Nach den Attacken Die Furcht kehrt nach Thailand zurück

Tatort Khao Lak: Hier detonierte eine der Bomben.

(Foto: Jerome Taylor/AFP)
  • "Diese Vorfälle unterscheiden sich von gewöhnlichen Terrorakten", sagte die Polizei zu den Anschlägen.
  • Die Polizei sieht keinen Verbindung zum Anschlag auf den Schrein in Bangkok im vergangenen Jahr.
  • Der Zeitpunkt der Attacken fiel zusammen mit dem Geburtstag der 84-jährigen Königin Sirikit. Dies kann als Angriff auf die Armee gewertet werden, die sich als Wächterin der Monarchie in Szene setzt.
Von Arne Perras, Surabaya

Wenn Touristen in Thailand verletzt werden oder sterben, gibt es für solche Tragödien viele Gründe. Am ver-heerendsten wirkten vor zwölf Jahren die Naturgewalten des Tsunami. In anderen Fällen kommen Urlauber zu Tode, weil Au-tos im chaotischen Verkehr ineinander ra-sen oder Gangster in der Nacht zuschla-gen. Manchmal donnert auch ein achtloser Kapitän mit seinem voll besetzten Speedboot auf einen Felsen. Die Gefahren im vermeintlichen tropischen Paradies sind vielfältig. Doch nur selten waren es Bombenattacken, die für Schrecken unter den Urlaubern in Thailand sorgten.

Das änderte sich im vergangenen Jahr, als bei einem äußerst mysteriösen Anschlag im Herzen Bangkoks an einem religiösen Schrein zwanzig Menschen starben, darunter zahlreiche asiatische Touristen. Und nun flammt die Furcht vor den Bomben erneut auf, mitten in der Sommersaison, nachdem Explosionen an verschiedenen Orten mindestens vier Menschen töteten und Dutzende verletzten, darunter drei Deutsche.

Für die herrschenden thailändischen Generäle, die das politisch stark verunsicherte Volk vor wenigen Tagen über einen umstrittenen Verfassungsentwurf abstimmen ließen, könnte die Gewaltserie zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die Armee fühlte sich gerade erst gestärkt durch ein mehrheitliches Ja im Referendum, das ihre Macht auf lange Sicht konstitutionell zementiert. Doch nun wirkt sie schon wieder schwach und ziemlich ratlos, nachdem sie nicht in der Lage war, die Attacken auf die Königsstadt Hua Hin und auch auf touristische Zentren wie Phuket und Surat Thani zu verhindern.

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Der Zeitpunkt war mit bedacht gewählt: Am Freitag feierte die Königin Geburtstag

Angeblich besaß der Geheimdienst Hin-weise auf einen drohenden Angriff, nur sei nicht klar gewesen, wo und wann er kam, sagte Polizeichef Chakthip Chaijinda nach den Attacken. "Chaos und Unsicherheit" wollten diese Täter säen, sagte Premierminister Prayuth Chan-o-cha. "Warum diese Bomben, da unser Land nun doch auf Stabilität zusteuert? Das muss man jetzt herausfinden." Über die mutmaßlichen Drahtzieher konnte oder wollte er nichts sagen.

Allerdings preschte ein Sprecher der Polizei schon sehr bald mit der Einschätzung vor, dass es sich bei den Anschlägen nicht um internationalen Terrorismus, sondern um "lokale Sabotage" handele. "Diese Vorfälle unterscheiden sich von gewöhnlichen Terrorakten", sagte Piyapan Pingmuang vor Journalisten, ohne näher auszuführen, wer diese mutmaßlichen Saboteure denn seien. Und was genau sie eigentlich lahmlegen wollten. Den Staat, die Wirtschaft, den Tourismus? Oder alles zusammen?

Immerhin ging Piyapan so weit, eine Verbindung zum Anschlag auf den Schrein in Bangkok im vergangenen Jahr auszuschließen, für den sich zwei Uiguren aus dem Westen Chinas in einem zweifelhaften Verfahren verantworten müssen.

Elf Bomben detonierten in fünf Provinzen innerhalb weniger Stunden, das wirkte koordiniert, obgleich es auch dafür zunächst keine verlässlichen Belege gab. Es waren kleinere Bomben, teils versteckt in Blumenkästen, so wie in Hua Hin, der Som-merresidenz des Monarchen. "Ich war völ-lig überrascht, dass so was hier passiert", sagte ein geschockter australischer Tou-rist, der ganz in der Nähe der Tatorte in einem Gästehaus wohnte. "Nun überlege ich mir schon, ob es wert ist, hierzubleiben."

Manche Urlauber befallen Zweifel und Angst angesichts der plötzlichen Gewalt, andere gingen am Freitag in Phuket schon wieder in die Bars, als wäre nichts gewesen. Dort waren zwei Sprengsätze am beliebten Patong Beach und in der Bang La Street detoniert, allerdings sehr früh am Morgen, bevor sich die Strände der Insel füllten.

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Gewalt im Süden kostete schon mehr als 6000 Menschen das Leben

General Prayuth rief zur Ruhe auf. "Wir müssen uns darauf konzentrieren, keine Panik zu machen und Recht und Ordnung wieder herzustellen." Manche Vermutun-gen richten sich nun darauf, dass Rebellen des muslimischen Südens hinter den Attacken stecken könnten, die Bauart der improvisierten Sprengsätze sollen ihrer Handschrift ähneln. Die Aufständischen legten in den vergangenen Jahren immer wieder tödliche Sprengsätze, meistens um Sicherheitskräfte oder Beamte zu treffen. Fast täglich kommt es in den drei südlichsten, überwiegend von Muslimen bevölkerten Provinzen, zu Gewalt, seit 2004 sind dort mehr als 6000 Menschen gestorben.

Doch bezeichnend war in diesem international vergessenen Konflikt, dass die Rebellen ihren Widerstand bisher auf jene Regionen konzentrierten, für deren Autonomie sie kämpfen. Sollten sie sich dieses Mal Richtung Norden bis nach Hua Hin mit ihren Attacken vorgewagt haben, so würde dies auf eine neue Strategie des Kampfes hindeuten - oder darauf, dass eine kleine Splittergruppe dies im Alleingang unternommen hat. Ob sie allerdings in der Lage wäre, so viele Bomben in so kurzer Zeit koordiniert zu zünden, gilt als fraglich.

Der Zeitpunkt der Attacken fiel zusammen mit dem Geburtstag der inzwischen 84-jährigen Königin Sirikit, das war kaum ein Zufall. Für die Täter dürfte die Symbolik und das Timing eine große Rolle spielen, das Königshaus steht für den Kern des thailändischen Staates. So erreichen die Bombenleger maximale Aufmerksamkeit und ihre Taten wirken wie ein frontaler An-griff auf das von der Armee kontrollierte Königreich, deren Generäle sich als Wächter der Monarchie in Szene setzen.

Was König Bhumibol Adulyadej von den Attacken mitbekommt, ist ungewiss. Der 88-Jährige wird rund um die Uhr intensivmedizinisch versorgt und wurde seit Monaten nicht mehr gesehen.

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