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Merkels Atomwende:Ex-CSU-Chef Huber warnt Kanzlerin vor Zickzackkurs

Kein "alter Käse": Der frühere CSU-Chef Erwin Huber plädiert dafür, an der Atomkraft festzuhalten, warnt die CDU vor einem Glaubwürdigkeitsverlust und Angela Merkel vor "taktischen Manövern".

Der CSU-Wirtschaftspolitiker und frühere Parteichef Erwin Huber, Jahrgang 1946, ist seit jeher ein Verfechter der Atomkraft in Deutschland.

Brennelemente in Atomkraftwerk Isar 2

Blick in den geöffneten Reaktordruckbehälter im Atommeiler Isar 2 nahe Landshut(Niederbayern).

(Foto: Armin Weigel/dpa)

sueddeutsche.de: Herr Huber, Sie wohnen in der Nähe des Kernkraftwerks Isar und befürworten seit Jahrzehnten Atomkraft. Rücken Sie angesichts der Ereignisse in Japan davon ab?

Erwin Huber: Nein. In Deutschland müssen wir die Kernkraft in den kommenden Jahrzehnten nutzen, bei höchsten Sicherheitsstandards. Dazu stehe ich.

sueddeutsche.de: Seit Samstag hört man solche Sätze selten. Inzwischen rückten ja die Kanzlerin und selbst die CSU vom harten Pro-Kernkraft-Kurs ab.

Huber: Ich bleibe auch in diesen traurigen Tagen Realist. Wenn wir zu schnell aus der Kernkraft aussteigen, schädigen wir die Umwelt. Wenn wir das Weltklima wirklich schonen wollen, dann brauchen wir die Kernkraft noch. Es ist ein Dilemma.

sueddeutsche.de: Bis vor wenigen Tagen hieß es aus der Union stets, deutsche AKW seien sicher. Nun stoppen CDU und CSU die Laufzeitverlängerung. Halten Sie diese Kehrtwende für richtig?

Huber: Eine Wende ist es nicht. Angesichts der Ereignisse in Japan ist es aber richtig, alle deutschen Atomkraftwerke zu überprüfen, insbesondere Kühlsysteme und Notstromaggregate. Man kann immer lernen und genau dazu werden wir das Moratorium nutzen.

sueddeutsche.de: Sieben Meiler, auch Isar 1 in Ihrer Nachbarschaft, sollen abgeschaltet werden. Tut Ihnen das weh?

Huber: Zuerst ist jetzt harte Prüfung, dann die dauerhafte Entscheidung. Mittelfristig können wir in Deutschland auf Atomkraft noch nicht verzichten. Ein alleiniger deutscher Atomausstieg bringt ohnehin nichts, das haben wir ja gesehen. Überall werden neue Atomkraftwerke geplant und gebaut. Es wäre eine Scheinsicherheit, wenn wir in Deutschland aussteigen und um uns herum geht es auf niedrigerem Niveau munter weiter.