Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern:Bescheidenheit ist für die AfD keine Tugend

Frauke Petry, chairwoman of the anti-immigration party Alternative for Germany (AfD), and Leif-Erik Holm, Mecklenburg-Vorpommer top candidate talk prior to  a press conference in Berlin

"Wir werden diesen Erfolg nach Berlin tragen": Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry mit dem Schweriner Wahlsieger Leif-Erik Holm (rechts).

(Foto: Reuters)
  • Nach öffentlichen Grabenkämpfen an der Spitze der AfD geben sich Frauke Petry und Jörg Meuthen betont geschlossen.
  • Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern wird parteiintern zur "kleinen Bundestagswahl" hochstilisiert - und die AfD zur Nachfolgepartei der Union.
  • Einzig die Frage nach der Kanzlerkandidatur lassen die Rechtspopulisten bislang unbeantwortet.

Von Peter Burghardt und Jens Schneider

Frauke Petry und Jörg Meuthen sitzen in großer Eintracht da. "Wir haben uns gestritten, aber wir haben uns wieder zusammen gerauft", sagt der Bundessprecher der AfD. "Wenn eine Partei zwei Sprecher hat, ist ein Disput ein völlig normaler Vorgang." Die Ko-Vorsitzende stimmt zu, dem sei nichts hinzuzufügen. Im Frühsommer hatten die Parteichefs sich vor aller Augen verkracht, ein echtes Team werden sie wohl nicht mehr. Aber sie haben einen Burgfrieden geschlossen, ohnehin ist ihr Zwist so wenig zur Last für die AfD geworden wie viele andere interne Probleme der Partei vorher. Derzeit kann der AfD offenbar nichts schaden. Nun finden Petry, Meuthen und ihre Weggefährten an diesem Montag in Berlin immer neue Bilder, um ihrem Erfolg Bedeutung zu geben.

Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern sei eine "kleine Bundestagswahl" gewesen", sagt Wahlsieger Leif-Erik Holm. Petry kündigt an: "Wir werden diesen Erfolg zweifelsohne nach Berlin tragen." Meuthen spricht "von einem Umbruch von historischer Dimension". Paul Hampel, Mitglied des Bundesvorstands, sieht sogar noch Größeres kommen: "Ich halte die AfD für die natürliche Nachfolgepartei der Christlich Demokratischen Union Deutschlands."

Die AfD soll regieren, wenn es nach Petry geht

Bescheidenheit ist für die AfD am Tag nach der Wahl keine Tugend, so wird plötzlich auch eine Option freimütig anvisiert, die in der Parteispitze eigentlich hoch umstritten ist: das Mitregieren. Petry schwebt schon lange vor, dass die AfD regieren soll, sie sprach freilich von der übernächsten Bundestagswahl - mit Rücksicht auf ihre innerparteilichen Antipoden wie AfD-Vize Alexander Gauland, der auf einen klaren Oppositionskurs beharrt. Am Montag sieht Bundessprecher Meuthen die Machtbeteiligung schon am Horizont: "Wir wollen langfristig in diesem Land regieren. Diesen Weg gehen wir beharrlich, unbeirrbar und Schritt für Schritt immer weiter, bis es so weit sein wird."

Als wäre es eine Gesetzmäßigkeit: "Mit der schieren Zustimmung, die wir bekommen, stellt sich die Frage irgendwann von selbst", sagt er. Man werde um die AfD irgendwann nicht mehr herumkommen. "Das kommt, das muss man mit einer gewissen Grundgelassenheit angehen." Meuthen nennt keine Zielmarke, sagt aber, es könne "idealerweise schon bei der Bundestagswahl" so weit sein, also 2017: "Wenn sich unser Erfolgskurs weiter fortsetzt, wird sich die Frage eventuell stellen."

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