bedeckt München 17°

"News of the World"-Skandal:Ex-Chefredakteurin Brooks festgenommen

Wegen des Abhörskandals in Großbritannien ist Medienberichten zufolge die zurückgetretene Chefin der Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, festgenommen worden. Die 43-Jährige steht offenbar unter Korruptionsverdacht. Und auch Großbritanniens ranghöchster Polizist gerät ins Zwielicht.

Wegen des Abhörskandals in Großbritannien ist einem Fernsehbericht zufolge die zurückgetretene Chefin der Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, festgenommen worden. Während die Polizei am Sonntag lediglich die Festnahme einer Frau verkündete, berichtete der Sender Sky News, dass es sich bei der Festgenommenen um Brooks handele. Die Behörden gaben lediglich bekannt, die Frau sei am Sonntagmittag in ein Londoner Polizeirevier vorgeladen worden. Sie werde nun wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Abhören von Gesprächen und auf Bestechung verhört. Die 43-Jährige war zur Zeit des Abhörskandals Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Zeitung News of the World.

File photo of then-chief executive of News International, Rebekah Brooks, arriving at Rupert Murdoch's flat in central London

Rebekah Brooks: Die 43-jährige frühere Chefredakteurin der Zeitung News of the World ist offenbar festgenommen worden.

(Foto: Reuters)

Auch Politik und Polizei geraten in der Affäre mehr und mehr in Bedrängnis. Premierminister David Cameron musste sich verteidigen, weil er sich in nur 15 Monaten Amtszeit 26 Mal offiziell mit Murdoch oder dessen Top-Managern traf.

Vor der mit Spannung erwarteten öffentlichen Befragung Rupert Murdochs an diesem Dienstag geriet auch der ranghöchste britische Polizist wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck. Der Chef der Metropolitan Police in London, Sir Paul Stephenson, habe sich Teile eines Kuraufenthaltes im Wert von 12.000 Pfund (umgerechnet etwa 13.700 Euro) von einem Spa-Betreiber bezahlen lassen, berichtete das Murdoch-Blatt Sunday Times am Sonntag unter Berufung auf ein Statement der Polizei.

PR-Chef des Spa-Betreibers war ausgerechnet Neil Wallis, ehemals stellvertretender Chefredakteur des Skandalblattes News of the World und auch als PR-Berater für Stephenson aktiv. Wallis war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden.

Bereits in den vergangenen Tagen war ans Licht gekommen, dass Polizeibeamte Geld genommen und dafür Informationen an Journalisten weitergegeben haben. Ranghohe Redakteure der inzwischen eingestellten Skandalzeitung sollen verwickelt sein, darunter der ehemalige Chefredakteur Andy Coulson.

Oppositionschef Ed Miliband forderte in einem Interview mit dem Observer am Sonntag die Zerschlagung des Murdoch-Imperiums. Die Gesetze zur Medienkonzentration müssten verschärft werden, Murdochs Marktmacht sei "gefährlich", sagte der Labour-Politiker. "Er hat zu viel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien." News International kontrollierte bisher 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch gehören zusätzlich 39 Prozent am Fernseh- und Telekommunikationskonzern BSkyB.

Der schottische Ministerpräsident Alex Salmond rief am Wochenende einen Report aus dem Jahr 2006 in Erinnerung. In dem Bericht im Zuge der sogenannten "Operation Motorman" waren bereits mehr als 3000 Verstöße "verschiedenster Zeitungen" gegen Datenschutzgesetze aufgelistet worden. Er stellte die Frage, "warum trotz nachdrücklicher Empfehlung in dem Bericht nicht gehandelt wurde".

Rupert Murdoch bat in den Wochenendausgaben aller landesweit erscheinender Zeitungen in Großbritannien öffentlich um Entschuldigung. Viele Kommentatoren werteten den Schritt als "richtig, aber zu spät." Tags zuvor war die nun festgenommene Rebekah Brooks bereits von ihrem Chefposten bei der britischen Verlagsholding News International zurückgetreten. Kurz darauf erklärte auch Les Hinton seinen Rücktritt. Er war der Vorgänger von Brooks bei News International und leitete inzwischen die US-Firma Dow Jones, wo mit dem "Wall Street Journal" eines der Flaggschiffe der Murdoch-Presse erscheint.

© AFP/dpa//bön/holz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema