Nach Antifa-Aufruf "Es kotzt mich an, wie arrogant ihr seid"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow findet gerne klare Worte.

(Foto: dpa)

Als eine Gruppe von Antifa-Aktivisten eine Preisverleihung stört, wird Thüringens Ministerpräsident Ramelow deutlich.

Von Julia Ley

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist bekannt dafür, dass er deutliche Worte nicht scheut. Italiens ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bezeichnete er auf Twitter schon als "Dreckarsch". Dass ein Linken-Politiker auf vermeintliche Rassisten schimpft, dürfte nicht allzu sehr überraschen, dass seine Wut auch Mitglieder einer linken Gruppierung trifft, schon eher. Als Antifa-Aktivisten am Samstag die Verleihung eines Inklusionspreises in Sachsen-Anhalt störten, griff Ramelow sie direkt an: "Es kotzt mich an, wie arrogant ihr seid."

Hintergrund des Wutanfalls ist ein Demo-Aufruf verschiedener autonomer Gruppen. Sie hatten angekündigt, am 5. Mai vor dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke aufmarschieren zu wollen. Ramelow hatte den Vorstoß auf Twitter scharf kritisiert und mit "Nazi-Methoden" verglichen: "Vor Privathäusern von Politikern zu demonstrieren, geht gar nicht. Egal von wem und gegen wen!" Der Zweck heilige nicht die Mittel.

Als die Autonomen am Samstag bei der Verleihung des "Mosaik"-Preises in Halle an der Saale auftauchten, hielt der thüringische Regierungschef mit seiner Meinung zu dem schwelenden Streit nicht zurück: "Ich finde den Aufruf beschissen", hört man Ramelow in einem Video von dem Vorfall sagen, das auf Youtube zu sehen ist. Er fügt hinzu: "Das ist so eine intolerante Aktion!" Als der Ministerpräsident bemerkt, dass er gefilmt wird, greift er nach dem Handy des Filmenden. An dieser Stelle endet das Video abrupt.

Mehrere Medien sprachen daraufhin von einem "Ausraster" des Politikers, tatsächlich wirkt er in der Aufnahme - trotz seiner Wortwahl - eher gelassen. Im Netz trifft das Video auf unterschiedliche Reaktionen. Während einige Nutzer meinen, Kraftausdrücke seien unpassend für Ramelows Amt, äußern andere Verständnis für seine Reaktion.

Ramelow selbst sieht scheinbar keinen Anlass, sich für das Gesagte zu entschuldigen. Auf Twitter teilt er Tweets von Unterstützern, ansonsten schweigt er sich aus. Seinen Pressesprecher ließ er dann am Sonntag noch erklären: "Einige haben das Gastrecht der Veranstalter missbraucht, um den Ministerpräsidenten in inakzeptabler Weise zu belästigen. Das hatte schon Überfall-Charakter."