Kremlkritiker:Nawalnys Team: Putin erhielt Angebot zu Gefangenenaustausch

Kremlkritiker: Der Kremlkritiker Alexej Nawalny starb am 16. Februar in einem russischen Straflager.

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny starb am 16. Februar in einem russischen Straflager.

(Foto: Alexander Zemlianichenko/dpa)

Es habe Verhandlungen zur Freilassung Nawalnys gegeben, sagt eine Mitarbeiterin des Oppositionellen. Er hätte gegen den in Deutschland inhaftierten Tiergartenmörder getauscht werden sollen. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht.

"Alexej Nawalny könnte jetzt heute hier sitzen": Diese Worte sagt Maria Pewtschich in einem rund sieben Minuten langen Video, das für einige Diskussionen sorgen dürfte. Die langjährige Mitarbeiterin von Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds erklärt in dem am Montag veröffentlichten Kurzfilm, dass der vor anderthalb Wochen in einem russischen Straflager ums Leben gekommene Oppositionelle eigentlich gegen den in Deutschland inhaftierten Tiergartenmörder hätte freigetauscht werden sollen. "Nawalny sollte in den nächsten Tagen freikommen, weil wir eine Entscheidung zu seinem Austausch erreicht hatten", betont sie.

Demnach hätte der im Dezember 2021 in Deutschland verurteilte Wadim Krassikow an Russland ausgeliefert werden sollen - im Gegenzug für Nawalny und zwei nicht näher genannte US-Amerikaner, vermutlich die Journalisten Alsu Kurmasheva und Evan Gershkovich oder der frühere Soldat Paul Whelan. Ein entsprechendes Angebot sei Kremlchef Wladimir Putin Anfang Februar unterbreitet worden, sagt Pewtschich. Eine offizielle Bestätigung dieser Aussagen gibt es bisher weder von deutscher noch von US-amerikanischer Seite. Auch Russland bestätigte die Angaben nicht.

Von der stellvertretenden Sprecherin der Bundesregierung, Christiane Hoffmann, gab es zu den Aussagen weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Stattdessen verwies sie auf frühere Äußerungen und sagte: "Ich kann dazu jetzt auch nichts anderes antworten, als dass wir uns dazu nicht äußern können." Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete unter Berufung auf westliche Regierungskreise, dass deutsch-russische Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch tatsächlich weit fortgeschritten gewesen seien.

Der sogenannte Tiergartenmord wurde im August 2019 in Berlin an einem Georgier tschetschenischer Abstammung in der Parkanlage Kleiner Tiergarten verübt. Der Fall hatte zu Verwerfungen zwischen den Regierungen Deutschlands und Russlands und der gegenseitigen Ausweisung von Diplomaten geführt. Das Kammergericht Berlin verhängte gegen den russischen Täter lebenslange Haft und stellte fest, dieser habe im Auftrag staatlicher russischer Stellen gehandelt.

Die Verhandlungen hätten sich im finalen Stadium befunden, sagt die Mitarbeiterin

Die Darstellung von Nawalny-Mitarbeiterin Pewtschich zu dem Gefangenenaustausch lautet so: "Ich habe am Abend des 15. Februar die Bestätigung bekommen, dass Verhandlungen laufen und sich im finalen Stadium befinden. Am 16. Februar wurde Alexej getötet." In dem Video führt sie aus, dass hinter den Austauschplänen rund zwei Jahre voller Verhandlungen gesteckt hätten - mit Hilfe "bekannter Politiker und der reichsten Leute dieses Planeten". Auch Vertraute Putins seien involviert gewesen. Wer genau an der Ausarbeitung der Austauschpläne beteiligt gewesen sein soll, geht aus den Ausführungen allerdings nicht hervor. Am Ende habe der russische Oligarch Roman Abramowitsch Putin den fertigen Vorschlag vorgelegt, sagt sie. Wie Putins Reaktion ausgefallen sei, sei nicht bekannt.

Nawalny, der als politischer Gefangener galt, war laut offizieller russischer Darstellung am 16. Februar in einem Straflager nördlich des Polarkreises ums Leben gekommen. Die Nawalny-Unterstützer sind überzeugt davon, dass Putin seinen schärfsten Kritiker aus dem Weg habe räumen lassen, weil er ihn um keinen Preis in Freiheit sehen wollte. Sie werfen Russland Mord vor. Der Kreml weist das zurück. Nach Angaben von Nawalnys Team ist im Totenschein von "natürlichen" Ursachen die Rede.

Nachdem Nawalnys Angehörige zum Entsetzen vieler mehr als eine Woche lang auf die Herausgabe des Leichnams warten mussten, ist nun für Ende dieser Woche eine Beerdigung in Moskau angekündigt worden. Ob der russische Machtapparat aber wirklich zulassen wird, dass diese - wie von Nawalnys Unterstützern gewünscht - öffentlich stattfinden wird, ist fraglich. Trauerbekundungen, die als Auslöser von Protesten dienen könnten, kommen aus Sicht des Kremls so kurz vor der Präsidentenwahl am 17. März alles andere als gelegen.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz machte Putin derweil in aller Deutlichkeit für den Tod Nawalnys verantwortlich. "Auch ich gehe wie alle anderen davon aus, dass es das Regime war, das ihn getötet hat", sagte der SPD-Politiker bei der dpa-Chefredaktionskonferenz am Montag. Russland sei eine Diktatur. "Sein Tod ist jetzt die Konsequenz einer Diktatur."

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:Der Mann, den Putin fürchtete

Alexej Nawalny war immer klar, dass dem Kreml jedes Mittel recht sein dürfte, um ihn zu brechen. Trotzdem hörte er nie auf, sich gegen das Regime zu stemmen. Jetzt soll er am eiskalten russischen Polarkreis gestorben sein, in der gefürchteten Strafkolonie Nr. 3.

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