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Umstrittener Präsident:Star des linken Lateinamerika

Der Kampf des "Comandante" gegen den Krebs ist vorbei: Mit 58 Jahren ist Venezuelas Präsident gestorben. Noch im Februar hatte die Regierung aktuelle Fotos veröffentlicht - er selbst meldete sich per Twitter zu Wort. Chávez war mit seinem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zum Star des linken Lateinamerikas geworden. Etappen seines Lebens in Bildern.

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Hugo Chavez, Hugo Chávez, Venezuela

Quelle: dpa

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Der Kampf des "Comandante" gegen den Krebs ist vorbei: Mit 58 Jahren ist Venezuelas Präsident gestorben. Noch im Februar hatte die Regierung aktuelle Fotos veröffentlicht - er selbst meldete sich per Twitter zu Wort. Chávez war mit seinem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" zum Star des linken Lateinamerikas geworden. Etappen seines Lebens in Bildern.

Auf den Straßen Venezuelas war Hugo Chávez in seinen letzten Tagen allgegenwärtig: Er blickte von großen Plakaten in den Straßen oder Postern in Geschäften, sein Name prangte auf Hauswänden und großen Spruchbändern in der Hauptstadt Caracas. Doch hinter den Kulissen sah es anders aus ...

A Nicaraguan supporter of Venezuelan President Hugo Chavez holds a poster of him at the Revolution Square in Managua

Quelle: REUTERS

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Der Gesundheitszustand des venezolanischen Präsidenten hatte sich nach offiziellen Angaben drastisch verschlechtert. Chávez litt an einer "neuen und schweren" Infektion, der er am 5. März erlag.

FIRST IMAGES OF CHAVEZ IN TWO MONTHS

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Dabei schien die Situation wenige Tage zuvor hoffnungsvoll zu sein: Mitte Februar veröffentlichte die venezolanische Regierung aktuelle Fotos von Hugo Chávez mit seinen Töchtern und der aktuellen Ausgabe der kubanischen Parteizeitung Granma. Wenige Tage später meldete sich Venezuelas Präsident per Twitter selbst zu Wort - zum ersten Mal, seit er vor mehr als zwei Monaten seine Krebsbehandlung in Kuba fortsetzen musste. Per Twitter verkündete er auch seine Rückkehr nach Venezuela: "Wir sind aufs Neue im venezolanischen Vaterland eingetroffen", freute sich Chávez im Kurznachrichtendienst in gestelzten Worten. Hier werde er seine medizinische Behandlung fortsetzen. Er danke Gott und seinem geliebten Volk.

Barack Obama,  Hugo Chavez

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Auch politisch schien sich Venezuelas Präsident im Februar handlungsfähig zeigen zu wollen. Einer Meldung des britischen Guardian zufolge wies Chávez seinen Außenminister Elías Jaua an, sich um eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA zu bemühen. Im Bild: Chávez mit US-Präsident Obama (links) im Jahr 2009.

A MASS FOR CHAVEZ HEALTH

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Zuvor musste sich der schwer erkrankte Staatschef in Kubas Hauptstadt Havanna erneut einer Krebsbehandlung unterziehen. Seit einer Operation am 11. Dezember 2012 trat Chávez nicht mehr öffentlich auf. Am Neujahrstag versammelten sich zahlreiche Anhänger nach einem Aufruf der Regierung Venezuelas, um für Chávez zu beten. Trotz Gerüchten, der Präsident sei dem Tode nahe, durfte Chávez nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Anfang Januar sogar ohne persönliche Anwesenheit und neuen Amtseid seine dritte Amtsperiode als Präsident antreten.

Venezuela's President Hugo Chavez salutes after arriving at a military parade in Maracay

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Hugo Chávez, 1954 in Sabaneta im Bundesstaat Barinas geboren, ist als zweites von sechs Kindern in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Mit 17 entschied er sich zu einer Kadettenausbildung an der Militärakademie in Caracas, die er im Juli 1975 abgeschlossen hat. In der Armee ist er bis zum Oberstleutnant und Kommandanten der Fallschirmspringer in der nordvenezolanischen Stadt Maracay aufgestiegen. Das rote Barett der Fallschirmspringer ist eines seiner Markenzeichen geworden.

Venezuelan President Chavez rides bicycle during 'Aló President' transmitted from Chema Saher in Falcon state

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Gemeinsam mit politisch gleichgesinnten, linken Mitgliedern der Armee gründete Chávez die "Bolivarische Revolutionäre Bewegung". Armut und hohe Benzinpreise führten in den späten achtziger Jahren in Venezuela zu einem Volksaufstand. In dieser unruhigen Zeit führte er einen Staatsstreich gegen Präsident Carlos Andrés Pérez an und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Mit seiner Begnadigung 1994 wuchs Chávez' Popularität in seinem Heimatland.

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Erste Wahlerfolge feierte Chávez im Sommer 1998 bei Kongress- und Regionalwahlen. Im Dezember desselben Jahres erhielt er bei der Präsidentenwahl mehr als 56 Prozent der Stimmen und wurde mit 44 Jahren jüngster Präsident der Geschichte Venezuelas.

Chávez wollte einen "dritten Weg" zwischen Sozialismus und Kapitalismus finden. Mit Preiskontrollen, Subventionen und Infrastrukturausbau versuchte er, eine "Humanisierung" des Wirtschaftssystems zu erreichen. Der Staatschef kämpfte während seiner zweiten Amtszeit ab 2000 mit einer weiter einbrechenden Wirtschaft, mit Kriminalität und hohen Arbeitslosenraten sowie mit großem Widerstand aus Teilen der Armee.

Cuba's President Castro and his Venezuelan counterpart Chavez listen to musicians during the opening of the International Book Fair in Havana

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Zusammen mit Fidel Castro setzte sich Chávez 2004 für eine kontinentale Freihandelszone ein. Beim Weltsozialforum 2005 in Brasilien verurteilte er den "nordamerikanischen Imperialismus", rief zur weltweiten Revolution gegen den Neoliberalismus auf und proklamierte den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" als Gegenentwurf. Kernpunkte dieser Idee sind die Mitverwaltung der Arbeiter bei Betrieben und die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien.

Venezuelan President Chavez visits his Cuban counterpart Castro in Havana

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Solidarisches Joghurt-Essen: Nach einer Operation Castros aufgrund von Darmblutungen zeigte sich Chávez 2006 am Krankenbett des kubanischen Führers - vor laufenden Kameras.

German Chancellor Angela Merkel walks alongside Venezuelan President Hugo Chavez in Lima

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Auf internationaler Bühne hat sich Chávez mit seinen rhetorischen Ausfällen einen Ruf erarbeitet. So bezeichnete er Bundeskanzlerin Angela Merkel 2010 als politische Nachfolgerin Adolf Hitlers. Merkel erklärte daraufhin, ein Land allein könne die guten Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika nicht nachhaltig beeinträchtigen.

Mahmoud Ahmadinejad, Hugo Chavez

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Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern und den USA pflegt Chávez ein gutes Verhältnis zum iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad: 2008 gründete er eine iranisch-venezolanische Entwicklungsbank, besuchte Iran und kündigte eine Zusammenarbeit beim iranischen Nuklearprogramm an. Ahmadinedschad revanchierte sich mit einer Reise nach Venezuela und in andere lateinamerikanische Länder - vor allem, um im Atomstreit mit den USA weitere Unterstützer zu suchen.

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Chávez lässt gegenüber den westlichen Ländern keine Provokation aus: 2010 stattete er dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, bekannt als der "letzte Diktator Europas" einen Besuch ab und schlug ihm vor, gemeinsam "eine Union der freien Republiken" zu gründen.

Hugo Chavez, Vladimir Putin

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In Russland unterschrieb Chávez 2010 einen Vertrag über die Zusammenarbeit bei der Öl- und Gasförderung und erweiterte das venezolanische Waffenarsenal um 92 Panzer und ein Raketensystem.

Chavez suffers complications from latest cancer surgery

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Sein Versuch, ein Gegengewicht zu den mächtigen USA zu bilden und sozialistische Reformen voranzutreiben, führte zu Spannungen zwischen Caracas und Washington. Den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush verglich Chávez mit dem Teufel. Erst mit dem Amtsantritt Barack Obamas 2009 normalisierten sich die Beziehungen.

Venezuelan National Assembly President Diosdado Cabello speaks at

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Wie geht es weiter in Venezuela? Chávez selbst hatte für den Fall seines Todes einen möglichen Nachfolger ins Auge gefasst: Nicolás Maduro. Der ehemalige Busfahrer und Gewerkschafter hat es unter dem Staatschef bis zum Vizepräsidenten geschafft. Bereits vor seiner Krebs-Operation hatte Chávez dem mittlerweile 50-Jährigen Befugnisse übertragen. Vor seiner Abreise nach Kuba im Dezember 2012 soll Chávez sich außerdem erstmals für Maduro als seinen Nachfolger ausgesprochen haben. In den anstehenden Neuwahlen nach dem Tode des Comandante müsste sich aber der bislang eher unbekannte Maduro gegen den Oppositionellen Henrique Capriles Radonski durchsetzen.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/AFP/sana/mcs/mati

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