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Neuer US-Außenminister:Ein Mann, dem Trump und Putin vertrauen

Rex Tillerson

Rex Tillerson, Chef des Mineralölriesen Exxon Mobil, bei einer Anhörung in Washinton zur Ölförderung in der Arktis im Jahr 2015.

(Foto: AP)

Rex Tillerson, bisher Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil, soll Trumps Außenminister werden. Der 64-Jährige pflegt beste Beziehungen nach Russland - Demokraten und einige Republikaner schlagen Alarm.

Von Matthias Kolb, Washington

Bisher gleicht das Verfahren, nach dem Donald Trump seine Minister und Berater auswählt, einer Neufassung seiner Reality-TV-Show The Apprentice. Damals ging es darum, als "Lehrling" einen Job in Trumps Firma zu kriegen - nun lässt der künftige Präsident die Kandidaten in den Trump-Tower kommen, wo die in der Lobby lauernden Reporter genau sehen, wer den Aufzug betritt. Sein weltbekannter Satz "You're fired" wurde in "You're hired" abgewandelt, und wenn der 70-Jährige eine Entscheidung getroffen hat, wird dies per Twitter oder Pressestatement bekannt gegeben - und in den Medien gestreut.

Nun spricht alles dafür, dass der Republikaner mit Rex Tillerson den bisherigen Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil zum Außenminister machen will. Einen entsprechenden NBC-Bericht bestätigten später New York Times und Washington Post. Ob Zufall oder Absicht: Durch die angekündigte Personalentscheidung verteilt sich die mediale Aufmerksamkeit - in der Nacht auf Samstag hatte die Post gemeldet, die CIA sei überzeugt, dass Russland durch Hacker-Attacken Trump ins Weiße Haus bringen wollte. Trumps Reaktion? Er verspottet die Geheimdienste.

Im Interview mit Fox News erklärt der Wahlsieger, was er an Tillerson schätzt. Dieser sei viel mehr als ein Firmenchef: "Er ist ein world-class player. Er kennt viele Akteure, und er kennt sie gut. Er macht massive Deals in Russland - für seine Firma, nicht für ihn selbst."

Sollte Trump Tillerson nominieren, wäre das eine Kehrtwende: Lange galten New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani und Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney als Favoriten. Beide besitzen im Gegensatz zu Tillerson politische Erfahrung - und durch die Kür seines Widersachers Romney wäre Trump parteiinternen Kritiker einen Schritt entgegen gekommen. Unter demokratischen Senatoren formiert sich Widerstand und auch Republikaner wie John McCain und Lindsey Graham finden Tillersons Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin "besorgniserregend".

Das müssen Sie über Rex Tillerson wissen

Der Texaner hat sein gesamtes Berufsleben für Exxon Mobil gearbeitet, unter anderem im Jemen und in Russland. In den 1990er Jahren war er für ein Öl-Projekt auf der Sachalin-Insel zuständig, wo er erstmals mit Putin zu tun hatte. 2006 wurde der Ingenieur Exxon-Chef, 2011 unterzeichnete er ein Großprojekt mit Russlands Staatsfirma Rosneft, um Öl in der Arktis und Sibirien zu fördern. Tillerson wurde von Putin mit dem Freundschaftsorden ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung für Ausländer.

"Wahrscheinlich hat kein Amerikaner mehr Zeit mit Putin verbracht als Tillerson - abgesehen von Henry Kissinger", sagt John Hamre vom Washingtoner "Center for Strategic and International Studies" (CSIS) dem Wall Street Journal. Tillerson sitzt im CSIS-Vorstand und er wäre wohl gut geeignet für Trumps Ziel, die Beziehungen zu Russland deutlich zu verbessern.

Beobachter weisen darauf hin, dass der Noch-Exxon-Chef (er müsste 2017 als Altersgründen abtreten) anders als Trump überzeugt für Freihandel wirbt und im Vorwahlkampf Jeb Bush unterstützte. Exxon unterstützt auch den Pariser Klima-Pakt, den Trump aufkündigen will. Die Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland, die nach der Krim-Annektion und dem Ukraine-Krieg erlassen wurden, lehnt Tillerson ab.

Der 64-Jährige ist nicht nur überzeugter Republikaner, sondern auch stolzer Pfadfinder. Laut Medienberichten war er entscheidend daran beteiligt, dass seit 2015 auch Schwule Boy Scouts-Gruppen leiten dürfen. Offen ist auch, was mit Tillersons Exxon-Aktienpaket geschieht, das momentan etwa 150 Millionen Dollar wert ist.

Das kritisieren Demokraten an Rex Tillerson

Unter den oppositionellen Demokraten sorgt die Aussicht, dass Tillerson während des Nominierungsverfahrens im Senat unter Eid aussagen müsste, für eine gewisse Vorfreude. Ohne die Unterstützung von mindestens drei Republikaner können die Demokraten Tillerson zwar nicht verhindern, aber sie haben viele Fragen an den Chef des weltgrößten Energiekonzerns.

So ermitteln die Generalstaatsanwälte von New York und Massachusetts, ob Exxon Mobil die Öffentlichkeit und seine Anleger seit den 1970er Jahren über die Gefahren des Klimawandels angelogen haben. Obwohl der Konzern wissenschaftliche Belege dafür gehabt habe, dass die Arktis schmelze, wurden dort weitere Ölbohrungen durchgeführt (mehr bei der Los Angeles Times), so der Vorwurf. Die Befragungen von Tillerson und von Scott Pruitt, dem designierten Chef der Umweltbehörde EPA (hier ein Porträt des Klimaschutz-Gegners) wollen Aktivisten nutzen, um Spenden für ihre Belange zu sammeln und zum Protest gegen die Trump-Regierung zu mobilisieren.

Diese Fragen haben Republikaner an Tillerson

Mit John McCain, dem einflussreichen Chef des Verteidigungsausschusses, äußert sich auch ein konservativer Senator skeptisch über Trumps erklärten Favoriten. Tillersons Nähe zu Putin sei "besorgniserregend", sagte McCain zu Fox News und kündigte eine genaue Prüfung an. Über den russischen Präsidenten sagte McCain: "Putin ist ein Gangster, ein Tyrann und ein Mörder und jeder, der ihn als etwas anderes bezeichnet, lügt."

Ähnlich harsch formuliert Senator Lindsey Graham seine Vorbehalte gegenüber Tillerson. "Ich kenne den Mann nicht, aber sagen wir es so: Wenn jemand einen Orden vom Kreml bekommt, dann gibt es viel zu bereden. Die Sache beunruhigt mich", sagte der Senator aus South Carolina. McCain und Graham haben zudem kürzlich angekündigt, die russischen Hacker-Angriffe rund um die US-Wahl im Senat zu untersuchen - auch dies wird Trump nicht gefallen.

Als Multimillionär und Mann mit langjähriger Geschäftserfahrung würde Tillerson gut in Trumps Ministerriege passen. Seine Bilanz aus der Zeit an der Spitze von Exxon Mobil ist jedoch durchwachsen: Nicht alle Ankündigungen seien eingehalten worden, die Schulden des Konzerns verdoppelten sich und im April verlor die Firma ihr AAA-Kreditrating von Standard & Poors; seit 1949 war sie mit der Höchstnote bewertet worden.

Auch wenn Tillerson bisher kein politisches Amt innehatte, so verfügt er doch über viel Erfahrung auf dem internationalen Parkett. "Wenn es einen Außenminister außerhalb der Regierung gibt, dann ist es stets der Chef von Exxon Mobil", urteilt Robert McNally, der unter George W. Bush energiepolitischer Berater war. Der Ölkonzern ist in 50 Ländern vertreten und hat oft mit Regierungen oder Staatsfirmen zu tun - neben Putin hat Tillerson regelmäßig den Emir von Katar oder den saudischen Ölminister getroffen.

Die vertrackte Lage in Nahost kennt Tillerson also - und ohne diplomatische Fähigkeiten kommt man in der Energiebranche nicht weit. Als Beleg für seine Standfestigkeit und Sturheit wird oft genannt, dass sich Exxon nicht dem Druck von Venezuelas Führer Hugo Chavez beugte, sondern seine Geschäfte dort abbrach - und vor Gericht eine Milliarden-Entschädigung durchsetzte.

Die Analystin Suzanne Maloney vom Thinktank Brookings hat selbst einige Zeit in der Energiebranche gearbeitet und argumentiert in mehreren Tweets, dass Rex Tillerson genügend strategisches Denken, Urteilsvermögen und Arbeitswut mitbringe, um das Außenministerium zu führen.

Neben den Beziehungen zu Russland müsste er auch auf Trumps Wunsch den Atomdeal mit Iran verändern und sich um China kümmern, das über das Telefonat des Bald-Präsidenten mit der taiwanesischen Staatschefin und dessen wütende Tweets verärgert ist.

Theoretisch ist es natürlich denkbar, dass Trump in allerletzter Minute seine Meinung ändert. Doch auch die Lebensgeschichte von Rex Tillerson dürfte dem Millionärsohn und heutigem Milliardär gefallen: Er finanzierte sich sein Studium an der University of Texas unter anderem als Hausmeister.

© SZ.de/lkr/cag

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