmarsch in den Norden - dies sei eine Provokation inmitten der Erwärmung der innerkoreanischen Beziehungen.

Politik Nordkorea 12. Juni, Singapur
Historisches Treffen

12. Juni, Singapur

Noch nie hat sich ein amtierender US-Präsident mit der Führung des kommunistischen Nordkoreas getroffen. Nun ist ein Datum für den Gipfel zwischen Donald Trump und Kim Jong-un gesetzt.

Die Gespräche auf hoher Ebene sollten auf der südlichen Seite des Waffenstillstandsdorfes Panmunjom stattfinden, um Folgemaßnahmen zu dem Gipfeltreffen der beiden koreanischen Führer im vergangenen Monat zu diskutieren. Durch die Gespräche wollte Südkorea versuchen, "die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und einen dauerhaften Frieden zu schaffen".

Südkorea reagierte auf die Absage mit Bedauern. Pjöngjang solle schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren, mahnte ein Sprecher des für Wiedervereinigung zuständigen Ministeriums in Seoul. Die Entscheidung widerspreche dem Geist des innerkoreanischen Gipfels im vergangenen Monat, bei dem sich beide Länder auf die "vollständige Denuklearisierung" der Koreanischen Halbinsel geeinigt hätten.

Die kritisierten Manöver "sind Dinge, die wir auf der ganzen Welt machen", heißt es aus den USA

Sprecher Baek Tae-hyun ging nicht darauf ein, ob die südkoreanische Regierung Auswirkungen auf den geplanten Gipfel zwischen Nordkoreas Machthaber Kim und Trump sieht. Der Termin wäre das erste direkte Treffen zwischen den Staatschefs der beiden Länder. Es soll am 12. Juni in Singapur stattfinden.

Die USA gehen weiter von einem Treffen mit Kim aus: "Wir machen weiter und treiben die Planungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim Jong-un voran", sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Die von Nordkorea kritisierten gemeinsamen Manöver der Amerikaner mit Südkorea stellten keinesfalls eine Provokation dar. "Das sind Dinge, die wir auf der ganzen Welt machen", sagte Nauert. Kim Jong-un habe zuvor erklärt, er habe Verständnis dafür, dass den USA die Übungen mit Südkorea wichtig seien.

Vorausgegangen war das Gipfeltreffen Nord- und Südkoreas vom 27. April, das mit einer gemeinsamen Erklärung über Frieden und Aussöhnung endete. Kim Jong-un erklärte sich bei seinem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in unter anderem zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms bereit. Wie und bis wann die "komplette Denuklearisierung" erreicht werden soll, blieb unklar.

Der Atomstreit mit Nordkorea gilt als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit. Beide Staaten erklärten sich zudem dazu bereit, auf alle Feindseligkeiten zu verzichten und eine neue Friedensordnung für die Koreanische Halbinsel anzustreben. Zudem sollen humanitäre Projekte, etwa direkte Kontakte zwischen getrennten Familien, wiederaufgenommen und der Austausch und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen verstärkt werden.

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