Pakistan: Flutkatastrophe EU erhofft sich Milliarden von Geberkonferenz

Leidende Menschen, ausgelöschte Dörfer: Pakistan braucht bis zu 15 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau. Die EU will das Geld einsammeln - allerdings erst im Oktober.

Von C. Gammelin, T. Matern und J. Schmidt

Die EU plant eine internationale Geberkonferenz für Pakistan im Oktober, um dem von der Flut zerstörten Land beim Wiederaufbau zu helfen. Dieser wird nach Meinung von Hilfsorganisationen mindestens fünf Jahre dauern. Beteiligen möchten sich die USA, Russland, China, Deutschland und andere europäische Länder, damit die Atommacht Pakistan nicht im Chaos versinkt.

20 Millionen Menschen sind von der Flutkatastrophe in Pakistan betroffen. Bis zu 15 Milliarden Dollar könnte der Wiederaufbau kosten.

(Foto: AP)

Die Wassermassen haben ganze Dörfer ausgelöscht, 20 Millionen Menschen sind betroffen. Die pakistanische Regierung schätzt, dass der Wiederaufbau bis zu 15 Milliarden Dollar kosten könnte. Sein Land benötige einen Marshallplan, sagte der pakistanische Botschafter in Großbritannien, Wajid Shamsul Hasan. Die Stabilität der Weltgegend sei in Gefahr, wenn nicht umfassend geholfen werde, sagte er und warnte vor einer "Balkanisierung der Region".

Nach Informationen aus dem diplomatischen Dienst der EU steht bereits ein Termin für die Geberkonferenz fest. Sie soll an ein für Oktober in Brüssel vorgesehenes Ministertreffen der Staatengruppe "Friends of Pakistan" angeschlossen werden. Diese Gruppe vereint 22 große Länder und Banken, die dem Land beim Aufbau einer demokratischen Ordnung helfen wollen.

Gleichzeitig erhöhte die EU die Soforthilfe für die Opfer um weitere 30 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen Medikamente, Zelte und Lebensmittel gekauft sowie die Versorgung mit Trinkwasser gesichert werden, sagte Kristalina Georgiewa, Kommissarin für Humanitäre Hilfe, am Mittwoch in Brüssel. Zugleich müssten Frauen und Kinder vor Übergriffen geschützt sowie Tote und Überlebende registriert werden. Die EU ist derzeit der größte Helfer in der Region. Innerhalb der vergangenen drei Wochen stellte die Gemeinschaft 70 Millionen Euro bereit.

Elf Mitgliedsstaaten helfen zusätzlich bilateral. Deutschland stelle insgesamt 58 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in Berlin. Dazu zählten direkte Hilfen aus dem Außen- und Entwicklungsministerium sowie multilaterale Hilfen und Kredite innerhalb der EU, der Weltbank sowie der Vereinten Nationen. Niebel unterstützt den Vorschlag von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, eine Geberkonferenz einzuberufen, um beim langfristigen Wiederaufbau von Pakistan zu helfen. Diesen Vorschlag hatte Barroso am Dienstag in einem Brief an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy unterbreitet. "Das ist eine gute Idee", sagte Niebel. Die Konferenz könne die Staaten motivieren, "noch einmal die Kassen zu öffnen". Der belgische Außenminister und EU-Ratspräsident Steven Vanackere will auf einer UN-Sondersitzung an diesem Donnerstag in New York für die Idee werben.

Kommissarin Georgiewa kündigte an, Ende September Vorschläge für eine Reform der EU-Hilfen vorzulegen. Angesichts sich häufender Katastrophen müssten die Beiträge der 27 Mitgliedsländer besser koordiniert werden, sagte sie. Dazu könne eine schnelle Eingreiftruppe für humanitäre Einsätze gegründet oder ein Netzwerk unter den Mitgliedstaaten geknüpft werden. Sie will Kriterien für militärische Hilfseinsätze festlegen. Im Falle der Flutkatastrophe in Pakistan könne etwa die Nato Transportflüge übernehmen. Die Gründung der Eingreiftruppe ist umstritten. Frankreich plädiert dafür, Deutschland ist dagegen.

Kremlchef Dmitrij Medwedjew sicherte dem pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari russische Hilfe zu. "Wir trauern mit Ihnen und sind bereit, alle erdenkliche Unterstützung zu leisten", sagte Russlands Präsident am Mittwoch bei einem Treffen im Schwarzmeerkurort Sotschi.

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