Mitgeschnittene Trump-Gespräche "Die gute Nachricht ist, dass Euer Lieblingspräsident nichts falsch gemacht hat"

Greift seinen früheren Anwalt scharf an: Donald Trump.

(Foto: AP)
  • US-Präsident Donald Trump hat in der Schweigegeld-Affäre schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Anwalt und die Ermittler erhoben.
  • In dem konkreten Fall geht es um eine angebliche Affäre Trumps mit dem Playmate des Jahres 1998, Karen McDougal.
Von Oliver Klasen

Die folgende Geschichte wäre in normalen Zeiten geeignet, den Betroffenen das Amt zu kosten und seinen Ruf irreparabel zu beschädigen. Aber dies sind keine normalen Zeiten - und diese Geschichte dreht sich um Donald Trump. Selbst seine erbittertsten Gegner mussten bereits wiederholt feststellen, dass bei diesem Mann die bisher eingeübten Regeln des politischen Geschäfts nicht greifen und die bisher verlässlichen Routinen bei der öffentlichen Diskussion über politische Skandale ungültig sind.

Die Zutaten dieser Geschichten - ein ehemaliges Playboy-Model, eine angebliche Schweigegeldzahlung und ein heimlich mitgeschnittenes Gespräch - sie wären auch Stoff für einen zweitklassigen Agentenfilm. Aber das ist kein Film, sondern die Realität.

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Im Zentrum steht Michael Cohen. Mehr als zehn Jahre lang war er der persönliche Anwalt von Donald Trump und einer seiner wichtigsten Vertrauten. Cohen verfügt über detaillierte Kenntnisse zu Trumps Geschäftsaktivitäten und hatte auch Einblick in dessen Privatleben. Ein Wissen, das nach Meinung zahlreicher Beobachter dem Präsidenten durchaus gefährlich werden kann.

Kurz vor der Wahl im November 2016 soll Cohen ein Gespräch mit Trump ohne dessen Wissen mitgeschnitten haben. Die beiden sollen sich über eine mögliche Schweigegeldzahlung an das ehemalige Playmate Karel McDougal unterhalten haben. Dougal hatte nach eigener Schilderung in den Jahren 2006 und 2007 eine Affäre mit Trump. Damals war der heutige Präsident bereits mit seiner heutigen Ehefrau verheiratet.

Der Mitschnitt des Gesprächs sei im April von der Polizei bei einer Razzia in Cohens Büro beschlagnahmt worden, berichtet die New York Times. Bisher äußerte sich der Präsident persönlich nicht dazu. Fragen zu dem Fall ließ er unbeantwortet, als er am Freitag das Weiße Haus in Richtung seines Golfclubs in New Jersey verließ.

Jetzt hat er sich doch gemeldet - auf Twitter, seinem wichtigsten Regierungsinstrument.

Dass Cohen eine private Unterhaltung mit ihm aufgenommen habe, sei völlig unerhört und vielleicht illegal, so der Präsident. Es sei außerdem "unvorstellbar, dass die Regierung am frühen Morgen in das Büro eines Anwalts eindringt". Gegen Ende seines Tweets dreht sich die Stimmung allerdings wieder ins Positive: "Die gute Nachricht ist, dass Euer Lieblingspräsident nichts falsch gemacht hat", so Trump.

Sein jetziger Anwalt Rudolph Giuliani bestätigte der New York Times zufolge am Freitag, dass Trump mit Cohen über Zahlungen gesprochen habe. Letztlich sei allerdings kein Geld geflossen. Die Aufnahme sei daher kein belastendendes Material, sondern belege eine "sehr professionelle Unterhaltung zwischen einem Mandanten und einem Anwalt", so Giuliani.

Fand das Gespräch in New York statt oder in einem anderem Bundesstaat?

Offenbar berieten Trump und Cohen in ihrem Gespräch konkret darüber, die Exklusivrechte an McDougals Geschichte zu kaufen, die sie, wie das Wall Street Journal berichtet, einen Monat zuvor für 150 000 Dollar an die Zeitschrift National Enquirer verkauft hatte. Die Zeitschrift entschied letztlich, nicht über die angebliche Affäre zu berichten. Der National Enquirer gehört zum Medienunternehmen American Media Inc. (AMI), dessen Chef David Pecker mit Trump befreundet ist. Der New York Times zufolge kontaktierte Anwalt Cohen den Unternehmer Pecker, damit er McDougals Schilderungen nicht publizierte. McDougal traf inzwischen mit AMI eine neue Vereinbarung, die es ihr erlaubt, anderen Medien von der angeblichen Affäre mit Trump zu erzählen.

Cohens Enthüllungen sind nicht nur für Trump brisant. Auch er selbst steht unter erheblichem juristischen Druck, da gegen ihn wegen mutmaßlich illegaler Geschäftspraktiken ermittelt wird. Cohen hatte vor der US-Präsidentschaftswahl auch mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels zu tun, die mit Trump Sex gehabt haben soll. Er zahlte ihr damals 130 000 Dollar, damit sie nicht über dieses angebliche Abenteuer spricht. Trump erklärte Anfang Mai, er habe Cohen das Geld erstattet - damit wollte er offenbar dem Verdacht einer illegalen Wahlkampfspende entgegentreten. Stormy Daniels will inzwischen aus der Schweigevereinbarung aussteigen und ist deswegen gegen Cohen vor Gericht gezogen.

Tatsächlich ist es so, dass Schweigegeldzahlungen im Umfeld eines US-Präsidentschaftskandifdaten zwar moralisch fragwürdig, aber nicht unbedingt illegal sind. Ein Rechtsverstoß könnte aber zum Beispiel vorliegen, wenn Cohen aus eigener Tasche Geld bezahlt und dieses nicht bei den Behörden deklariert haben sollte - dann stünde der Verdacht der illegalen Wahlkampffinanzierung im Raum.

Unklar ist noch, wo sich Trump und Cohen befanden, als der Anwalt das Gespräch im Fall von Karen McDougal aufnahm. Nach dem Gesetz des Staates New York sind solche Aufzeichnungen auch dann erlaubt, falls nur einer der Gesprächspartner zustimmt. In anderen US-Staaten müssen alle Gesprächsteilnehmer zustimmen.

(Mit Material der Agenturen)

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