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Möglicher Chávez-Nachfolger in Venezuela:Nummer eins aus Verlegenheit

Diosdado Cabello

Venezuelas Parlamentspräsidnt Diosdado Cabello könnte übergangsweise Staatschef werden.

(Foto: AFP)

Parlamentspräsident Diosdado Cabello könnte in der Frage um die mögliche Amtsübernahme von Hugo Chavéz zur Schlüsselfigur werden. Venezuelas schwer erkrankter Präsident favorisiert allerdings einen anderen: seinen Vize Nicolás Maduro.

Ehe Venezuelas Präsident kürzlich zu seiner vierten Krebsoperation nach Kuba aufbrach, versammelte Hugo Chávez in Präsidentschaftspalast und Staatsfernsehen seine Getreuen. Zu seiner Linken saß Vize Nicolás Maduro, zur Rechten Diosdado Cabello. Der Parlamentspräsident spielte bei diesem Abschied vor der Reise nach Havanna zwar nur eine Nebenrolle. Denn Chávez bat, Maduro zu seinem Nachfolger zu wählen, falls er ausfalle. Doch der dritte Mann könnte dennoch zur Schlüsselfigur werden, wenn der Caudillo seine nächste Amtszeit am 10. Januar oder einem späteren Termin nicht antreten kann.

Laut Verfassung wäre Cabello, 49, dann übergangsweise Staatschef, bis Neuwahlen stattfinden. Am Samstag wurde der frühere Offizier in seinem Posten an der Spitze der Legislative bestätigt, die sozialistische Mehrheit wählte ihn ein zweites Mal zum Vorsitzenden der Nationalversammlung. Cabello wurde pathetisch: "Ich schwöre als Patriot dieses wunderbaren Volkes von Venezuela, durch und durch den Aufträgen zu folgen und mit höchster Loyalität das Vaterland und die Revolution von Hugo Chávez zu verteidigen." Er werde ihn "weder verraten noch enttäuschen". Kritiker indes halten ihn für machthungrig, obwohl fürs Erste sein Rivale Maduro der Favorit für eine Zeit nach Chávez ist.

Schon einmal war der gerissene Stratege Cabello die Nummer eins aus Verlegenheit, ganz kurz. 1992 hatte der Absolvent der Militärakademie den Kameraden Chávez bei dessen missglücktem Staatsstreich begleitet. 2002 scheiterte dann ein Putsch rechter Herausforderer gegen Chávez, und bis zu dessen Rückkehr aus der Verbannung übernahm für ein paar Stunden der damalige Stellvertreter Cabello.

Umstrittener Präsident

Star des linken Lateinamerika

Prominenter Vertreter der "Boli-Bourgeoisie"

Der Anführer machte ihn nachher zum Minister für Inneres und später Infrastruktur, danach wurde er Gouverneur des Bundesstaates Miranda. Dort bekam seine Karriere einen Knick, Cabello verlor 2008 gegen den heutigen Oppositionsführer Henrique Capriles. Dank Chávez allerdings wurde er Abgeordneter, Parlamentspräsident und Vizechef der Sozialistischen Partei.

Finanziell soll ihm der Aufstieg ebenfalls gut bekommen sein. Dank bester Kontakte zur Geschäftswelt gilt der vierfache Familienvater als prominenter Vertreter der "Boli-Bourgeoisie", den venezolanischen Neureichen im Namen Bolívars, die teuren Whiskey und dicke Autos ebenso lieben wie die konservative Elite. Mit ihm sind zahlreiche Korruptionsvorwürfe verbunden, von millionenschweren Konten ist die Rede. Seine barsche Art macht den Hardliner unbeliebt.

Wie manch anderer ehemaliger oder aktiver Militärvertreter hat Diosdado Cabello wenig Sympathie für Chávez' Nähe zum kommunistischen Kuba und den Brüdern Castro. Auch dort besitzt der frühere Gewerkschafter Maduro bei der chavistischen Erbfolge Vorteile, doch vorläufig versichern die beiden Rivalen Treue. "Jetzt", steht über Cabellos Website, "mehr denn je mit Chávez."