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Russland:Charité: Nawalnys Zustand verbessert

Russland: Oppositionsführer Alexej Nawalny 2018 in Moskau

Alexej Nawalny im Jahr 2018

(Foto: Pavel Golovkin/dpa)

Der vergiftete Kremlkritiker müsse nicht mehr beatmet werden und könne sein Krankenbett zeitweise verlassen, teilt das Berliner Klinikum mit. Labore in Frankreich und Schweden bestätigen unterdessen deutsche Ergebnisse.

Der vergiftete russische Kremlkritiker Alexej Nawalny muss nicht mehr beatmet werden und kann sein Krankenbett zeitweise verlassen. Sein Gesundheitszustand habe sich weiter verbessert, und er werde zunehmend mobilisiert, teilte das Berliner Klinikum Charité am Montag mit.

Unterdessen haben zwei weitere Speziallabore in Frankreich und Schweden einen Nervengift-Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache festgestellt. Dies teilte die Bundesregierung mit. Weiter hieß es, dass Deutschland die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eingeschaltet habe. Deren Experten haben demnach ebenfalls Proben von Nawalny entnommen, die nun durch Referenzlabore untersucht werden sollen. Nawalny wird in Berlin behandelt. Der 44-Jährige gilt als einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte zu den neuen Befunden: "Wir erneuern die Aufforderung, dass sich Russland zu den Geschehnissen erklärt." Die deutsche Regierung stehe mit ihren europäischen Partnern "in engem Austausch zu weiteren Schritten". Nawalny war am 20. August auf einem Flug in Russland zusammengebrochen und in eine Klinik in Sibirien gebracht worden. Später wurde er auf Drängen seiner Familie in die Charité verlegt. Die Bundesregierung teilte nach Untersuchungen in einem Speziallabor der Bundeswehr mit, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sei.

International ist der Druck auf Moskau groß, in dem Fall selbst zu ermitteln. Nach Ansicht der Bundesregierung hat Russland ausreichend Informationen für eigene Untersuchungen. "Russland verfügt über alles Notwendige, um Ermittlungen durchzuführen", sagte Regierungssprecher Seibert in der vergangenen Woche. Moskau hatte vergangene Woche verärgert auf Aufforderungen reagiert, Ermittlungen einzuleiten. Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte der Staatsagentur Tass zufolge, andere Länder sollten Russland nicht sagen, "welche rechtlichen Schritte wann und auf welcher rechtlichen Grundlage einzuleiten sind". "Das gefällt uns nicht."

In der Erklärung der Bundesregierung heißt es, man habe mit Frankreich und Schweden weitere europäische Partner um eine unabhängige Überprüfung des deutschen Nachweises anhand erneuter Proben von Nawalny gebeten. "Die Ergebnisse dieser Überprüfung durch Speziallabore in Frankreich und Schweden liegen nunmehr vor und bestätigen den deutschen Nachweis", teilte Seibert mit. "Unabhängig von den noch laufenden Untersuchungen der OPCW haben damit nun bereits drei Labore unabhängig voneinander den Nachweis eines Nervenkampfstoffes aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache der Vergiftung von Herrn Nawalny erbracht."

Frankreich sei zu den gleichen Schlüssen wie die europäischen Partner bei der mutmaßlichen Vergiftung gekommen, bestätigte der französische Präsident Emmanuel Macron einer Mitteilung seines Büros zufolge. Russland müsse mit einer Untersuchung eine Klarstellung liefern. In einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin habe Macron seine "tiefe Sorge wegen des kriminellen Akts" gegen Nawalny zum Ausdruck gebracht, teilte Macrons Büro mit.

Der Kreml zufolge habe Putin bei dem Telefonanruf "die Unangebrachtheit unbegründeter Vorwürfe gegen die russische Seite betont". Putin habe die Forderung bekräftigt, dass Deutschland die Analysen zu Nawalny und Proben russischen Experten übergebe. Er wolle eine gemeinsame Arbeit von deutschen und russischen Ärzten bei dem Fall.

© SZ/dpa/jael/segi/ghe
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