bedeckt München 15°

Merkels Atomwende:"Die Gegner der Atomkraft sind nicht glaubwürdig"

sueddeutsche.de: Nur weil viele andere Länder auf Atomkraft setzen, heißt das doch nicht zwangsläufig, dass das richtig ist.

Seit jeher Fürsprecher der Kernkraft: Erwin Huber (CSU)

Seit jeher Fürsprecher der Kernkraft: Erwin Huber (CSU)

(Foto: dapd)

Huber: Das will ich damit auch nicht sagen. Wir sollten noch einen Schritt weitergehen: Atomkraftwerke bei unseren europäischen Nachbarn verfügen über weit niedrigere Sicherheitsanforderungen. Wir brauchen eine europäische Lösung. Das Kirchturmdenken muss aufhören. Wenn der Krümmungsgrad von Gurken europaweit festgelegt werden kann, dann sollte das bei Atomsicherheit allemal möglich sein. Sonst versagt die EU.

sueddeutsche.de: Eine Aufgabe für Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Huber: Ja, klar, da sind die Bundesregierung und die Kanzlerin gefordert. Meiler in Frankreich oder Tschechien betreffen uns genauso. Strahlung kennt keine Landesgrenzen. Wir müssen auf europäischer Ebene darauf hinarbeiten, dass alle Reaktoren sicherheitstechnisch auf den höchsten Stand gebracht werden.

sueddeutsche.de: Kernkraftgegner haben durchaus vor einem Szenario gewarnt, wie es nun im AKW Fukushima-1 passiert. Müssen Sie der Anti-AKW-Bewegung nicht ein Stück weit recht geben, Herr Huber?

Huber: Mitnichten. Diese Leute sind vor allem Anti: Diejenigen, die ideologisch Atomkraft bekämpfen, verhindern auch bessere Stromleitungen und Speicher. Und damit verhindern sie, dass wir mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien vorankommen. Das ist nicht glaubwürdig.

sueddeutsche.de: Wenig glaubwürdig erscheint auch der atompolitische Positionswechsel, den die Bundesregierung nun, kurz vor drei Landtagswahlen vollzieht.

Huber: Da muss man sehr aufpassen. Die Vertrauenswürdigkeit der Politik ist ein hohes Gut. Die Union darf nicht so tun, als wäre die Energiepolitik, die sie seit Jahrzehnten vertreten hat, plötzlich alter Käse. Ich warne davor, plötzlich völlig andere Politik zu machen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass es sich um ein taktisches Manöver handelt. Ich erwarte von der Kanzlerin, dass sie eine rationale Energiepolitik macht und nicht eine, die von kurzfristiger Stimmung geprägt ist.

sueddeutsche.de: Also, nach dem Moratorium alles beim Alten lassen?

Huber: Langsam. Es ist richtig, wenn wir nach nüchterner Analyse korrigieren, Konsequenzen ziehen und umsteuern. Die CDU muss auch in Baden-Württemberg aufpassen, dass sie nicht in den Ruch einer Zickzack-Partei kommt. Placebo-Handlungen und taktische Manöver werden uns nicht helfen.