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Moskau als Choreograf der Krise:In der Ostukraine wiederholt sich das Muster von der Krim

Im Osten der Ukraine wiederholt sich dasselbe Muster wie auf der Krim. Diesmal streitet Außenminister Sergej Lawrow rundweg jede Einflussnahme ab. Man weiß nicht, ob man sich stärker über den Hohn oder die Chuzpe empören soll.

Das eine tun und das Gegenteil behaupten - seit Wochen treibt Russland dieses Spiel. 40 000 Mann stehen hochgerüstet und entgegen aller Stationierungsverträge an der ukrainischen Grenze. Putins Zusage für einen Abzug - nicht eingehalten. Es ist diese stille Bedrohung, die vor allem Russlands Nachbarn lähmt.

Im vergangenen Herbst haben russische Truppen in einer Großübung gezeigt, was sie leisten können. Ihrer Eskalationsfähigkeit hat die Nato nichts entgegenzuhalten. Ein provozierter Zwischenfall in Kaliningrad, vermeintlich antirussische Übergriffe im Baltikum, eine Erhebung rings ums Schwarze Meer bis an die rumänische Grenze - in Litauen, in Polen, und bei den anderen Anrainern baut sich bleierne Furcht auf. Gesellschaften unter Druck aber werden unkalkulierbar und radikalisieren sich. Nato und EU müssen das allergrößte Interesse haben, das schleichende Gift der Destabilisierung an ihren Grenzen aufzuhalten.

Bitte um Blauhelme

Schwer vorstellbar, wie eine politische Konferenz über eine föderale Struktur der Ukraine in diesem Klima funktionieren soll. Auch vor der Annektierung der Krim eilten die Außenminister hin und her - vielleicht in der echten Hoffnung auf eine diplomatische Lösung, vielleicht auch nur zur Beruhigung der gespaltenen Bevölkerung zu Hause.

Jetzt, in Phase zwei des ukrainischen Staatszerfalls, zwingt die Vernunft geradezu zur Hilfe von außen. Anders als Janukowitsch in der Spätphase ist die neue ukrainische Regierung sogar bereit zu allen erdenklichen Kompromissen, um die Einheit des Landes zu retten. In ihrer Verzweiflung (oder ist es gespielte Naivität) bittet sie gar um Blauhelme. Aber so sehr Kiew fleht, so heftig Washington poltert, so zaghaft Europa Sanktionen erwägt - der Choreograf der Krise sitzt in Moskau. Wenn Putin nur wollte, wäre die ideale Welt für die Ukraine nicht weit.

© SZ vom 16.04.2014/mane
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