Menschenrechte in Libyen:Amnesty wirft neuer libyscher Regierung Folter vor

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Gaddafis unmenschliches Regime ist gestürzt - und jetzt wendet der libysche Übergangsrat die gleichen grausamen Methoden an? Amnesty International zufolge haben die einstigen Rebellen Gaddafi-Anhänger misshandelt und gefoltert.

Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge sind in Libyen Gaddafi-treue Soldaten in der Gefangenschaft gefoltert worden. "Die neue Führung muss die willkürliche Festnahme und weit verbreitete Misshandlung von Gefangenen auslöschen", heißt es in dem in London vergestellten Bericht.

Demnach sind Soldaten des Gaddafi-Regimes, mutmaßliche Söldner und Sympathisanten des früheren libyschen Machthabers systematisch geschlagen und misshandelt worden. "In einigen Fällen gibt es klare Anzeichen für Folter, um Geständnisse zu erpressen oder als Bestrafung", heißt es bei Amnesty weiter.

Es sei ein großes Risiko zu erkennen, dass "Verhaltensmuster der Vergangenheit wiederholt" würden. "Willkürliche Festnahmen und Folter waren ein Kennzeichen der Herrschaft von Oberst Gaddafi", sagte Hassiba Hadsch Sahraoui, der stellvertretende Amnesty-Chef für den Nahen Osten und Nordafrika. "Wenn die Übergangsbehörden jetzt nicht einen klaren Schlussstrich unter die Methoden der Vergangenheit ziehen, senden sie praktisch die Nachricht aus, dass eine solche Behandlung von Gefangenen im neuen Libyen toleriert wird."

Kommandeur dementiert Festnahme von Gaddafi-Sohn

Unterdessen bleiben die Berichte über die angebliche Festnahme eines der Söhne des untergetauchten früheren libyschen Machthabers widersprüchlich: Mutassim Gaddafi befinde sich nicht in den Händen der neuen libyschen Führung, sagte ein Kommandeur der Kämpfer des Nationalen Übergangsrates, Wissam Ben Ahmed, in Sirte der Nachrichtenagentur AFP.

Der libysche Übergangsrat hatte zunächst mitgeteilt, dass der der 36-Jährige in der Hafenstadt Sirte gefasst und nach Bengasi zum Verhör gebracht worden sei - eine eindeutige Klärung war zunächst jedoch nicht möglich. In den vergangenen Wochen haben die einstigen Rebellen mehrmals die Festnahme von Gaddafi-Söhnen oder Vertrauten des Ex-Diktators verkündet, doch die Berichte erwiesen sich stets als falsch.

Mehrere Mitglieder des Gaddafi-Clans haben sich in den letzten Monaten ins Ausland abgesetzt, andere sind im Land untergetaucht. Wo sich der Ex-Diktator selbst aufhält, ist nicht bekannt.

Deutschland will 150 verletzte Libyer aufnehmen

Deutschland will beim Aufbau des Landes helfen und behandlungsbedürftigen Menschen helfen, und nimmt 150 Libyer auf, die während der Revolutionskämpfe schwer verletzt wurden. Bereits am kommenden Dienstag sollen die ersten mit Bundeswehrmaschinen in deutsche Krankenhäuser gebracht werden, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Donnerstag in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Insgesamt rechnet man noch mit bis zu 2000 Verletzten in dem Land, die behandelt werden müssen.

"Wir wissen, dass es Helden des libyschen Volkes sind", sagte Rösler. Bei den Gesprächen mit dem deutschen Wirtschaftsminister machte die libysche Seite klar, dass die deutsche Unterstützung und die deutsche Wirtschaft im Land "sehr willkommen" seien. Betätigungsfelder gebe es weiterhin im Energiesektor. Besonders seien aber jetzt Hilfen oder Unterstützung bei der Ausbildung der jungen Libyer und im Gesundheitswesen gefragt.

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