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Nationalismus:Die Neo-Nationalisten halten internationale Bündnisse für die Ursache neuer Übel

Die Vorstellung, dass in einer durch Technologie und Kommunikation kleiner werdenden Welt gemeinsame Probleme nur durch gemeinsames Handeln anzugehen, gar zu lösen sind, ist ein Kennzeichen der Moderne. In Europa haben die Erfahrungen mit dem verheerenden Nationalismus im ersten Teil des 20. Jahrhunderts zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft geführt, aus der die EU geworden ist. Selbst Nato und Warschauer Pakt entsprachen im Zeitalter der Ost-West-Konfrontation diesem grundsätzlichen Gedanken. Sie waren Bündnisse, die aus je eigener Sicht Sicherheit vor einem möglichen Gegner kollektiv organisieren sollten.

In Europa haben sich die Nationalstaaten keineswegs in der EU aufgelöst. Die sehr verschiedenen Identitäten blieben erhalten, was man auch an den Konflikten innerhalb der EU sieht. Deutschland hat dabei eine Sonderrolle gespielt, weil seine Einbindung in Bündnisse in den ersten Nachkriegsjahrzehnten auch mit der Re-Zivilisierung eines Landes zu tun hatte, das sich durch die Monstrosität seiner Verbrechen, durch Angriffskrieg und Völkermord, außerhalb jeder wertebegründeten Ordnung gestellt hatte.

In diesem Sinne ist das europäische Gefühl für jene Deutschen, die auch heute noch Verantwortung für deutsche Untaten in der jüngeren Geschichte empfinden, Teil eines aufgeklärten Patriotismus. Den wiederum muss man sich wahrlich nicht von der neuen Rechten korrumpieren lassen.

Durchsetzen, Gesicht bewahren, Zurückpöbeln

Die Neo-Nationalisten, egal ob in den USA, in Frankreich oder Deutschland, verstehen EU oder Nato nicht mehr als Konsequenzen aus alten Übeln. Nein, sie halten diese Bündnisse für die Ursache neuer Übel. So unterschiedlich die Länder sind, aus denen Trump, Orbán oder Le Pen kommen, so ähnlich ist deren Verächtlichmachung zwischen- oder überstaatlicher Institutionen. Sie beackern mit der Verhöhnung fruchtbaren Boden. Viele Leute reden pauschalisierend vom "Superstaat in Brüssel" oder von den "lächerlichen UN". Europas Retronationalisten halten, widersprüchlich wie ihr Denken häufig ist, die EU gleichzeitig für einen aufgeblasenen Popanz und für eine Bedrohung.

Das Gefährliche an dem Nationalisten Trump allerdings ist noch etwas anderes. Weil er kein "Weichei" sein will, besteht leider die Möglichkeit, dass er in einer Krise sich und Amerika nicht beleidigen lassen möchte. Solche Kategorien - Durchsetzen, Gesicht bewahren, Zurückpöbeln - spielten bisher in seinem Leben eine zentrale Rolle. Es gibt in Russland schon einen Macho mit Flugzeugträgern und Atomwaffen. Von Januar an sitzt dann noch einer im Weißen Haus. Das ist eine beunruhigende Aussicht.

Leserdiskussion Wie kann Journalismus Menschen erreichen, denen Fakten egal sind?
Leserdiskussion

Wie kann Journalismus Menschen erreichen, denen Fakten egal sind?

AfD, Brexit und Trump - 2016 ist ein gutes Jahr für Populisten, ein schlechtes für faktenbasierten Journalismus. Egal ob hierzulande, in Großbritannien oder in den USA: Eine zunehmende Zahl von Menschen verliert das Vertrauen in Massenmedien und wird empfänglich für populistische Halbwahrheiten und Lügen. Wie können Journalisten diese Menschen wieder erreichen?   Diskutieren Sie mit uns.

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